Ski & Climb Des Kaisers Felsen im Wintergewand

Vom Sinn und Unsinn, zwei Sportarten miteinander zu kombinieren: Im Wilden Kaiser geht’s mit den Tourenski zur Alpinkletterroute, um mitten in der Wand eine Überraschung zu erleben.

Foto: Simon Schöpf
Foto: Simon Schöpf

Das Hochdruckgebiet ist so prägend, dass es seinen eigenen Namen verdient: Omega heißt es und bringen tut es wolkenlosen Himmel über Tirol, seit bereits mehr als 14 Tagen. Es bringt uns außerdem die Extremform dessen, was man Frühlingsdilmma nennen könnte: Unten im Tal perfekte Temperaturen zum Klettern im T-Shirt, oben am Berg noch die idealen Firnverhältnisse zum Tourengehen. Jeden Tag stellt sich deshalb die paradoxe Frage: Klettern gehen oder Skifahren? Die elegante Lösung des Luxusproblems: Genau, beides gleichzeitig!

Foto: Simon Schöpf
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Nennen wir es auf gut Neudeutsch ski & climb, mit den Tourenski zum Fels, schön südseitig klettern, abseilen, mit großzügigen Schwüngen wieder ‘gen Tal gleiten. Soweit die Theorie, die Praxis ist dann schon etwas komplizierter: An welche Felsen komme ich halbwegs bequem im Frühjahr hin? Wo ist es dann auch an kurzen Tagen warm genug zum Klettern? Welche Rolle spielt die Lawinengefahr mit der tageszeitlichen Erwärmung? Und vor allem, wen kann ich motivieren, mit Gurt, Karabiner und Doppelseil auf Skitour zu gehen?

Christof ist dabei, wie meistens bei dezent verrückten Aktionen. Wir wollen ein Ziel im Tiroler Unterland ansteuern, nach einem ski & climb bei Imst und einem im Schüsselkar ist das für dieses Jahr der nächste logische Schritt, zusammengenommen könnte man dann sogar wagemutig von einer „Tiroler ski & climb Trilogie“ sprechen, das klingt doch gut. Und welches Ziel würde sich im Unterland mehr anbieten als der legendäre Wilde Kaiser, wo schon so viel Klettergeschichte geschrieben wurde?

Foto: Simon Schöpf
Foto: Simon Schöpf

Der Kaiser im Schnee 

Im eingeschneiten Zustand präsentiert sich der Wilde Kaiser wie die Dolomiten im Kompakt-Format: Überall schroffe Felszacken und steile Rinnen, der Steilrinnen-Aficionado in Christof sieht überall schon die nächste lohnende Befahrung. Doch nicht heute, da bleiben wir skitechnisch im einfachen Gelände, und das merkt man auch unmittelbar an den Massen – das muss man so sagen – die hier Richtung Ellmauer Tor pilgern, Hunderte ist ohne Übertreibung im Plural zu verwenden. Aber wen wundert’s auch bei diesem Kaiserwetter im Kaiser, der Lawinenwarndienst gibt seit zwei Wochen einen ganztägigen „1er“ aus, am Himmel nicht mal der Ansatz einer Wolke, die Fernsicht nur vom Horizont begrenzt, kurz: Die Bedingungen könnten nicht besser sein.

Foto: Simon Schöpf
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