Klettergurt, Seil, Sicherungsgerät, Schlingen und Karabiner gehören zur persönlichen Schutzausrüstung. Wie lange hält das Material – und wann muss es weg?
Die Grundregel vorweg: Beschädigtes Material wird sofort aussortiert, egal wie alt es ist. Bei allem anderen entscheiden der Zustand und die Gebrauchsanleitung des Herstellers. Die folgenden Punkte helfen beim regelmäßigen Check.
Text: Ulrich Huber, aktualisiert von der Redaktion
Ein intaktes, modernes Kletterseil reißt im normalen Gebrauch nicht. Gefährlich wird es an Kanten: wenn das Seil unter Last über scharfe oder raue Fels- und Metallkanten läuft – dazu zählen auch scharf eingeschliffene Karabiner – oder seitlich darüber scheuert. Auch Chemikalien, vor allem Batteriesäure, können ein Seil stark schwächen, ohne dass man es von außen sieht.
Verschleiß erkennen
Viel häufiger als ein Riss ist der Verschleiß. Wer oft klettert und viel stürzt, sieht das zuerst an den ersten Metern: Der Mantel wird pelzig. Aussortiert – oder an der Stelle abgeschnitten – wird das Seil, wenn
Liegt der Schaden am Seilende, kann man das Stück abschneiden und das Seil weiterverwenden. Achtung: Danach stimmen Mittelmarkierung und Seillänge nicht mehr – beim Ablassen und Abseilen unbedingt berücksichtigen und immer einen Knoten ins Seilende machen.
Und das Alter?
Die Hersteller geben für ungenutzte, gut gelagerte Seile meist eine maximale Lebensdauer von rund zehn bis zwölf Jahren an, bei regelmäßigem Gebrauch deutlich weniger – verbindlich ist die Gebrauchsanleitung des jeweiligen Seils. Unabhängige Tests zeigen, dass unbeschädigte Seile mit dem Alter kaum an Festigkeit verlieren. In der Praxis entscheidet also der Zustand, die Herstellerangabe bleibt die Obergrenze.
Welches Seil?
Für das Sportklettern am Fels ist ein Einfachseil mit rund 70 Metern ein gängiger Allrounder. Wichtiger als die exakte Zahl: Seildurchmesser und Sicherungsgerät müssen laut Herstellerangabe zusammenpassen, und das Seil muss für die längste geplante Route reichen – die Länge steht im Topo.
Klettergurt
Beim Gurt gilt Ähnliches wie beim Seil. Bei häufigem Gebrauch verschleißt er vor allem an den Anseilschlaufen und am Anseilring. Sind diese abgewetzt oder ausgefranst, gehört der Gurt aussortiert. Auch für Gurte nennen die Hersteller eine maximale Lebensdauer – sie steht in der Gebrauchsanleitung.
Je nach Einsatzzweck gibt es unterschiedliche Modelle. Allroundgurte mit Verstellschnallen an den Beinschlaufen decken vom Sportklettern über Alpinklettern und Klettersteige bis zu Hochtouren vieles ab – für Gelegenheitskletterer meist die beste Wahl. Wichtig ist das Anprobieren: Ob ein Gurt passt, merkt man erst, wenn man darin hängt.
Sicherungsgerät
Der Österreichische Alpenverein empfiehlt für das Sportklettern in Halle und Klettergarten Halbautomaten, also Sicherungsgeräte mit Blockierunterstützung, oder sogenannte Hybridgeräte. Sie gleichen menschliche Fehler besser aus als ein klassischer Tuber, der vollständig von der Bremshand abhängt. Tuber und HMS gelten beim Sportklettern als nicht mehr zeitgemäß, haben aber in Mehrseillängen und beim Abseilen weiterhin ihren Platz. Einige Kletterhallen schreiben Halbautomaten vor.
Wichtig: Seil, Karabiner und Sicherungsgerät müssen zusammenpassen – viele Geräte werden deshalb gleich mit dem passenden Karabiner verkauft. Fünf gängige Geräte im Überblick: 5 Sicherungsgeräte zum Sportklettern.
Kletterschuhe
Über kaum etwas wird so viel diskutiert wie über die richtige Passform. Kletterschuhe sollen eng anliegen, damit man Tritte präzise belasten kann – schmerzen dürfen sie aber nicht. Gerade Einsteiger lernen das saubere Treten in bequemeren Modellen besser, in denen die Zehen eher gerade stehen. Probiert im Geschäft am besten mehrere Modelle und lasst euch beraten, welche sich noch weiten.
Karabiner und Expressschlingen
Karabiner haben kein Ablaufdatum, verschleißen aber. Aussortieren solltet ihr sie, wenn der Schnapper nicht mehr sauber schließt, wenn sie verformt oder gerissen sind oder wenn das Seil Rillen eingeschliffen hat. Solche eingeschliffenen Kanten können scharf werden und haben schon zu Seilrissen geführt. Deshalb bei Expressschlingen den seilseitigen und den hakenseitigen Karabiner nie vertauschen. Die textilen Teile – Bänder und Schlingen – altern auch ungenutzt; hier gilt die Lebensdauer laut Hersteller.
Fixes Material im Klettergarten
Vorsicht bei fixen Schlingen und Karabinern in Klettergärten: Ihr Alter lässt sich oft nicht feststellen, und durch die Witterung altern sie schneller. Sowohl Alu- als auch Stahlkarabiner können an fixen Expressen gefährlich scharfe Kanten bekommen. Schaut euch das Material genau an und entscheidet mit Hausverstand, ob ihr ihm vertraut. Auffällige Schäden am besten der Gebietsbetreuung oder dem Tourismusverband melden.
Tipps & Sicherheit
Du willst mehr zu Sicherheit beim Klettern wissen? Hier gehts zu unseren Sicherheitstipps.