Endlich ist der lange Winter vorbei und nachdem wir Felskletterer uns so lange der Dunkelheit unterordnen mussten, dürfen wir nun auch mal an uns denken und das tolle Wetter in vollen Zügen genießen. Doch muss neben dem gesunden Verlangen nach Natur auch noch Platz sein für einen weiteren Gedanken, ohne den all das Schöne nämlich gar nicht erst möglich wäre – der Gedanke an den Umweltschutz.

Respect and preserve nature!

Tannheimer Tal, Foto: TVB Tannheimer Tal, Achim Meurer | Climbers Paradise
Tannheimer Tal, Foto: TVB Tannheimer Tal, Achim Meurer

Jedes Jahr ist es dasselbe leidige Thema: Meistens beginnt man im Sommer, definitiv aber im Herbst, sich zu wundern, wo all der Müll herkommt. Man fragt sich, welche Sorte Mensch auf die Idee kommt, seinen Dreck so gedankenlos zurückzulassen. Geht man durch den Wald, bedarf es oft großer Vorsicht, will man nicht in die frühere Toilette eines anderen steigen. Und obwohl es zum Teil massive Probleme gibt, soll es niemand gewesen sein. Das stinkt doch buchstäblich zum Himmel!

Auf der Suche nach einem Sündenbock wird schnell klar: Es ist nicht der Einzelne, sondern das Kollektiv. Klettern ist zwar ein Individualsport, doch geht es um die Nutzung der Natur, ergibt sich aus der Addition der einzelnen Teile eine große Gesamtsumme an Leuten, die regelmäßig durch Wald und Wiesen stapfen. Unsere Bewegungsräume zu schützen und in ihrer natürlichen Form zu bewahren, ist Aufgabe eines jeden einzelnen Kletterers. Und so gibt es verschiedene Aspekte, die wir Outdoor-Sportler für den Umweltschutz beachten sollten:

1. Liegengebliebenen Müll mitnehmen

Thema Nummer eins beim Umweltschutz: der Müll. Auch wenn es nicht von uns stammt: Nehmt zurückgelassene Papiersackerl, Zigarettenstummel (!) und Ähnliches mit, anstatt sie Mutter Natur zu überlassen.

Besser als Müll mitzunehmen, ist es natürlich, gar nicht erst welchen zu produzieren. Das fängt beim Einkauf an, wo Plastikverpackungen vermieden und Papiersackerl (z.B. für Brot) wiederverwertet werden können, und geht weiter zum Jausn-Richten zu Hause. Packt eure Brotzeit in ein Tuppergeschirr, dann sind Reste von Plastikverpackungen gar nicht erst im Klettergebiet zu finden.

2. Macht euch unsichtbar beim „Austreten“

Wer mal muss, muss (daran könnte nur die Evolution was ändern). Das Toilettenpapier muss man aber trotzdem nicht überall liegen lassen. Am besten packt ihr es ein und entsorgt es in der nächsten Mülltonne.

3. Lärmpegel in Grenzen halten

Eine zu laute Geräuschkulisse gilt oft als Störfaktor, beispielsweise Musik aus einer mobilen Box oder lautes Anfeuern. Das ist nicht nur für andere Kletterer belastend, sondern auch für Tiere. Empfindet beispielsweise ein Jäger sein Jagdrevier als bedroht durch das Verhalten von Kletterern, so kann eine laute Gruppe das Fass zum Überlaufen bringen und das Gebiet wird gesperrt. Das Blöde ist: Wir wissen nie, wie voll das Fass bereits ist. Deshalb: Seid lieber etwas vorsichtiger und strapaziert die (Lärm-)Grenzen nicht unnötig!

4. Wie viele Wege braucht es nach Rom?

Klettergarten Platzl am Achensee, Foto: Mike Gabl | Climbers Paradise
Klettergarten Platzl am Achensee, Foto: Mike Gabl

Manchmal ist es gar nicht so leicht, den richtigen Weg zum Sektor Glückshormon in Niederthai zu finden, oder den Zustieg zur Fleischbank am Wilden Kaiser. Das liegt vor allem daran, dass vor uns schon viele andere dieselbe Fragestellung zu lösen hatten und einfach mal in die ungefähre Richtung durch den Wald stapften. Das wahllose Gehen abseits der Pfade macht aber auf lange Sicht die Wälder kaputt und kann vermieden werden. Wo wir uns nämlich immer sicher sein können: Handelt es sich nicht gerade um einen Geheimtipp, dann sind da vor uns schon unzählige Menschen hingegangen und wir sind nicht die Ersten, die sich den Weg zur Wand bahnen. Bleibt also auf den Wegen, nicht nur weil es viel einfacher und sicherer ist, sondern vor allem um die Ursprünglichkeit unserer Wälder zu bewahren.

5. Sauber kann jeder!

Wenn wir uns entschließen, sauberer und somit nachhaltiger zu leben, dann ist das eine bewusste Entscheidung, die jede/r realisieren kann. Beispielsweise durch wiederverwertbare Verpackungen und Trinkflaschen. Diese sind genauso leicht zu erhalten, wie Produkte von Firmen, die nachhaltig produzieren, z.B. Patagonia, Gentic, Black Diamond und viele mehr.

Viele Leute denken, es sei unmöglich, immer auf alles zu achten, z.B. weil viele Supermärkte immer noch nicht plastikfrei sind. ABER: Wir können selbst das Maß unserer Möglichkeiten festlegen. Selbst der Verzicht auf ein Sackerl hat seinen Beitrag zum Umweltschutz, vor allem dann, wenn ganz viele auf ein Sackerl verzichten. Also: Denkt, so oft es geht, daran und macht, was für euch möglich ist. Verlasst auch mal euren Komfortbereich und probiert, wie es sich nachhaltiger leben lässt. Meist ist es mit weniger Aufwand verbunden, als man meint, und es fühlt sich obendrein echt gut an.

Maßnahmen für den Umweltschutz

Habt ihr gewusst: Climbers Paradise engagiert sich in vielen Klettergärten Tirols, um die nötige Infrastruktur zu schaffen, damit KletterInnen ihren Müll dort leicht entsorgen können. Gemeinsam mit den Regionen stellen wir sicher, dass ihr euren Müll unkompliziert an der richtigen Stelle deponieren könnt.

Auch andere Maßnahmen wurden bereits ergriffen, damit Dreck im Wald leicht vermieden werden kann. Vielerorts umfassen diese Maßnahmen von einfachen Sanitäranlagen hin zu Biwakgelegenheiten, zum Beispiel im Bouldergebiet Silvapark, wo solche Möglichkeiten für KletterInnen an der Liftstation eingerichtet wurden. Manchmal sind damit kleine Unkostenbeiträge für die Benutzenden verbunden, wobei sich allerdings niemand die Taschen auf des Kletterers Kosten vollschlagen möchte. Diese Maßnahmen sollen vielmehr helfen, ein Klettergebiet in seiner Schönheit zu erhalten.