Mit dem Kletterzentrum Imst steht eine der höchsten Kletterhallen Österreichs im Zentrum des Städtchens im Tiroler Oberland. Und rundherum hat sich auf diesem fruchtbaren Nährboden ein Biotop an Möglichkeiten entwickelt, das den Klettersport in all seinen Facetten gedeihen lässt: Gut abgesicherte Sportkletterrouten, alpines Mehrseillängenklettern, harte Bouldermoves oder idyllische Klettersteige. Rund um Imst findet sich so ziemlich alles, was die vertikale Welt hergibt.

Einzig: Bei gut 3.000 Routen in allen Schwierigkeitsgraden im Portfolio ist die wohl größte Herausforderung, sich für einen Platz zu entscheiden. Natürlich ist das auch für uns fast unmöglich, dennoch wollen wir euch hier eine kleine Orientierungshilfe bieten. Eines kann aber vorweg behauptet werden: In der Ferienregion werden alle glücklich werden, die gern Fels unter den Fingerkuppen spüren.

Imst: Best of Sportklettern

1. Imst / Reithle

Klettern im Reithle, Foto: Imst Tourismus

Klettern im Reithle, Foto: Imst Tourismus

„Kleinod“ trifft es ziemlich gut als Beschreibung für’s Reithle. Das Gebiet versteckt sich im dichten Wald unterhalb der Untermarkter Alm, gut 15 Meter sind die Konglomeratblöcke hoch. Ob man in einer der über 60 Sportkletterrouten abhängt oder ganz einfach ein paar Boulderquergänge einlegt, hier geht alles. Auch für Familien mit Kindern ist das Gebiet wegen seinem bequemen Wandfuß gut geeignet. Anrücken sollte man aber eher bei warmen Temperaturen, Sonne sieht man hier nicht allzu viel!

Zustieg & Topo: Imst / Reithle

2. Klettergärten bei Nassereith

Klettergarten Nassereith | Climbers Paradise

Übersicht der Sektoren im Klettergarten Nassereith, Foto: Climbers Paradise

Nassereith ist zwar ein gutes Stück von Imst entfernt, zählt aber immer noch zur Ferienregion. Hier wurde vor allem im Jahr 2007 fleißigst der Bohrstift angesetzt und die Wände, die über dem Dorf thronen, großflächig erschlossen. Entsprechend gut die Absicherung, mittlerweile begrüßt einen am Ortsrand sogar ein Schild mit der Aufschrift „Kletterer- und Seendorf Nassereith“. Entsprechenden Stellenwert haben die Wände hier, gut über 100 Routen stehen zur Auswahl, von ganz einfachen Viererrouten bis hin zu 35 m-Ausdauerhämmern in den oberen Schwierigkeitsgraden. Die Wände von Nassereith sind südseitig ausgerichtet, der Herbst und oft sogar ein sonniger Wintertag versprechen ideale Bedingungen.

Angela Eiter trifft man häufig am Götterwandl an, hier in Zerirs (8c+), Foto: Bernie Ruech | Climbers Paradise

Angela Eiter trifft man häufig am Götterwandl an, hier in Zerirs (8c+), Foto: Bernie Ruech

Mit der Ausnahme des Götterwandls: Die schattige, stark überhängende Wand ist die Heimat der Adonis-Gottheiten, Routen bis zum Schwierigkeitsgrad 9a+ können hier angebetet werden. Himmel hilf!

Zustieg & Topos: Nassereith

3. Imst / Hahntennjoch

Rauer Hochgebirgskalk und Parorama vom Feinsten: Klettern hoch oben am Hahntennjoch. Foto: Climbers Paradise

Rauer Hochgebirgskalk und Parorama vom Feinsten: Klettern hoch oben am Hahntennjoch. Foto: Climbers Paradise

Ein Klettergarten mit Hochgebirgsflair inmitten der Lechtaler Alpen: Das Hahntennjoch führt von Imst ins Lechtal, ganz oben auf der Passhöhe in gut 2000 Metern Seehöhe befindet sich dieser – in nur 30 Minuten Zustieg erreichbare – traumhafte, südseitig ausgerichtete Klettergarten in bombenfestem Fels. Und für alle, die’s gern härter haben, gibt es unterhalb der Straße auch noch das einladende Psychowandl mit primär harten Routen, selbst am ausgesetzten Wandfuß sind hier gute Nerven gefragt!

Zustieg & Topos: Imst / Hahntennjoch

Imst: Best of Mehrseillängen

Imst / Muttekopfhütte

Klettern im Gebiet der Muttekopfhütte hoch über Imst. Foto: Michael Meisl

Klettern mit Ausblick im Gebiet der Muttekopfhütte hoch über Imst, Foto: Michael Meisl

Die Muttekopfhütte ist so etwas wie das ABS („advanced basecamp“) der Imster Vertikaljünger, ein Kletterrevier wie aus dem Bilderbuch. Die auf knapp 2000 Metern gelegene Alpenvereinshütte bietet im näheren Umkreis so ziemlich alles, was es für glückliche Tage am Fels so braucht: „Die Kletterei hier oben bietet für jeden etwas. Ob Sportklettern, Mehrseillängen oder Klettersteige, die Imster Felsküche serviert hier ein variantenreiches Buffet“, weiß die legendäre Imster Kletter-Weltmeisterin Angy Eiter, selbst ein viel gesehener Gast auf der Hütte. Und variantenreich auch das Buffet auf der Hütte selbst, denn eine alte Bergsteigerregel bewahrheitet sich immer: Wer gut klettern will, muss gut essen! Und das kann man auf der Muttekopfhütte mit Gewissheit, die Küche ist über die Grenzen der Lechtaler Alpen bekannt.

Angy Eiter klettert im Gebiet der Muttekopfhütte hoch über Imst. Foto: Michael Meisl

Angy Eiter in ihrem „Hausgebiet“ rund um die Muttekopfhütte, Foto: Michael Meisl

Sind die Mägen erst einmal gefüllt, kann es losgehen: Auf zu den lohnenden Riss-Routen am Engelkarturm, zu den Genuss-Henkeln an der Ostseite des Guggerköpfles. Oder auf die Hintere Platteinspitze, hier schafft der „Plattenzauber“ sogar stolze 18 Seillängen Klettergenuss.

Wer bei den ganzen Auswahlmöglichkeiten rund um die Hütte schlicht überfordert ist, hier zwei Tipps: Erstens, den neuen Kletterführer für das Muttekopfgebiet von Alfred Flür holen, auf der Hütte erhältlich. Und zweitens: Einfach ein paar Tage oben bleiben!

Imst: Best of Bouldern

Bouldern im Wald in Hoch-Imst, Foto: Simon Schöpf | Climbers Paradise

Bouldern im Schwammerlwald hoch über Imst, Foto: Simon Schöpf

Nach so viel Alpinflair tut eine Erdung gut: Im Großgebiet Imst kann man auch hervorragend in Bodennähe bleiben und gemütlich mit dem Crashpad anrücken. Entweder im bereits erwähnten Reithle oder unterhalb der Untermarkter Alm, wo in den letzten Jahren zahlreiche Blöcke in rauem Hochgebirgskalk erschlossen wurden. Wer sich für die Fahrt mit der Bergbahn entscheidet, der kann sogar bequem zu den Boulderproblemen bergab spazieren!