Klettersteig-Tutorial 04: Unterwegs am Klettersteig

„Ich bin so vielen glücklichen Menschen auf Klettersteigen begegnet, dass ich dafür sein muss“, schrieb Reinhold Messner bereits 1979. Ein tolles Klettersteigerlebnis und ein Minimum an Risiko – um beides zu garantieren, ist es gut, die Emp­fehlungen des Alpenvereins zu beachten.

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Die SicherAmBerg-Klettersteig-Videoreihe wurde im Rahmen einer Kooperation zwischen Alpenverein und Climbers Paradise Tirol realisiert und im Sommer 2019 in Partnerdestinationen von Climbers Paradise in Tirol gedreht.

Kontrolle der Ausrüstung

Ein guter Tipp: Bereits am Ausganspunkt sollten die wesentlichen Aus­rüs­tungsgegen­stände auf Vollständigkeit und Funktionstüchtigkeit kontrolliert werden. Dann muss später niemand am Einstieg umkehren – oder zu viel riskieren! Bei talnahen Klettersteigen wer­den wir Gurt, Klettersteigset und Helm bereits am Ausgangs­punkt anlegen – in jedem Fall aber rechtzeitig und an einem Ort, der absturz- und steinschlag­sicher ist. 

Klettersteigtutorial - Unterwegs, Zustieg, Foto: Alpsolut, Österreichischer Alpenverein | Climbers Paradise
Der Zustieg zu einem alpinen Klettersteig erfordert Kondition und Ausdauer. Die Ausrüstung sollte jedenfalls vorher gecheckt worden sein, um nicht erst am Einstieg zu bemerken, dass man etwas vergessen hat, Foto: Alpsolut, Österreichischer Alpenverein

Partnercheck

Bevor es dann wirklich losgeht, sollte noch der Partner­check durchgeführt werden. Jeweils zwei Partner kontrol­lieren dabei gegenseitig, sowohl visuell als auch manu­ell, folgende Punkte:

  • Ist das Set mittels Ankerstich korrekt in den Seilring eingeknotet?
  • Sitzt der Gurt fest um die Taille und sind die Gurtschnallen festgezogen?
  • Ist der Helm optimal angepasst und das Kinnband geschlossen?
Klettersteigtutorial - Unterwegs, Partnercheck, Foto: Alpsolut, Österreichischer Alpenverein | Climbers Paradise
Ein ordentlicher Partnercheck und dann kann es losgehen, Foto: Alpsolut, Österreichischer Alpenverein

Steigtechnik

Im Wort „Klettersteig“ stecken zwei Bewegungs­for­menklettern und steigen. Je besser diese mo­to­ri­schen Fertigkeiten ausgebildet sind, desto rhythmischer und eleganter wird unser Bewe­gungsablauf. Und wir sparen Kraft. Vor allem Arm­kraft – sie ist der limitierende Faktor. Mit unseren Armen verhindern wir in erster Linie das Nachhintenkippen. Sie bleiben möglichst gestreckt, nur in der Phase des Höher­steigens ziehen wir sie kurz an, suchen eine stabile Position und strecken die Arme wieder. 

Wesent­lich kräftiger sind unsere Beine! Die Technik des Steigens ist der Schlüssel für eine kraftsparende und elegante Bewegungstechnik: Künstliche und natürliche Tritte präzise an­stei­gen. Nicht zu große Schritte wählen. Den Kör­per­­schwer­punkt nach der Bewe­gungs­phase wieder möglichst lotrecht über dem Tritt posi­tionieren, um möglichst viel unseres Kör­per­ge­wichts auf die Beine zu übertragen.

Achtsames, rhythmisches Steigen ist auch der beste Garant dafür, dass wir keine Steine los­treten.

Umhängen – zwei Tipps

Nun zwei Tipps für den heikelsten Moment: das Umhängen der Klettersteigkarabiner an einer Verankerung:

1. Damit die Karabiner beim Um­hän­gen in Reichweite sind, schieben wir sie mit einer Hand am Drahtseil mit.

2. Umhängen immer aus einer sta­bilen Position heraus und ehestmöglich – vor dem Überklettern des Ankers! In sehr steilen Passagen kann das Ein­hän­gen der Armbeuge in das Drahtseil das Um­hän­gen er­leich­tern und ein kurzes Rasten ermöglichen.

Klettersteigtutorial - Unterwegs, Kraft in den Beinen, Foto: Alpsolut, Österreichischer Alpenverein | Climbers Paradise
Das Umhängen der Karabiner sollte immer aus einer sicheren Position und vor dem Überklettern eines Ankers durchgeführt werden, Foto: Alpsolut, Österreichischer Alpenverein

Rasten

Stichwort Rasten: Zur Taktik auf Klettersteigen gehören Pausen. Besonders vor schwierigen Pas­sagen, die dann möglichst zügig geklettert werden sollen. Klettersteigsets mit Rastschlinge bieten hier eine zusätzliche Hilfe. Besonders wertvoll ist diese Schlinge auch in Quergängen – das Draht­seil bleibt so immer in Reichweite.

Abstände

Abstände einhalten! Die Regel ist einfach: Inner­halb eines Segments, also zwischen zwei Ankern, darf nur eine Person unterwegs sein! Mehr noch: In steilen, schwierigen Abschnitten empfehlen wir ein ganzes freies Segment zwischen zwei Personen, um eine Kollision im Falle eines Sturzes verlässlich auszuschließen.

Klettersteigtutorial - Unterwegs, Abstände, Foto: Alpsolut, Österreichischer Alpenverein | Climbers Paradise
Beim Klettern sollten die Abstände eingehalten werden, Foto: Alpsolut, Österreichischer Alpenverein

Überholen

Klettersteige liegen im Trend. Wir werden daher selten allein und auch mit dem heiklen Thema Überholen konfrontiert sein. Überhol­manöver verlangen eine klare Absprache und es gilt, den richtigen Ort dafür zu wählen – z.B. einfache Pas­sagen, Flachstücke oder Querungen. Denn auch beim Über­ho­len muss die Ver­bindung zum Drahtseil immer bestehen bleiben.

Klettersteigtutorial - Unterwegs, stark frequentiert, Foto: Alpsolut, Österreichischer Alpenverein | Climbers Paradise
Überholen am Klettersteig ist meist schwierig und verlangt eine klare Absprache, Foto: Alpsolut, Österreichischer Alpenverein

Ein zu starker An­drang kann zudem ein guter Grund sein, gar nicht erst in einen Klettersteig einzusteigen.

Einfache Maßnahmen, einige Tricks, Rücksicht­nahme auf andere – dann wird Reinhold Messner auch zukünftig vielen glücklichen Menschen auf Klettersteigen begegnen.

Was solltest du sonst noch alles am Klettersteig beachten? Schau rein in den Artikel samt Video „Klettersteig: Alles was du wissen musst„.