Manchmal sagt ein Hashtag auch tatsächlich etwas aus: #climberscity, zum Beispiel. Mit diesem Attribut positioniert sich die Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck in den digitalen Medien, und das mit gutem Grund: Es gibt wohl wenige Städte weltweit, die eine derart dichte Konzentration an starken Kletterern aufweisen. Selbst wenn man durch die Innsbrucker Altstadt flaniert, bekommt man das Gefühl, dass hier irgendwie jeder bereit ist, augenblicklich in eine Route einzusteigen. Und genau das macht den Spirit der Stadt aus, dieses Gefühl einer immer in der Luft liegenden Aktivität.

Klettergarten Dschungelbuch, Martinswand. Foto: Michael Meisl

Kletter-Weltmeister und Innsbruck-Local Jakob Schubert im Dschungelbuch, Martinswand, Foto: Michael Meisl

Ergibt ja auch Sinn: Selbst wenn man sich mitten in der Stadt befindet, sieht man in allen Richtungen die Felsen. Oben auf der Nordkette, drüben in der Martinswand, unterhalb der Nockspitze. Und dann ist da noch das neu errichtete Kletterzentrum Innsbruck, wenn’s mal regnen sollte, eine der modernsten Kletterhallen überhaupt, wo sich die internationalen Top-Athleten die Klinke in die Hand geben. Ja, die Szene ist lebendig in Innsbruck, es wurde an dieser Stelle sogar bereits behauptet, mit dem homo vertikalis innsbruckiansis sei eine eigene Subspezies der Inntalkraxler hier heimisch. Und nicht wenige Vertreter sind wohl eigenes wegen Tirols genialer Felsvielfalt hierhergezogen und dann irgendwie hängengeblieben.

Man muss gar nicht bis ins Zillertal oder an den Wilden Kaiser fahren, um in den Genuss von tollen Felsklettereien zu kommen, vieles liegt in Innsbruck nah und ist sogar mit dem Fahrrad erreichbar. Innsbruck rockt einfach. Wir geben euch einen kleinen Überblick über die lohnendsten Felsmeter in und um die „Alpenhauptstadt“ Innsbruck!

Innsbruck: Best of Sportklettern

1. Dschungelbuch, Martinswand

Klettergarten Dschungelbuch, Martinswand. Foto: Michael Meisl

Boulder-Ass Anna Stöhr am Leistenziehen im Klettergarten Dschungelbuch, Martinswand, Foto: Michael Meisl

Wo Weltklasse-Athleten auf Weltklasse-Fels treffen: Das Dschungelbuch ist nur einer von vielen Klettergärten in der Martinswand, gute zehn Autominuten westlich von Innsbruck. Aber es ist definitiv der größte und traditionsreichste: Mit Routen wie dem „Dschungelfieber“ (8c/+) war das Dschungelbuch das Epizentrum des Tiroler Sportkletterns in den Achtziger- und Neunzigerjahren, das Level war damals schon wahnsinnig hoch. In den schwierigen Routen dominiert hier knallharte Leistenkletterei an kleinen Griffen, aber auch eine 7- kann überraschend anspruchsvoll sein. Dennoch findet man auch immer wieder lohnende Routen in den mittleren Schwierigkeitsgraden. Projektieren empfiehlt sich hier allerdings nur, wenn der Grip am Fels gut ist, kühle Temperaturen und ein leichter Wind sind ideal. Das Gebiet ist südseitig ausgerichtet und ganz unten im Inntal, was den „Dschungel“ zu einem idealen Herbst- und Wintergebiet macht.

Klettergarten Dschungelbuch, Martinswand. Foto: Michael Meisl

Wahl-Tiroler Jorg Verhoeven im Dschungelbuch, Foto: Michael Meisl

Zustieg & Topo: Dschungelbuch, Martinswand

2. Kletterarena Seegrube, Nordkette

Katha Saurwein in der Kletterarena Seegrube hoch über Innsbruck, Foto: Simon Schöpf

Katha Saurwein in der Kletterarena Seegrube hoch über ihrer Heimatstadt Innsbruck, Foto: Simon Schöpf

Von unten betrachtet möchte man nicht meinen, dass die Nordkette, die das Stadtbild von Innsbruck dominiert, auch irgendwo festen Fels aufweist. Primär brüchiges Karwendelgestein, so der Eindruck aus der Ferne. Doch wer die Felsen genauer betrachtet, der findet immer wieder Inseln aus bombenfestem Kalk. Wie zum Beispiel genau oberhalb der Bergstation der Nordkettenbahn, oben auf der Seegrube. Erst vor wenigen Jahren erschlossen, bietet die Kletterarena genialste, superscharfe Lochkletterei auf 2.000 Metern, die Stadt liegt einem hier zu Füßen!

