Chinesische Mauer in Leutasch: Erschließer, Testpieces und die große Sanierung

Einer der berühmtesten Klettergärten Nordtirols war in die Jahre gekommen. Dann nahm sich eine lokale Klettergruppe der Mauer an – mit Klebehaken, neuen Ständen und sogar neuen Linien.
Kletterer in der Route Wilde Mändle im Sektor Hongkong der Chinesischen Mauer, dahinter das Leutaschtal
Kletterer in der Route Wilde Mändle im Sektor Hongkong der Chinesischen Mauer, dahinter das Leutaschtal

Eine Mauer, viele Handschriften

Viele Routen an der Chinesischen Mauer wurden in den 80er-Jahren erschlossen und lange nicht saniert. Eine lokale Szene, die sich um den Klettergarten kümmerte, gab es am Seefelder Plateau lange nicht.

Das änderte sich mit den Mauerfix: Die Klettergruppe vom Plateau trieb die nötigen Mittel auf und startete eine breite Sanierung – mit voller Unterstützung des Tourismusverbands und im guten Einvernehmen mit der Jägerschaft. Wie die Mauer heute aussieht, zeigt die aktuelle Gebietsbeschreibung: Chinesische Mauer & Hongkong.

Text: Thomas Wanner

Die Erschließer: von Scherer bis Wutscher

Die Mauer liegt in Leutasch in der Region Seefeld. Heute zählt die Gebietsbeschreibung 183 Routen in elf Sektoren, die meisten im siebten und achten Grad. Viele der älteren Linien gehen auf das Konto von Reinhold Scherer, Bernhard Prommer, Bernhard Hangl und Heinz Zak.

Ein stiller Erschließer, der um seine Person keinen großen Wirbel macht, ist Arthur Wutscher. Der Ofensetzer aus Telfs zählt zu den aktivsten Erschließern der Mauer und ist ein Spezialist für technisch schwierige Wandkletterei – vor allem in den oberen Sektoren rund um die Streifen hat sich viel getan. Ein Name, über den man ebenfalls immer wieder stolpert: Markus Haid aus dem Ötztal, bekannt als Erschließer von Piburger See und Niederthai. Auch er hat an der Mauer seine Spuren hinterlassen, in den Sektoren rund um die Streifen und Dächer.

Kletterer in der Route Puls 2000 an der steilen Wand der Chinesischen Mauer über dem Wald

Testpieces: vom Dach bis zur grauen Platte

Hoch über dem Samuraisektor thront ein weit ausladendes Dach mit fixen Schlingen. Nur selten sieht man dort Kletterer an den modernen Testpieces von Much Mayr und Jorg Verhoeven: „The great gig in the sky“ (8c) und „The dark side“ (8c+).

Die strenge Bewertung und der teils unübersichtliche Fels machen die Mauer zu etwas Besonderem. Mit reiner Kraft kommt man höchstens im Hauptsektor die eine oder andere Tour hinauf – Benni Hangl junior bewies das, als er „Shir Khan“ (7c) in Turnschuhen kletterte. Spätestens in den grauen, gefinkelten Platten hilft Bizepspower allein aber nicht mehr weiter. Die bekannteste Linie der Mauer, „Puls 2000“ (7c+), stellen wir in Great Lines in Tirol vor.

Die Sanierung: Klebehaken, neue Stände, fixe Schlingen

Die Mauerfix nahmen sich Sektor für Sektor vor: zuerst die ersten Seillängen im Hauptsektor, an der Dodlwand und im Samuraisektor, dann den Sektor Hongkong und schließlich die restlichen Sektoren. Die Zwischenhaken waren meist noch gut – erneuert werden mussten vor allem die Stände. Altes, gefährliches Hakenmaterial wurde entfernt und durch Klebehaken sowie fixe Schlingen mit Stahlkarabinern ersetzt. Beliebte Klassiker wie „Caramba“, „Shir Khan“ und „Pistolero“ bekamen einige Fixschlingen, weil das Einhängen dort oft mühsam ist.

Neue Linien
Bei der Sanierung des Hauptsektors fällten die Mauerfix einen morschen Baum neben der Route „Hanuman“, bevor er unkontrolliert umstürzen konnte. Den frei gewordenen Platz zwischen „Hanuman“ und „Link the Butler“ nutzten sie gleich für eine neue Linie durch die wasserzerfressenen Löcher: die „Flühlingslolle“ (7c+) von Thomas Wanner. Mehr Begehungen würde sich auch „Mister Miyagi“ (8b) wünschen – die kurze, knackige Route von Patrick Trois im Hauptsektor lässt jedes Boulderherz höher schlagen und ist seit dem Ausbrechen eines Untergriffs noch ein Stück schwerer.

Gut zu wissen: Fixe Schlingen und Karabiner altern draußen schneller und können scharfe Kanten bekommen – vor dem Einhängen kurz prüfen. Worauf es dabei ankommt, steht in Wie lange hält Kletterausrüstung?. Geparkt wird ausschließlich am Parkplatz Puitbach/Ahrn (P13), von dort sind es 20 bis 30 Minuten zur Mauer.

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