Die Region Wilder Kaiser zählt seit gut 200 Jahren zum Kletter-Hotspot in Europa. Wo in früheren Zeiten Dülfer und Kollegen kühne Erstbesteigungen durch die mächtigen Kaiserwände absolvierten, schwelgen heute Kletterer aus einem Potpourri aus Sport-, Plaisir- und Alpinkletterei vom Feinsten.

Klettern an der Karlsspitze bei der Wirtskante beim Wilden Kaiser, Foto: Roland Schonner, TVB Wilder Kaiser | Climbers Paradise

Klettern an der Karlsspitze bei der Wirtskante beim Wilden Kaiser, Foto: Roland Schonner, TVB Wilder Kaiser

Markante Felszacken, -nadeln und -zinnen – aufgereiht wie eine halbe Krone präsentiert sich das Kaisergebirge seinen staunenden Betrachtern. Stolz und mächtig – ein Gebirge wie gemalt. Da ist es nicht verwunderlich, dass Kletterpioniere wie Hans Dülfer und Mathias Rebitsch in den Kaiser regelrecht pilgerten – und wie im Banne seiner Majestät die mächtigen Felswände auf Ihre Kletterbarkeit testeten.

Zahlreiche Erstbegehungen gehen auf Ihr Konto. Dülfer, der in München studierte sah wohl mehr die Felswände des Kaisers als den Hörsaal von innen. Ihm gelangen unter anderem die Erstbegehungen von Totenkirchl-Westwand und Fleischbank-Ostwand. Mathias (Hias) Rebitsch setzte unter anderem mit dem Rebitschriss am Fleischbankpfeiler ein dickes Ausrufezeichen. Seine Route galt lange Zeit als schwierigste Risstour im Kaiser und verteidigt bis heute ihren Ruf als ernste Kletterei. Die Kühnheit der Bergpioniere, die noch nicht über die moderne Ausrüstung verfügten, lässt so manchen Alpinkletterer der heutigen Zeit ehrfürchtig den Hut ziehen.

Neue Kletterära – der Kaiser in neuem Gewand

Stefan Glowacz begründete in den 1990er-Jahren die Ära der Plaisirrouten im Kaiser und setzte seinerseits mit „Des Kaisers neue Kleider“ (8b+) ein Statement. Neben den alpinen Kletterschätzen etablierte sich am Schleierwasserfall ein Sportklettergarten der Extraklasse!

Klettern beim Schleierwasserfall, Foto: Daniel Reiter, Peter von Felbert, TVB Wilder Kaiser | Climbers Paradise

Klettern beim Schleierwasserfall, Foto: Daniel Reiter, Peter von Felbert, TVB Wilder Kaiser

An dem mächtigen Felsriegel mit seinem beeindruckenden Wasserfall, der sanft in die Tiefe fällt, können einige der europaweit schwierigsten Routen geklettert werden. Kletterprofis und –promis geben sich hier die imaginäre Klinke in die Hand und schwärmen von der fantastischen Atmosphäre samt beeindruckender Kletterei.

Kaiserlich Klettern für alle

Klettern in der Region Wilder Kaiser | Climbers Paradise

Klettern in der Region Wilder Kaiser

Genusskletterer können in der Region Wilder Kaiser aus einer riesigen Zahl an moderaten Plaisirrouten und alpinen Sportkletterrouten auswählen, die durch die legendären Wände von Totenkirchl, Fleischbank, Predigtstuhl und vielen anderen Zapfen , Nadeln, und Pfeilern führen. Climbers Paradise stellt exemplarisch 6 Mehrseillängengebiete vor – was allerdings lediglich die Spitze der Kaiserkrone darstellt. Mehr Routen sowie die alpinen Klassiker sind im Kletterführer „Alpin Wilder Kaiser“ von Marcus Stadler (zweite Auflag Panico-Alpinverlag 2017) nachzulesen.

