Klettern ist das beste Ganzkörpertraining. Doch während wir Muskeln kräftigen, sind es vor allem die bandhaften Strukturen, die ganz schön was aushalten müssen. Wir zeigen euch, wie man im Fall des Falles mit dem richtigen Tape für Unterstützung sorgen kann.

Muskeln passen sich schneller an Bewegung an als Sehnen, Bänder, Knorpel und Kapseln. Und genau diese vier letztgenannten sind es, die uns das Klettern schwer machen, sollten sie verletzt sein. 

Wann tapen? 

Tapen soll man, wenn man verletzt ist und Schmerzen hat! Nicht prophylaktisch und schon gar nicht aus Gewohnheit heraus. 

Warum? Ganz einfach: Wenn du gesunde Beine hast, gehst du ja auch nicht auf Krücken zur Arbeit, oder? Ein Tape hat nämlich genau die gleiche Funktion wie eine Krücke, sie nimmt einen Teil der Last ab, die auf den Finger träfe. Die Gelenke gewöhnen sich an die Unterstützung und werden in Summe schwächer. 

Genau deshalb soll man auch darauf achten, dass man beispielsweise – wenn es nicht akut ist – beim Aufwärmen noch kein Tape verwendet, sondern erst, wenn man wirklich ans Limit geht. Natürlich nur, wenn es geht. 

Wenn’s ohne Tape nicht geht?

Im Folgenden wollen wir euch die häufigsten Verletzungen sowie dafür passende Tape-Methoden vorstellen. 

Hautverletzung – Tape eines Flappers

Tapen - Flapper, Foto: Martina Scheichl | Climbers Paradise
Der „Flapper“ schützt die Haut vor einer weiteren Verletzung, Foto: Martina Scheichl

Reiß das Tape etwa 15 cm ab, es sollte breiter sein als deine Wunde. Knicke es am Anfang um, sodass die nicht klebende Seite auf dem Cut oder Flapper platziert wird. Wenn es geht, die abstehende Haut immer als Erstes auf die Wunde kleben, dann das Tape darüber.  

Tipp: Nicht zu fest um das Gelenk wickeln, da es ja nur als Schutz der Haut dient und nicht zur Gelenksstabilisation. 

Ringbandverletzungen – H-Tape

Verletzungen am Ringband sind die häufigsten Verletzungen von Kletterern (neben Weichteilverletzungen wie Cuts) und kommen fast ausschließlich im Klettersport vor.  Aufgrund der überwiegend „aufgestellten Fingerposition“ kommt es zu hohen Druckbelastungen auf den Ringbandapparat. Dies kann zur Bandzerrung oder zur Ruptur führen. Symptome äußern sich in lokalem Druckschmerz mit Schwellung des Grundgliedes, teilweise mit einem kleinen Hämatom und beim Anspannen der Beugesehne gegen Widerstand tritt die Sehne hervor. 

Das H-Tape entlastet und unterstützt das verletzte Band dabei, dass sich die Sehnen nicht vom Knochen entfernen. 

Tipp: Das H gleich am Anfang des Tapes machen. So lässt es sich leichter anbringen. 

Tapen - H-Tape, Foto: Martina Scheichl | Climbers Paradise
Mit dem H-Tape wird das Ringband unterstützt, Foto: Martina Scheichl

Dazu einen etwa 12 mm breiten und ca. 12 cm langen Tapestreifen wählen und diesen von beiden Seiten her in der Mitte einreißen. Einen Steg stehen lassen, der das sogenannte „H“ bildet.

Lege den Steg auf das Gelenk in der Handinnenseite, befestige erst die kleinen Streifen, bevor du beginnst, die langen um das verletzte Gelenk zu wickeln. Achte darauf, dass du nicht zu fest tapest, dadurch verhinderst du, dass du das Gelenk aus seiner neutralen Position schiebst bzw. dass du den Blutfluss verminderst. 

Auch bei Sehnenscheidenentzündungen kann ein H-Tape in gleicher Weise angelegt werden. 

Beleidigtes Fingermittelgelenk

Schmerzen im Fingermittelgelenk kennen multiple Auslöser wie Kapselzerrungen, Kapselentzündungen, Beugesehnenzerrungen oder Lumbricalissehnenverletzung. 

Wenn die Diagnose nicht klar ist, kann man versuchen, das Gelenk mit einem Tape zu schonen. Anzeichen zu tapen sind unter anderem ein schmerzendes und geschwollenes Gelenk, Schmerzen bei Längszügen sowie streckseitige Schmerzen bei einem Gelenkerguss. Beim Anbringen des Tapes muss man darauf achten, dass eine ausreichende Beuge- und Streckfunktion des Gelenks gewährleistet ist. 

