Karwendel – Archaische Urwelt vor den Toren Innsbrucks

Nichts als Fels, Landschaft, Leere und Stille: Es ist kaum zu glauben, dass es zwischen den Städten Innsbruck und München noch so viel unberührte Natur gibt. Mit 727 km ist das Karwendelgebirge nicht nur das größte Tiroler Schutzgebiet und der größte Naturpark Österreichs, sondern auch das größte Klettergebiet der Nördlichen Kalkalpen.

Headerbild: Woodstock
400.000 Menschen pilgerten im Jahr 1969 zu diesem legendären Musikfestival. Zur „Woodstock“ (10-) an der Speckkarspitze pilgern hingegen nur wenige Auserwählte wie die ehemalige Boulderweltmeisterin Anna Stöhr und Ex-Boulderweltcupgesamtsieger Kilian Fischhuber. Für beide ist der Halleranger – ganz im Gegenteil zum Woodstockfestival – die Oase der Ruhe schlechthin.

 

Keine andere Alpenstadt kann sich rühmen, eine derart monumentale, von der Natur geschaffene Stadtmauer zu haben wie Innsbruck. Im Norden steht sie stur, starr und stolz wie der Archetypus des kernigen Klischeetirolers: die 2.637 m hohe Nordkette.

Innsbruck Karwendel @ Michael Meisl I Climbers Paradise
Anna lacht! Das macht Anna nicht nur auf dem Bild, sondern so heißt auch eine Klettertour im Karwendel. Annas Papa konnte diese 2007 zusammen mit Annas Trainer Reini Scherer erstbegehen, als sie ihren ersten WM-Titel holte und allen zum Lachen zumute war.

Innsbruck Karwendel @ Michael Meisl I Climbers Paradise
Die Vorzüge der #climberscity „Wenn man ein E-Bike hat, kann man gemütlich am Vormittag von Innsbruck ins Karwendel radeln, zu Mittag auf der Hütte was essen und am Nachmittag klettern gehen. Auch wenn man im alpinen Gelände unterwegs ist, fühlt es sich wie Sportklettern an“, meint Kilian.

Steht man auf ihr und frönt dem Weitblick nach Norden – der dem Klischeetiroler im Übrigen gerne abgesprochen wird –, so wird eines sofort klar: Innsbruck hat nicht nur eine Stadtmauer, sondern gleich mehrere hintereinander. Denn vier große Gebirgsketten ziehen sich im Karwendel kilometerlang von West nach Ost und bilden eine imposante Festung aus tausenden Zinnen und Scharten, ein Bollwerk aus karwendeligem Kalkgestein. Lange galt das Attribut karwendelig unter Kletterern als Synonym für brüchig. Doch das ist ein historisches Fehlurteil, wie der ehemalige Boulderweltcupgesamtsieger und Wahlinnsbrucker Kilian Fischhuber bestätigen kann:

„Auf viele alte Alpintouren mag das zutreffen, aber die neuen Sportkletterouten und vor allem die Routen an der Speckkarspitze führen durch bombenfesten Fels.“

Glatt, wie mit dem Buttermesser heruntergeschnitten, seien diese, meint Kilian. Und Anna Stöhr erinnern sie an eine Raufasertapete, durchzogen mit wunderschönen Risssystemen, die kunstvoll die Linien vorgeben. Angesichts der schier unendlichen Klettermöglichkeiten, die die vier Innsbrucker Stadtmauern bieten, muss eines nicht weiter verwundern: Für alpinaffine Studierende aus ganz Europa gilt die Universitätsstadt Innsbruck als der Sehnsuchtsort schlechthin. 40 Prozent der angehenden Akademiker*innen kommen inzwischen aus dem Ausland. Und auch wenn böse Zungen behaupten, dass diese untertags kaum zugegen seien, tragen sie wesentlich zum internationalen Flair der Stadt bei. Es gibt keinen Zweifel: Innsbruck ist und bleibt die Kletterhauptstadt der Alpen.

Innsbruck Karwendel @ Michael Meisl I Climbers Paradise
Volle Kraft voraus Noch hat Anna nichts zu lachen. Die technisch anspruchsvolle, nicht allzu steile Kletterei der „Woodstock“ erfordert volle Konzentration. Die einzelnen Längen im Überblick: 6+ (35m), 9+/10- (40m), 9+ (20m), 9 (20m), 7 (35m), 8 (35m), 8 (35m).

 

Innsbruck Karwendel @ Michael Meisl I Climbers Paradise
Boulderschmankerl mit Seilsalat Harte Boulderstellen werden in der 3. Seillänge von „Woodstock“ kredenzt, findet Kilian. Für den fünffachen Gesamtweltcupsieger im Bouldern also genau das richtige Appetithäppchen für zwischendurch.

Innsbruck Karwendel @ Michael Meisl I Climbers Paradise

Innsbruck Karwendel @ Michael Meisl I Climbers Paradise

Späte Liebe
Anna hat das Alpinklettern und auch das Karwendel erst so richtig nach ihrer Profikarriere als Boulderin für sich entdeckt. Dafür genießt sie den Abenteuerspielplatz vor der Haustür jetzt umso mehr. Übrigens ist auch „Woodstock“ eine Erstbegehung von Annas Papa und ihrem Trainer Reini.

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