Die Wilderer Kanzel | Climbers Paradise

Die Wilderer Kanzel

Wer im Einseillängen-Geschäft unterwegs ist, findet beispielsweise im Klettergarten Achleiten oder „Wilderer Kanzel“ fantastische Sportklettereien in allen Schwierigkeiten. Familien mit kleinen Klettermaxen und Klettereinsteiger stehen im Kaiserklettergarten an Gams- und Murmeltierfelsen 16 Routen zur Verfügung, bei denen der Spaß im Vordergrund steht, und die dank perfekter Absicherung auch ideal für erste Vorstiegsversuche geeignet sind.

Der Murmeltierfelsen im Kaiserklettergarten in der Region Wilder Kaiser | Climbers Paradise

Der Murmeltierfelsen im Kaiserklettergarten in der Region Wilder Kaiser

Die Energiespeicher können im Hütten-Bermudadreieck „Grutten-, Gaudeamushütte und Wochenbrunner Alm“ mit allerlei Köstlichkeiten wieder aufgefüllt werden. Und wer einen Kletterruhetag wünscht den bittet seine Majestät der Kaiser zum Wanderausflug, zum Baden, Golfen, Mountainbiken …

Alles – außer Klettern

Wandern, Wandern, Wandern: Die Region Wilder Kaiser bietet mit die schönsten Wanderungen, Bergtouren, Rundtouren, Ein- und Mehrtagestouren. Vom „Kleinen Törl“ über Ellmauer Tor bis Kaiserkrone. Wasserratten können im Badesee Going preisgekrönt Schwimmen: Der See wurde zum „schönsten Naturbadesee Tirols“ gekrönt. Alternativ lädt der Hintersteiner See mit seinem tiefgrünen Wasser zum Badespaß.

Nach dem Wandern eine Jause, Foto: Daniel Reiter, Peter von Felbert, TVB Wilder Kaiser | Climbers Paradise

Nach dem Wandern eine Jause, Foto: Daniel Reiter, Peter von Felbert, TVB Wilder Kaiser

Urlaub beim Bergdoktor

Fans von der gleichnamigen Fernsehserie können (ganz heimlich oder offensichtlich) auf den Spuren des Filmarztes Hans Siegl wandeln, und beispielsweise den „Gruberhof“ aus nächster Nähe begutachten.

Kinder-Paradies: Hexenwasser und Ellmi`s Zauberwelt

Kids erleben im Hexenwasser einen erlebnisreichen Draußentag, ganz ohne anstrengendes Wandern. Von Barfußpfad bis Brotbacken ist alles geboten – und für die Eltern stehen auf dem großen Almplateau Holzliegen zum Entspannen zur Verfügung. Zauberfrosch Ellmi begrüßt seine kleinen Gäste mit allerhand Feen und Gnomen in seiner Zauberwelt zu einer ganz besonderen Erlebnisreise.

In der Region Wilder Kaiser gibt es auch Kletterrouten für Kinder, Foto: TVB Wilder Kaiser | Climbers Paradise

In der Region Wilder Kaiser gibt es auch Kletterrouten für Kinder, Foto: TVB Wilder Kaiser

Berge in Flammen – Sommersonnwendfeuer

Am Wochenende um den 21. Juni wird in der Region Wilder Kaiser, wie in ganz Tirol, Sonnwend gefeiert. Auf jedem Gipfel, in jedem Kar auf jedem Hügel werden ab der Dämmerung Feuer entzündet. Am besten kann man dieses magische Spektakel von der Kaiser-Gegenüberliegenden Bergseite genießen. Am Sonnwend-Samstag haben extra dafür alle Bergbahnen geöffnet. Gäste mit einem Tagesticket können umsonst nach oben schweben und bei einem leckeren Abendessen im Bergrestaurant die Feuer am Kaiser betrachten.

Kurz nachgefragt bei:

Marcus Sappl, Tourismusmanager Scheffau und begeisterter Kaiser-Kletterer:

Was macht für Dich das Klettern im Wilden Kaiser einzigartig?

Die Lage, gut mit Auto, Bahn, oder wie früher mit dem Fahrrad erreichbar. Du kannst dir je nach Wetter Nord- oder Südwände aussuchen. Es ist für jeden Geschmack Kletterkost vorhanden, Ob 3er oder 4vierer Routen oder für den Hardmover im 10.Grad. Absicherung von Plaisir bis fast ganz ohne Haken.

