Das Sportklettern hat sich in den letzten Jahren zum absoluten Volkssport entwickelt. Das Angebot an modernen Trainingsstätten ist enorm und die Jüngsten lernen bereits spielerisch, sich in der Vertikalen zu bewegen. Viele zieht es später an den Fels und oft auch in Alpine Routen. Wir haben ein paar wichtige Tipps zusammengestellt, um den Schritt vom Sportklettern ins Alpinklettern leichter meistern zu können.

Der richtige Partner zum Alpinklettern

Ein verlässlicher Sportkletterpartner ist noch lange nicht für alpine Unternehmungen geeignet. Solide Seiltechnik, keine Höhenangst, ein gewisses Maß an Leidensfähigkeit und vor allem eine positive Grundeinstellung braucht es beim Alpinklettern. Beim Alpinklettern muss man seinem Partner nicht nur vertrauen – man muss sich vor allem zu 100% auf ihn verlassen können. Ein offener Dialog und das Ansprechen von Bedenken und Ängsten muss dabei ohne Probleme möglich sein. Idealerweise steigert man das Vertrauen indem man einige kurze alpine Sportkletterrouten im Klettergarten ausprobiert und die Seilschaftsabläufe automatisiert. Schon nach wenigen gemeinsamen Routen funktioniert die Kommunikation ohne lautes Schreien und Gezanke. Eine eingespielte, routinierte Seilschaft erkennt man daran, dass die Kommunikation schnell und ohne lautes Gebrüll funktioniert.

Am Standplatz, Tipps zum Alpinklettern von Climbers Paradise

Am Standplatz

Das kleine Einmaleins der Seiltechnik

Unweigerlich kommt der Alpinkletternovize an den Punkt, sich vertiefend mit der Seiltechnik zu befassen. Ein einfacher Achterknoten und das richtige Einlegen des GriGri reichen leider nicht aus. Idealerweise besucht man einen Seiltechnikkurs in der lokalen Alpenvereinssektion oder eignet sich das Wissen mit Hilfe der passenden Literatur, erfahrenen Freunden oder Selbststudium an. An dieser Stelle sei das Seiltechnik Buch (Larcher/Zak) erwähnt das mit gut verständlichen Illustrationen einen guten Einstieg in die Materie bietet.

Die passende Ausrüstung fürs Alpinklettern

Mobile Sicherungsmittel, Tipps zum Alpinklettern von Climbers Paradise

Mobile Sicherungsmittel

Wer hoch hinaus will kommt leider auch nicht Drumherum, sich die passende Ausrüstung zu besorgen. Der Klettergurt und Chalkbeutel unterscheiden sich beim Sport- und Alpinklettern kaum. Das restliche Material sollte aber ergänzt werden. Alpinkletterschuhe sollten ca. eine Nummer grösser sein als die engen Sportkletterschuhe. Auch die normalen Expressschlingen sollten falls möglich gegen verlängerbare und leichte Alpinschlingen getauscht werden. Fünf Schraubkarabiner, zwei Bandschlingen (60cm und 120cm Durchmesser) und das passende Sicherungsgerät mit Plate- Funktion (z.Bsp. Petzl Reverso 4 oder BD ATC Guide) gehören zur Grundausstattung beim Mehrseillängen klettern. Fürs Abseilen benötigen wir außerdem einen Kurzprusik (Reepschnur mit 1m Länge).

Auch das Seil ist beim Alpinklettern etwas anders als beim Sportklettern. Da man immer wieder abseilen muss, das Anwenden der Halbseiltechnik zur Verminderung der Seilreibung funktionieren sollte und man auf den Sicherheitsgewinn durch zwei getrennte Seilstränge nicht verzichten möchte, brauchen wir zwei Seile, die gleich lang sind (60m). Sie müssen farblich eindeutig unterschieden werden können und halb- bzw. zwillingsseilzertifiziert sein. In der Regel sind diese Seile etwas dünner als Einfachseile (ca. 8mm). Wer diese auch im Winter zum Eisklettern in Gebrauch hat, sollte imprägnierte Modelle wählen.

Die Bekleidung hängt stark davon ab, wo man unterwegs ist. Eine leichte Windjacke mit kleinem Packmaß sollte allerdings immer mit dabei sein, auch an warmen Sommertagen. Wer schon mal an einem windigen Standplatz beim Sichern ausgekühlt ist, wird die Windjacke nie wieder im Rucksack am Boden zurücklassen. Der passende Helm darf beim Alpinklettern natürlich auch nicht fehlen, da er uns vor kleinen Steinen und Kopfverletzungen im Falle eines Sturzes schützt.

Plaisirklettern vs. Klassische Alpinrouten

Granitverschneidung, Tipps zum Alpinklettern von Climbers Paradise

Granitverschneidung

Wer seiltechnisch fit ist, das passende Material besitzt und einen passenden Alpinkletterpartner gefunden hat, dem fehlt eigentlich nur noch die passende Route. Wie bereits erwähnt, tastet man sich am besten vorsichtig ans Alpinklettern heran und wählt kurze Routen mit guter Absicherung und klarer Linienführung. Nach einiger Zeit wird das Seilhandling dann besser und man erreicht eine gute Routine. Schwierigere Routen mit cleanen Passagen zum selbst absichern bilden dann den nächsten Schritt. Für den Sprung vom Klettergarten ins Alpinklettern sollte man sich also Zeit nehmen und seine Hausaufgaben machen. Mit Geduld und Motivation ist aber auch diese Art des Kletterns erlernbar. Kein Meister ist vom Himmel gefallen… Diese Binsenweisheit sollte man sich vor allem beim Alpinklettern hinter die Ohren schreiben bevor man plötzlich selbst vom Himmel fällt!