Die „Stoaberg“: Hier gibt es so viel Fels, dass er nicht einmal in einem Bundesland Platz hat. Die Loferer und Leoganger Steinberge erstrecken sich über das Grenzgebiet Tirol – Salzburg, und wer beschließt, die Gegend zu besuchen, wird zuallererst vor einem Problemchen stehen: Wo anfangen? Fels, wohin man schaut: die Waidringer Steinplatte mit ihrem ultra-kompakten Plattenpanzer da, das Breithorn mit seinen fast 40 (eingebohrten!) Seillängen dort, Klettergärten sind sowieso überall verstreut.

Klettern an der Waidringer Steinplatte in den Steinbergen. Foto: Michael Meisl

Willkommen im endlosen Fels: Klettern an der Steinplatte, Foto: Michael Meisl

Kurz: dezente Überforderung. Am besten ist es also, sich zuerst einmal auf eine Kategorie zu konzentrieren: Lieber gemütlich Sportklettern oder den ganzen Tag in der Wand verbringen und was „Alpines“ gehen? Beides geht hier nämlich exzellent. Wer diese Entscheidung geschafft hat, der darf weiterlesen: Wir stellen euch die besten Spots der Region vor. Was ziemlich schwierig ist, dann genial klettern kann man hier eigentlich fast überall. Dennoch: ein Best-of „Stoaberg“!

Steinberge: Best of Sportklettern

1. Klettergärten an der Waidringer Steinplatte

Klettern an der Waidringer Steinplatte in den Steinbergen. Foto: Michael Meisl

Bombenfels an der Steinplatte, Foto: Michael Meisl

Man könnte ein eigenes Buch nur über die Steinplatte schreiben (was heißt könnte – Local Hero und Volldampferschließer Adi Stocker hat das getan, der Kletterführer Steinplatte sei wärmstens empfohlen): von knackigen Mehrseillängen bis zu genussvollen Sportkletterrouten ist hier alles zu finden. Der kleinste gemeinsame Nenner: Fels par excellence!

Die Steinplatte ist ein sieben Kilometer langer Riffkalk-Riegel, bis zu 200 Meter sind die Felsabstürze hoch. Neben den Mehrseillängen-Routen (siehe unten) gibt es auch immer wieder Bereiche mit konzentrierten Einseillängen-Touren, vulgo Klettergärten. Weit über dem Tal thront sie aber dennoch, die Steinplatte, was sie zum idealen Gebiet für die Herbstmonate macht, weil wunderbar sonnenexponiert. Andererseits muss man  erst einmal nach oben kommen, was aber entweder mit den Bergbahnen oder über die Mautstraße angenehm einfach geht. Und dann unter den Felsen bis zur Wunschroute spazieren – die Sportkletterer werden es begrüßen, dass einige der lohnendsten Klettergärten wie der St. Johanner Palven oder Abramakabra gleich in der Nähe des Parkplatzes sind.

Zustieg & Topos: Klettergärten in der Waidringer Steinplatte

2. Unteres & Oberes Wunderland

Das darf man sich schon erwarten, bei so einem Namen: Felswunder ohne Ende! Die „Wunderländer“ sind Klettergärten wie aus dem Bilderbuch: genialer Fels und fordernde Routen, gepaart mit einem kurzen Zustieg. Wohlfühlen werden sich hier aber primär die Hardmover, die Anzahl der leichten Routen ist überschaubar. Dafür gibt es für Anfänger und Familien den nahen Kinderklettergarten. Einziger Wermutstropfen im Land der Wunder: Nach Regengüssen bleibt die Wand länger nass, die Löcher tropfen noch lange. Also lieber eine längere Schönwetterperiode im Frühjahr oder Herbst abwarten und dann: mit Vollgas angreifen!

Zustieg & Topo: Unteres & Oberes Wunderland

3. Kleines Verdon

Gut, noch einmal so ein Gebiet mit hochtrabendem Namen: Das Kleine Verdon erinnert wohl nicht umsonst an den großen Bruder in Frankreich, geklettert wird hier auch schon seit den 80er-Jahren. Es ist also wohl das traditionsreichste Klettergebiet in der Umgebung, die Kletterei auch entsprechend technisch anspruchsvoll, die Bewertungen immer noch eher „hart“. Der Schönheit der Linien tut dies aber keinen Abbruch!

Zustieg & Topo: Kleines Verdon

Steinberge: Best of Mehrseillängen

1. Urlkopf

Die

Die „Nase“ des Urlkopfs, Foto: Climbers Paradise

Der Spitzname „Verdon Tirols und Salzburgs“ ist nicht nur wegen der gleichwertigen Felsqualität passend – passend ist ebenso der Zustieg, nämlich von oben kommend! Für die gewaltigen Wände des Urlkopfs parkt man auf der Loferer Alm, spaziert dann relativ eben zu den Felsabbrüchen – und seilt sich in die Tiefe! Nun gibt es nur mehr einen Weg, nämlich den nach oben, aber der könnte schöner kaum sein.

Zustieg & Topo: Urlkopf

2. Waidringer Steinplatte

Klettern an der Waidringer Steinplatte in den Steinbergen. Foto: Michael Meisl

Klettern an der Waidringer Steinplatte in den Steinbergen, hier die Route „Ende der Sonne“ (7a), Foto: Michael Meisl

Schon wieder die Steinplatte – aber ein Best-of der Region wäre nicht vollständig, ohne auch noch einmal die Mehrseillängen-Touren der gewaltigen Steinplatte zu würdigen. Ob im zentralen Wandteil oder weiter drüben bei Wemeteigen – bestens abgesicherte Routen findet man hier überall. Viele munkeln sogar, man fände hier oben den besten Fels Tirols. Kombiniert mit dem Panorama der Loferer Steinberge im Rücken ist das Gebiet ein schier endloses Mekka für motivierte Alpinkletterer!

Zustieg & Topo: Waidringer Steinplatte

3. Breithorn

Ende ... Nie? 38 Seillängen Bombenfels! Foto: Adi Stocker

Ende … nie? 38 Seillängen Bombenfels! Foto: Adi Stocker

Auch wenn schon wieder ein Superlativ herhalten muss: Mit der Route „EndeNie“ gibt es am Breithorn eine der längsten Genussrouten der Ostalpen – 38 Seillängen bohrhakengesicherte Plaisierkletterei! Fast unvorstellbar, dass einen der feste und zum Teil schmerzhaft raue Fels über die Distanz der gesamten Route begleitet – aber „Longlines“-Großmeister Adi Stocker hat hier sein schier übermenschliches Gespür für die perfekte Linie wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Mit Zu- und Abstieg selbstredend ein (mehr als?) tagesfüllendes Unternehmen, ein Sinn für alpine Romantik vorausgesetzt! Wer den hat: auf in die „EndeNie“!

Zustieg & Topo: EndeNie, Breithorn

Auf einen gewissen Materialverschleiß sollte man sich bei 38 SL einstellen! Foto: Adi Stocker

Auf einen gewissen Materialverschleiß sollte man sich bei 38 Seillängen einstellen! Foto: Adi Stocker