Zustieg & Topo: Kletterarena Seegrube

3. Höttinger Steinbruch, Innsbruck

Der Höttinger Steinbruch bei Innsbruck, Foto: Simon Schöpf | Climbers Paradise

Der Höttinger Steinbruch oberhalb der #climberscity Innsbruck, Foto: Simon Schöpf

Da hört man oft die kritischen Stimmen, der Steinbruch, da könne man ja überhaupt nicht mehr klettern, derart abgespeckt seien die Routen. Stimmt, die Patina ist dick geworden nach all den Jahren, selbst Hermann Buhl hat hier schon seine Trainingsmeter abgespult – abschrecken lassen sollte man sich davon aber nicht! Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist das Konglomeratgestein der Höttinger Breccie allemal, vor allem die ersten paar Meter. Die Routen hier sind aber dennoch lohnende Linien, mit einem ganz gewaltigen Vorteil: Gute 30 Sekunden Zustieg, schnell erreicht mit Bus & Bike. Und welche Stadt hat schon ein kleines, feines Klettergebiet als Naherholungsgebiet verfügbar? Noch dazu mit einer flachen Wiese als Wandfuß, wo kletternde Familien einen idealen Outdoorspielplatz geboten bekommen? Ehret die Breccie!

Zustieg & Topo: Höttinger Steinbruch

Innsbruck: Best of Mehrseillängen

1. Jungmannschaftswand, Ehnbachklamm

Im Jungmannschaftsriss (7) in der vorderen Ehnbachklamm bei Zirl. Foto: Simon Schöpf

Im „Jungmannschaftsriss“ (7) in der vorderen Ehnbachklamm bei Zirl, Foto: Simon Schöpf

Imposant, wie sich das „Jungmannschaftswandl“ vor einem aufbaut, nachdem man ein paar Kurven den engen Steig in die Ehnbachklamm gewandert ist. Die neun Routen sind allesamt lohnend, wenn auch schon zum Teil gut abgeklettert. Der „Jungmannschaftsriss“ ist ein Klassiker im 7. Grad, „Jimmy’s Kanal“ eine beliebte erste Mehrseillängentour. Absteigen kann man bequem zu Fuß.

Zustieg & Topo: Jungmannschaftswand, Zirl

2. Martinswand

Tschi Tschi (8) in der Martinswand, Foto: Simon Schöpf

Hoch über dem Inntal: In der „Tschi-Tschi“ (8), Martinswand, Foto: Simon Schöpf

Das „Innsbrucker Hausgebiet“ für Mehrseillängenkletterer ist die Martinswand, die hoch über Zirl thront. Hier gibt es tatsächlich ein fast unerschöpfliches Revier für die Ritter der Vertikalen: Von einfachen, gut eingebohrten Plattenrouten (z.B. „Flying Grass“, 7-) bis hin zu ausgesetzten, wilden Alpinklassikern mit spärlicher Absicherung („Westriss“) und modernen, alpinen Sportkletterrouten (z.B. „Tschi-Tschi“, 8), auf der Martinswand hat alles Platz. Besonders die Routen im oberen Wandteil (am besten über eine leichtere Plattentour von unten zu erreichen, der Zustieg durch den Schrofen ist sehr „gewusst wie“) sind für Kletterer, die den technisch-kleingriffigen Martinswandstil nicht gewohnt sind, äußerst kraftraubend.

Zustieg & Topo: Martinswand – Mehrseillängenrouten

3. Hohe Munde

Die Hohe Munde und ihr Routennetz. Foto: Climbers Paradise

Die Hohe Munde und ihr Routennetz, Foto: Climbers Paradise

Die imposante Hohe Munde mit ihrer markanten „Nase“ ist der Hausberg der Telfer, einer Marktgemeinde 20 Minuten westlich von Innsbruck. Und die Nase hat es in sich! Ein Ziel für versierte Alpinkletterer, die auch mit mobilen Sicherungsmitteln und zum Teil brüchigem Gestein gut umgehen können. Als Alternative zur Südwand hat sich mittlerweile das Kolosseum etabliert, hier dominiert steile, aber besser abgesicherte alpine Sportkletterei. Eine gute Portion Moral brauchen die athletischen Routen aber dennoch!

Zustieg & Topos: Hohe Munde – Mehrseillängen