„Ein Portrait der Klettergruppe am Seefelder Plateau“

Das Klettern am Seefelder Plateau hat eine lange Tradition, ebenso wie das Klettern in Tirol. Herman Buhl und Wolfgang Güllich haben im Schüsselkar ihre Spuren hinterlassen, ebenso wie Heinz Zak oder Alexander Huber mit der Free Solo Begehung der Route „Locker vom Hocker“.

Seit einigen Jahren boomt das Sportklettern und mit ihm auch die Nachfrage nach sicheren und gut eingebohrten Kletterrouten. Die „Chinesische Mauer“, wie das bekannte Klettergebiet am Fuße des Schüsselkars genannt wird, wurde in den 80er Jahren von Heinz Zak, Bernhard Hangl, Reinhold Scherer und Bernhard Prommer eingebohrt. Über die Jahre sind noch eine Vielzahl von Routen dazugekommen wie zum Beispiel das Testpiece „The Great Gig in the Sky“ (8c+) von Wahltiroler Joerg Verhoeven.

„Lokale Kletterer vom Seefelder Plateau hat es mit Ausnahme von Heinz Zak eigentlich nie wirklich gegeben“, erinnert sich Thomas Wanner, der seit 2002 klettert und in Seefeld geboren und aufgewachsen ist. „Man hat sich meist mit Kletterern von Telfs getroffen und in den umliegenden Gebieten von Telfs geklettert. Dort hat es schon früh eine Szene rund um den Boulderraum in Telfs gegeben.“

Heute ist das anders. Mittlerweile gibt es am Seefelder Plateau eine kleine Klettergruppe mit 20 Mitgliedern, die sich fast wöchentlich in der „Lodge“ treffen, Neuigkeiten austauschen, ein paar Runden im kleinen Boulderraum drehen und so eine kleine aber feine Kletterszene am Plateau bilden. Ins Leben gerufen wurde die Gruppe durch Patrick Trois und Thomas Wanner. „Vor ca. 5 Jahren haben wir in der Nähe der Gasse einen kleinen Klettergarten eingerichtet. Es waren die ersten Bohrversuche von Thomas und mir“, erinnert sich Trois. „Rausgekommen ist dabei nicht besonders viel außer ein paar schlecht geputzte und brüchige 7er Touren. Diese ersten Erfahrungen waren für uns sicher sehr wertvoll und seit diesem Tag haben wir die Augen offen gehalten und nach neuen Möglichkeiten zum Klettern am Plateau Ausschau gehalten.“

„Das Bewusstsein, dass wir den Kletternachwuchs am Seefelder Plateau bilden und somit auch eine gewisse Verantwortung und Aufgabe wahrnehmen müssen kam dann eigentlich mit dem Moment als wir erkannt haben, dass es an der Zeit war, die alten Klassiker an der Chinesischen Mauer zu sanieren“, so Wanner.

Soviel zur Geburtsstunde der Mauerfix. Mit Patrick Trois als Obmann und Thomas Wanner als Stellvertreter suchte man Gleichgesinnte und wurde auch bald fündig. Nach einem ersten Treffen in der Mountainlodge und ein paar Bier später war der Grundstein gelegt. Man einigte sich auf den Namen „Mauerfix“, zu deutsch „Mauerfuchs“. Als Mauerfuchs bezeichnet man einen Kletterer, der sich geschickt auf den teils sehr technischen Touren an der Chinesischen Mauer zurechtfindet.

Vom ersten Augenblick an mit dabei waren Julia, Wolfi und Seppi. Julia regelt die Finanzen, Wolfi kümmert sich um die Homepage und Seppi übernahm die Aufgabe des Materialwartes für unsere Einbohraktionen. Jeder in der Gruppe hat seine kleinen Aufgabenbereiche. Nur so funktioniert das Ganze und kann auch in Zukunft weiterbestehen.

Den ursprünglichen Gedanken, einen eigenen Verein zu gründen ließ man schlussendlich fallen und suchte den Anschluss an den Alpenverein in Telfs, der Sektion Hohe Munde. Viele Parallelen und Kletterpartner waren ja von früher bereits vorhanden. Außerdem konnte man als Alpenverein auch politisch etwas Gewicht in die Waagschale werfen und sich mit Gemeinde und TVB auf Augenhöhe treffen was bei der Eröffnung und Sanierung von Klettergärten kein Nachteil sein konnte.

Wer steckt nun hinter den Mauerfix?

Patrick Trois, 32 Jahre alt, klettert seit 2004 und wird von vielen als „Hausmeister der Mauer“ genannt. Als gelernter Koch führt er in Mösern den Gasthof Dorfkrug und ist deshalb vor allem in der Mittagspause auf der Mauer anzufinden. Seine Spezialität sind vor allem steile und pressige Bouldertouren. Sein neuestes Testpiece auf der Mauer „Mister Miagi“ (8a+) wartet noch auf Wiederholer!

Thomas Wanner, 35 Jahre alt, klettert seit 2002 und wird von seinen Freunden oft „Der Spanier“  genannt. Das kommt von der Liebe zum Reisen, wahlweise in die Klettergebiete Spaniens, wo er auch studiert hat. Neben seinem Job beim Alpenverein in der Abteilung Bergsport ist er freiberuflich als Bergführer unterwegs und verbringt so viel Zeit wie möglich am Felsen. Seine Leidenschaft gilt vor allem dem Rissklettern.

