Wenige Gipfel in den Alpen sind mit einem ähnlich charakterreichen Namen gesegnet: Der „Wampete Schrofen“ in der Tiroler Zugspitz Arena übertrifft sie einfach alle. Tiroler Dialekt in Höchstform: die „Wampe“, das ist ein etwas behäbiger Bauch, nicht zuletzt einem langjährigen Zuviel an Gerstensaft geschuldet, und der Schrofen, ein Begriff aus der Bergsteigersprache, ist ein häufig mit Gras und Geröll durchzogenes Steilgelände.

Der Zustieg zum Wampeten Schrofen, Foto: Simon Schöpf | Climbers Paradise
Der Zustieg zum Wampeten Schrofen, Foto: Simon Schöpf

Ein „Wampeter Schrofen“, das müsste also ein Berg sein, der für einen der Vertikalen verschriebenen Kletterer denkbar ungeeignet ist. Am Normalweg zum Gipfel begegnet einem tatsächlich so einiges an Schrofengelände, aber ironischer Weise machen die talnahen Westabbrüche eine löbliche Ausnahme davon, dort ist genau das Gegenteil der Fall: Oberhalb der kleinen Ortschaft Biberwier findet man bis zu 200 Meter hohe, kompakte Platten und bombige Wandkletterei wie sonst kaum wo in Tirol. Vor allem aber: im Sommer die meiste Zeit des Tages schön schattig, mit genialem Ausblick Richtung Zugspitze und Ehrwalder Becken. Der „Wampete“ ist kurzum eines der besten Ziele für die warmen Tage, wenn man gut abgesicherte Mehrseillängenrouten sucht.

Bester Fels für Mehrseillängen am Wampeten Schrofen, Foto: Simon Schöpf | Climbers Paradise
Bester Fels für Mehrseillängen am Wampeten Schrofen, Foto: Simon Schöpf

Feinste Mehrseillängen in der Tiroler Zugspitz Arena

Silberwand“ wurden diese Plattenfluchten von den Allgäuer Erstbegehern getauft, und das nicht wegen der silbrig schimmernden Felsen, sondern weil hier vor 500 Jahren tatsächlich Silber, Zinkerz und Blei gewonnen wurde. Aus heutiger Sicht interessiert uns aber mehr die Felsbeschaffenheit, zum Teil findet man geniale Lochkletterlängen, dann wieder fußtechnisch anspruchsvolle Plattenpassagen, dann wieder Leisten vom Feinsten. Ein gewisses Niveau sollte man zum „Wampi“ aber doch mit raufbringen, viele Längen sind im 7. und 8. Grad, ganz leichte Touren gibt es hier nicht.

Klettern der Route 'Hitzeflucht' (8), Foto: Simon Schöpf | Climbers Paradise
Klettern in der Route „Hitzeflucht“ (8), Foto: Simon Schöpf

Ob man eine „Hitzefluch(t)“ (8) oder den „Indiansummer“ (7+) sucht, ob man auf „Das Resultat“ (8-) bedacht ist oder ein bequemer „Langschläfer“ (7) ist – egal, die meist fünf bis sieben Seillängen langen Touren sind allesamt lohnende Unternehmungen, insgesamt 16 Stück gibt es momentan. Und wenn man dann nach getaner Arbeit in der warmen Nachmittagssonne glücklich und zufrieden nach Biberwier absteigt, findet sich dort bestimmt ein Gasthaus zur inspirierenden Formung des eigenen „Wampens“.

Anspruchsvolle Mehrseillängen der Route 'Hitzeflucht' (8), Foto: Simon Schöpf | Climbers Paradise
Anspruchsvolle Mehrseillängen in der Route „Hitzeflucht“ (8), Foto: Simon Schöpf

Die Fakten:

Wampeter Schrofen, Nord- und Westwand, Mieminger Kette, Tirol

  • Zustieg: 1 bis 1,5 Stunden vom Parkplatz der Talstation Marienbergbahn (990 m)
  • Routen: 16 Mehrseillängentouren, 6/A0 bis 8
  • Beste Zeit: Juli bis September
  • Hinweis: Steinschlaggefahr aus den oberen Bereichen der Wand, Helmpflicht!
  • Literatur: Panico Alpinverlag, „Wetterstein Süd“ (2016)