Warum sollte jeder Kletterer einmal im Wilden Kaiser geklettert sein?

Der harte und strukturierte Wettersteinkalk des Kaisergebirges gibt dir als Kletterer ein unglaubliches Erlebnis zurück, wenn du dich auf ein Spiel mit seinen Besonderheiten einlässt. Nicht umsonst wurde hier im Kaiser immer wieder Klettergeschichte geschrieben, die Besten jeder Epoche des Kletterns hinterließen ihre Spuren im Koasa. Nicht zu vergessen 1977 wurde mit den Pumprissen die erste Tour im 7. Grad erstbegangen, und damit die UIAA Skala nach oben geöffnet. Darum sollte jeder Alpinkletterer, einen Klassiker oder eine Plaisirtour vom Wilden Kaiser in seinem Tourenbuch stehen haben.

Wie sieht für Dich ein perfekter Kaiser-Kletter-Tag aus?

Mit einem guten Freund an nahezu perfektem Fels und nervenschonender Absicherung unterwegs zu sein. Danach auf einer Berghütte zu sitzen, das Tourenabschlussbier zu genießen, und wie es unter Kletterern üblich ist, mit Gleichgesinnten über die gerade gemachten Klettermeter zu philosophieren.
Kurz notiert

Wohnen in der Region Wilder Kaiser

Landhotel Föhrenhof

Etwas außerhalb von Going liegt das Landhotel Föhrenhof inmitten von Almwiesen und perfektem „Kaiser-Blick“. Die nach Zirbenholz duftenden Zimmer bieten mit ihrer breiten Fensterfront herrliche Panorama-Berg-Blicke. Das üppige Frühstücksbuffet bietet alles was Kletterer für einen langen Bergtag benötigen: Eiweiß, Müsli, Obst, Vollkornbrot und vieles mehr. Wer sich für Halbpension entscheidet schwelgt Abends in einem 4-Gänge-Menü – immer frisch zubereitet, immer regional. Darauf legt der Küchenchef und Hotelinhaber in zweiter Generation wert.

Gaudeamushütte

Die Gaudeamushütte ist die Alpenvereinshütte der Sektion Main-Spessart. Sie räumte im Jahr 2017 als „Österreichs liabste Hittn“ ab. Hausgemachte Kuchen auf der Sonnenterrasse mit Talblick lassen die Wander- und Kletterstrapazen schnell vergessen.

Gruttenhütte

Die Gruttenhütte ist die Alpenvereinshütte der Münchner Sektion Turner Alpenkränzchen. Sie steht wie ein Adlerhorst auf einem Plateau über den Westhängen des Gruttenkopf`s.

Die Gruttenhuette in der Region Wilder Kaiser | Climbers Paradise

Die Gruttenhuette in der Region Wilder Kaiser

Wochenbrunner Alm

Ausgangspunkt für Wanderer, Kletterer und Klettersteiggeher. Die große Terrasse mit angrenzendem Wildpark lädt zum erholsamen Ausklingen grandioser Tage ein. Keine Übernachtung möglich.

Alle Unterkünfte sowie viele weitere Tourentipps und Wochenprogramme findet ihr unter: www.wilderkaiser.info

Anfahrt

Mit der Bahn können die Zielbahnhöfe Kufstein, Wörgl oder St. Johann in Tirol angesteuert werden. Von hier geht es weiter mit dem Bus. Wer möchte kann online sein Busticket beantragen. Dieses wird ihm bis 72-Stunden vor Anreise online übermittelt.

Vor Ort verbindet der KaiserJet die Orte und Bergbahn-Talstationen miteinander. Der KaiserJet ist mit Gästekarte kostenfrei nutzbar.

Zum Ausgangspunkt Wochenbrunner Alm fährt 2 x täglich im Sommer ein Kleinbus. Wer früher als 9 Uhr unterwegs oder flexibler sein möchte, muss selbst mit dem Auto zur Wochenbrunner Alm fahren. Die Maut kostet 4 Euro, davon werden 1,50 Euro beim Einkehren in der Wochenbrunner Alm wieder gutgeschrieben.