Tapen - Gelenk, Foto: Martina Scheichl | Climbers Paradise
Ein schmerzendes Fingermittelgelenk kann mit einem Tape ein wenig geschont werden, Foto: Martina Scheichl

Den Finger während des gesamten Tape-Prozesses etwa 30 Grad angewinkelt halten. Am Grundgelenk beginnend den Finger mit Tape umwickeln. Auf der Handinnenseite das Tape kreuzweise über das Mittelgelenk legen, dann das Fingerglied umwickeln, bevor man wieder nach unten kreuzt und nochmal den Finger umrundet.  

Tipp: Eine Alternative bei Kapselverletzungen stellt das Buddy Tape dar. Dafür wird der betroffene Finger an seinen Nachbar-Finger getapet, und zwar unterhalb des Gelenks und oberhalb des Gelenks. Dieses Tape ist beim Klettern allerdings relativ unpraktisch. 

Sehnenverletzungen – Handgelenk und Ellbogen

Sehnenzerrungen treten vor allem bei hängenden Fingerpositionen auf, wenn der Finger an einer kleinen Kante eines Griffes „hängt“. Es entsteht eine vergrößerte Haftreibung, wodurch Kraftspitzen aufgebaut werden, die z.B. beim plötzlichen Wegrutschen mit dem Fuß zu einer Elongation des Sehnengewebes, also einer Sehnenzerrung, führen. Der Heilungsverlauf ist lang (3 bis 4 Monate). Das Tape kann unterstützend am Handgelenk sowie Ellbogen angebracht werden. Diese Tape-Varianten werden im Folgenden beschrieben. 

Tape im Handgelenksbereich

Es kommt im Handgelenk durch den Zug der Beugesehnen zu Schmerzen. 

Tapen - Handgelenk, Foto: Martina Scheichl | Climbers Paradise
Tape des Handgelenks, Foto: Martina Scheichl

Für das Tape verwendet man zwei etwa 15 mm breite und ca. 8–10 cm lange Tapestreifen (die Länge ist abhängig vom Handgelenksumfang). 

Klebe das eine Tape unter deinem Handgelenk fest, nimm dann das zweite und klebe es auf der anderen Seite fest. Die Streifen müssen sich überlappen. 

Da die Tapes nicht durchgehend angebracht werden, wird genügend Elastizität gewährleistet und der Blutfluss wird nicht gestört.

Tape des Ellbogens 

Bei Sehnenverletzungen kann ein Tape am Ellbogen auch unterstützend wirken. Dazu das Tape unterhalb des Ellbogens durchgehend anbringen.

Tapen - Ellenbogen, Foto: Martina Scheichl | Climbers Paradise
Tape des Ellbogens, Foto: Martina Scheichl

Achtung! Da in diesem Bereich eine hohe Muskelanspannung beim Klettern auftritt, muss das Tape wirklich locker angebracht werden, damit sich die Muskeln kontrahieren können und der Blutfluss gewährleistet ist. 


Allgemeine Tape-Hinweise

  • Das Tape nie zu fest anbringen! Das stört die Durchblutung. 
  • Beim Anbringen darauf achten, dass ihr das Gelenk nicht aus seiner neutralen Position bringt. Vor allem, wenn ihr das Tape zur Seite hin fixiert, kann es sein, dass ihr zu viel Zug ausübt und sich das Gelenk dadurch seitlich verschiebt. 
  • Die Streifen eher dünn wählen. Das hat die Vorteile, dass das Tape zielgenauer angebracht werden kann und dass es sich während des Kletterns nicht so leicht ganzflächig löst. Nichts ist nerviger als ein Tape, das während des Kletterns lose wird. 

Welches Tape ist das beste? 

Viele Anbieter, viele Pfuscher! 

Wir vertrauen immer noch auf das gute alte Leukotape aus der Apotheke. Es ist reißfest, gibt nicht viel nach, klebt gut. 

Und außerdem

Am besten ist es, nicht verletzt zu sein! Deshalb:

  • Wärmt eure Finger gut auf. Am besten mit einem Donut zum Kneten, zum Beispiel von Black Diamond. 
  • Sorgt für Ausgleich: Viele Verletzungen entstehen, weil es irgendwo anders zu Dysbalancen kommt, zum Beispiel im Ellbogen. Das liegt daran, dass wir kinetische Ketten im Körper haben, die alle zusammenspielen.  Merkt ihr, dass es im Ellbogen oder in der Schulter zwickt, ist es ein klares Zeichen, dass etwas nicht stimmt und häufig folgt auf diesen Schmerz ein kaputter Finger. Schaut euch doch mal unseren Beitrag zu Ausgleichsübungen an. 

Das Tape ist als Unterstützung bei Verletzungen gedacht! Wenn ihr mit Tape trotzdem Schmerzen habt, dann solltet ihr eure Klettertätigkeit einstellen. Wer Schmerzen ignoriert spielt mit Entzündungen oder chronischen Schmerzverläufen, deren Genesung viel länger dauert als eine 3-wöchige Ruhigstellung. 

Ich spreche aus Erfahrung: Tut nur, was euch keine Schmerzen bereitet, sonst kann sich die Rehabilitierung mühsam und langwierig gestalten!