Vom Kopftörlgrat bis zu „Des Kaisers neue Kleider“: Wenige Gebirgsstöcke symbolisieren die Kletterkultur so facettenreich wie der Wilde Kaiser im Tiroler Unterland. Hier wurde Klettergeschichte geschrieben, ein ganz dickes Buch davon. Aber die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende – sie wird vielmehr ständig neu erzählt, bis heute.

Alpinklettern am Wilden Kaiser, Tirol. Foto: Simon Schöpf | Climbers Paradise

Felsparadies für Alpinkletterer: Der Wilde Kaiser in Tirol, Foto: Simon Schöpf

Und so findet am Wilden Kaiser jeder seine ganz persönliche Erzählung. Ob eine leichte, anregende Gratüberschreitung, ein geschichtsträchtiger Alpinklassiker oder eine moderne Sportkletterroute – die größte Herausforderung am „Koasa“, wie die Einheimischen ihren Berg so schön nennen, ist wohl die Übersicht bei der schieren Auswahl zu behalten. Weil die Felsen zwischen den Klettererhochburgen München und Innsbruck so fein erreichbar liegen, hat hier so ziemlich jede Kletterlegende ihre Spuren hinterlassen, von Tülfer bis Glowacz. Heute ist der Wilde Kaiser eines der berühmtesten Klettergebiete der Alpen – wir versuchen mit diesem Beitrag eine kleine Orientierungshilfe im unendlichen Felsmeer zu schaffen, die zwangsläufig nie vollständig sein kann.

Wilder Kaiser: Best Of Alpinklettern

1. Vordere Karlspitze

Alpinklettern am Wilden Kaiser, Tirol. Foto: Simon Schöpf | Climbers Paradise

Zustieg zu den Wänden der Karlspitze, Foto: Simon Schöpf

Schon von der Gaudeamushütte locken die Routen – hier gibt’s festen Fels in allen Schwierigkeitsgraden. In den vergangenen Jahren sind an der Karlspitze auf der Südseite des Wilden Kaisers einige gut eingebohrte Mehrseillängen-Routen dazugekommen, die auch ohne Friends & Keile & Todesangst machbar sind, zum Beispiel die Neo-Klassiker „Wirtskante“ (die alten Wirtsleut’ der „Gaudihütte“ haben die Haken gesponsert!) oder „ABS“. Die Routen sind verhältnismäßig schnell erreicht und auf der Hütte wartet die stärkende Belohnung für danach!

Alpinklettern am Wilden Kaiser, Tirol. Foto: Simon Schöpf | Climbers Paradise

Der Erschließer der „Wirtskante“, Bergführer Andy Schonner, in ebendieser, Foto: Simon Schöpf

Topos & Zustieg: Vordere Karlspitze

2. Steinerne Rinne

Alpinklettern am Wilden Kaiser, Tirol. Foto: Simon Schöpf | Climbers Paradise

Mehr Fels passt nicht mehr auf ein Foto: die Steinerne Rinne, Foto: Simon Schöpf

Hier sind die ganz großen Diener des Kaisers zu finden, hier wurden beständig Grenzen verschoben: Bei den Namen Fleischbank-Ostwand und Predigtstuhl-Westwand wird jeder Alpinkletterer ehrfürchtig. Die Route „Pumprisse“ führte erstmals offiziell den 7. Grad in den Alpen ein, wird aber wegen ihrer Kühnheit heute kaum wiederholt. Daneben zieht „Des Kaisers neue Kleider“ (10+) kühn am Pfeiler empor, einst die schwerste Alpintour der Welt. Für die meisten Aspiranten wird am Ende des Tages aber wohl ein sanierter Klassiker im Tourenbuch stehen, die „Rebitsch-Spiegl“ (6/A0) zum Beispiel. Oder die häufig begangene „Thaller-Stumhofer“ (7). Egal, was man hier angeht: Diese Felskulisse ist einzigartig.

Topos & Zustieg: Fleischbank, Steinerne Rinne

3. Sonneck

Wilder Kaiser: Alpinklettern am Sonneck. Foto: Simon Schöpf | Climbers Paradise

Bombenfels am Sonneck: Route „HaZo Fantastica“, Foto: Simon Schöpf

Schon allein der Name ist verführerisch: Am Sonneck findet man eine kleine, aber feine Auswahl an Alpintouren, die besonders im Herbst zu empfehlen sind. Der Zustieg ist zwar nicht gerade der kürzeste, aber das gehört am Koasa einfach mit dazu. Belohnt wird man mit einer grandiosen Landschaft: Mächtig ragen die Wände aus dem Schneekar empor. Zusammen mit dem Abstieg sollten die Routen hier aber nicht unterschätzt werden, insgesamt ein langer Klettertag, der stabiles Wetter voraussetzt.

Topos & Zustieg: Sonneck, Wilder Kaiser

Erfahrungsbericht: Route „HaZo Fantastica“ (8-)

Wilder Kaiser: Best of Sportklettern

1. Schleierwasserfall

Steiler wird's nicht: Guido Unterwurtsacher in seinem Hausgebiet, dem Schleierwasserfall. Foto: Michael Meisl

Steiler wird’s nicht: Guido Unterwurzacher in seinem Hausgebiet, dem Schleierwasserfall, Foto: Michael Meisl

Über 200 Routen, einige davon gehörten zu den härtesten der Welt: Wenn „oben“ am Wilden Kaiser die Alpinklettergeschichte geprägt wurde, dann wurde am Schleierwasserfall Sportklettergeschichte geschrieben. Eben ein paar Jahrzehnte später, nach der Erfindung des Bohrhakens. Und den braucht man bei dieser Steilheit auch zwingend: Der 8. Grad sollte schon beherrscht werden, will man am „Schleier“ Spaß haben. Wer das tut, der findet hier wohl einige der lohnendsten Felsmeter in ganz Tirol. Dicke Unterarme garantiert!

Topos & Zustieg: Schleierwasserfall, Wilder Kaiser

2. Achleiten

Auch hier dominieren überhängende Wände: Klettergarten Achleiten. Foto: TVB Wilder Kaiser

Auch hier dominieren überhängende Wände: Klettergarten Achleiten, Foto: TVB Wilder Kaiser

Zwar etwas weiter entfernt von den Hauptwänden des Kaisers, zählt aber immer noch dazu: Der Klettergarten Achleiten weist ebenfalls eine famose Felsqualität auf, auch hier dominieren die harten Routen. Bevorzugt wird hier im Winter an sonnigen Tagen geklettert, im Sommer ist es meist zu heiß für die kleinen Leisten.

Topos & Zustieg: Achleiten, Wilder Kaiser

3. Kaiserklettergarten

Idealer Startpunkt für Kinder und Familien: Der Kaiserklettergarten unweit der Gaudeamushütte. Foto: TVB Wilder Kaiser

Idealer Startpunkt für Kinder und Familien: Der Kaiserklettergarten unweit der Gaudeamushütte, Foto: TVB Wilder Kaiser

Um das „Best of“ auch für das ganze Spektrum der Könnerstufen zu erweitern: Der Kaiserklettergarten unweit der Gaudeamushütte ist der ideale Startpunkt für die ersten Meter am Fels, für die ersten Versuche im Vorstieg. Denn irgendwo muss man ja anfangen, wenn man auch in Zukunft Klettergeschichte schreiben will!

Topos & Zustieg: Kaiserklettergarten