Mit dem Auto von Deutschland über die A 8 (München Richtung Rosenheim) und weiter auf der A93 Richtung Innsbruck/Brenner. Ausfahrt Kufstein Süd.
Oder über die A12 aus Richtung Innsbruck/Bregenz kommend.

Gebiete gesamt

5 Sportklettergärten, 6 Mehrseillängengebiete (die in Climbers Paradise aufgenommen sind, es gibt zahlreiche weitere Routen), 1 Familienklettergarten,
4 Klettersteige, 3 Kletterhallen

Beste Jahreszeit

Je nach Schneelage und Vorhaben zwischen April/Mai/Juni bis Oktober/November

Familienfreundlichkeit

Die Region Wilder Kaiser setzt voll auf Kids – beispielsweise mit Ellmi’s Zauberwelt und dem Hexenwasser haben Familien tolle Berg-ErlebnisWelten. Aber auch kinderfreundliche Klettergärten sowie ein umfangreiches Rahmenprogramm stehen den Familien offen. Weitere Informationen zur Region unter: www.wilderkaiser.info

Klettergeschichte – wie alles begann

Dülfer, Rebitsch & Co. – der Kaiser bittet zur Fels-Audienz

Schon im 19. Jahrhundert erlebte die Region Wilder Kaiser seine erste Kletter-Hochphase samt touristischer Erschließung: Alpinismus und Tourismus gehören im „Kaiser“ zusammen wie Dülfer und die Fleischbank-Ostwand. Der gebürtige Wuppertaler kam 1911 für´s Studium nach München – die Nähe zu den Alpen war zu verlockend. Und so war Dülfer auch mehr in den Felswänden anzutreffen als im Hörsaal. Ganze 50 Erstbegehungen in 4 Jahren gehen auf sein Konto – viele davon im Kaisergebirge. Die Anbindung mit der Bahn bis Kufstein war perfekt und wurde zur Anfang des 20. Jahrhunderts von Kletterern und Erholungssuchenden gleichermaßen rege genutzt. Dülfer hätte sich in heutiger Zeit sicherlich ein Ferienticket gelöst, bei derlei vielen „Kaiser-Audienzen“. Und so wundert es auch nicht, dass beispielsweise die Totenkirchl-Westwand und die Fleischbank-Ostwand durch den Kletterpionier Dülfer erstbestiegen wurden. Auch Mathias (Hias) Rebitsch war ein umtriebiger Chemiker, der von Innsbruck aus mit Rad und Bahn ins Gebirge fuhr. Es ist wohl anzunehmen, dass er am Chemielabor vorbeigefahren ist. Seine Forschungen aber fanden allesamt in den Bergen statt. Rebitsch erforschte mit Hingabe Felswände auf ihrer Kletterbarkeit. Eines seiner Meisterwerke ist der „Rebitschriss“ am Fleischbankpfeiler. Die alpine Tour zählte lange Zeit zu den schwierigsten Routen im Kaiser und wird auch heute noch als „ernste Risskletterei“ beschrieben.

Neue Kletterära – neues Kaisergewand: „Des Kaisers neue Kleider“

Die Karlsspitze entlang der Wirtskante, Foto: Roland Schonner, TVB Wilder Kaiser | Climbers Paradise

Die Karlsspitze entlang der Wirtskante, Foto: Roland Schonner, TVB Wilder Kaiser

Neben den Alpinklassikern, die durch ihre teils sehr spärliche Absicherung einiges an Kühnheit, Wagemut und Nervenstärke abverlangten und auch immer noch abverlangen, etablierten sich im Kaiser auch eine neue Generation Kletterer, die alpine Sportkletterrouten in höchsten Schwierigkeitsgraden eröffneten. Mit Ausnahmekletterer Stefan Glowacz begann die Erschließungswelle der Plaisirrouten im Kaiser. Mit seiner Route „Des Kaisers neue Kleider“ setzte er ein beachtliches Plaisir-Statement am Fleischbank-Pfeiler. Bis heute finden ortskundige „Koasakraxla“ neue Linien die zum Klettern einladen.