Seppi Faltejsek, 25 Jahre, klettert seit 2013 und ist das logistische Mastermind hinter dem Klettergarten Sanierungsprojekt. Er lebt in Leutasch, einen Katzensprung von der Chinesischen Mauer entfernt, und besticht vor allem durch sein handwerkliches Geschick. Er ist aktives Mitglied der Bergrettung in Leutasch und am liebsten in Mehrseillängen Routen unterwegs.

Wolfgang Kuen, 25 Jahre, klettert seit 2014 und ist bei den Mauerfix für EDV, Blogeinträge und Pressemitteilungen zuständig. Seine langjährige Erfahrung im Taekwondo Sport kommt ihm auch beim Klettern zu Gute. Mit Flexibilität, Körperspannung und einem guten Körpergefühl kann er natürlich auch beim Klettern punkten.

Julia Marthe, 31 Jahre, klettert seit 2012 und hat die Finanzen der Mauerfix im Auge. Mit ihrem Freund Florian ist sie in allen alpinen Disziplinen daheim ob Bouldern, Sportklettern oder Mehrseillängen. Hauptsache draußen sein und die Natur genießen.

Eva Marthe, 29 Jahre, klettert seit 2012 und ist das grafische Genie bei den Mauerfix. Sämtliche Logos, Designs, T-Shirts usw. werden von ihr ausgearbeitet und konzipiert. Gemeinsam mit ihrer Schwester Julia leitet sie die Mountainlodge in Seefeld, dem Base der Mauerfix wo die beinahe wöchentlichen Treffen stattfinden und der Boulderraum steht.

Magnus Stocker, 31 Jahre, klettert seit 2014 und ist mindestens so gerne am Fixseil beim Fotografieren wie beim Klettern. Sein Lieblingsgebiet ist die Chinesische Mauer. Als Leutascher hat er sie vor der Haustüre und die meisten Touren natürlich noch offen. Athletische lange Routen sind sein Spezialgebiet.

 

 

Pietro Starnini, 52 Jahre, kommt ursprünglich aus Italien und hat viele Touren in Finale di Ligure eingebohrt. Seit 12 Jahren ist er mit seiner Frau in Leutasch und freut sich, dass er mit den Mauerfix wieder mehr zum Klettern kommt. Er ist auch ein wichtiger und erfahrener Partner beim Sanieren der Chinesischen Mauer und eine besondere Bereicherung für die Klettergruppe.

Lukas Wimmer, 23 Jahre, klettert seit 2011 und ist neben dem Klettern vor allem auf der Slackline unterwegs. Zusammen mit seinen Freunden von den Tiroliners sind sie auf der ständigen Jagd nach neuen High- und Waterlines. Beim diesjährigen Climbing Festival im Zillertal boten sie den Zuschauern eine spannende Performance.

Philipp Mauser, 32 Jahre, ist mit seiner Freundin vor allem auf Klettersteigen unterwegs. Beim Sportklettern ist er zwar gelegentlich dabei, lieber ist er aber hoch oben auf den Via Ferratas unterwegs und erkundet in diesem Zuge neue Landschaften und Gegenden von Tirol. Seine Leidenschaft ist die Musik- mit seiner Band, den „Mountainmonkeys“ ist Philipp gelegentlich auf Tour und hat schon so manche Bar gefüllt.

Luggi und Magdalena, beide 21 Jahre alt, sind unsere jüngsten Mauerfix Mitglieder. Die beiden gibt´s nur im Doppelpack. Sie klettern seit 2015 und sind gerade dabei, den Sport für sich zu entdecken. Am liebsten sind sie im Ötztal unterwegs, da es dort natürlich die größte Auswahl an gut sanierten Touren im 6ten Schwierigkeitsgrad gibt.

 

Wo führt die Reise hin?

Der bunte Mix an Kletterern verschiedener Niveaus und Vorlieben ist das Erfolgsrezept der Mauerfix. „Beim Stammtisch habe ich manchmal das Gefühl, wir sind eine Art Zirkusfamilie“, sagt Julia und lacht verschmitzt hinter der Theke hervor. Was als geplantes Projekt zur Sanierung der Klettergärten begann ist heute ein bunter Haufen von Kletterern, die gerne zusammen wegfahren, Slacklinen gehen, Routen einbohren oder einfach nur einen gemütlichen Abend in der Lodge verbringen.

„Das Climbers Paradise Blog kommt uns natürlich sehr gelegen“, meint Wolfgang und fügt noch hinzu:

„Eigentlich machen wir einfach nur das, was wir sowieso gemacht hätten. Wir gehen zusammen klettern, machen Ausflüge und machen noch ein paar Fotos nebenbei. Der Climbers Paradise Blog ermöglicht uns natürlich, dass wir andere an unseren Erlebnissen teilhaben lassen und das Taschengeld, dass wir uns dabei verdienen können wir gut brauchen bei unseren Trips.“

Für die Zukunft wollen die Mauerfix jedenfalls so viel wie möglich in Tirol´s Klettergärten unterwegs sein, Projekte abhaken, Highlines spannen und in so vielen alpinen Disziplinen wie möglich vertreten sein. „Super wäre natürlich, dass wir irgendwann auch die Kinder und Jugendlichen am Seefelder Plateau mit einbinden könnten und dem Klettersport näher bringen. Mit der neuen Kletterhalle in Telfs und den vielen verschiedenen Klettergärten am Seefelder Plateau sind die Grundpfeiler jedenfalls gelegt. „Wer weiß schon was die Zukunft bringt? Hauptsache uns bleibt genug Zeit, dass wir Draußen unterwegs sind und die Kletterprojekte nicht nur Projekte bleiben!“, meint Patrick, hängt seine Kochschürze an die Tür und holt seinen Kletterrucksack aus dem Keller.