Denn auch da spielt die Region Seefeld – Tirols Hochplateau mit ihren fünf Gemeinden Leutasch, Mösern-Buchen, Reith, Scharnitz und Seefeld ganz vorne mit. Nicht zuletzt durch den Scharnitzer Kletterpionier und Bergfotografen Heinz Zak, der der Region nicht nur mit seinen bekannten Bildern, sondern auch mit seinen erstbegangenen Routen einen Stempel aufdrückte.
Wir stellen euch die lohnendsten Gebiete des Plateaus vor.
Text: Simon Schöpf
Man muss nicht erst bis nach Peking fliegen, um zur Chinesischen Mauer zu pilgern: Die Tiroler Variante davon ist zwar nicht ganz tausend Kilometer lang, dafür mit 150 Metern um einiges höher als ihr asiatisches Pendant. Und für jeden Kletterer sowieso das interessantere Weltwunder.
Eigentlich erstaunlich, dass an der „Mauer“, wie sie oft ehrfürchtig genannt wird, erst vergleichsweise spät mit der Erschließung begonnen wurde. Gibt es hier doch talnahen Wettersteinkalk von der feinsten Sorte, in bequemen 20 Minuten Zustieg von der Leutasch aus erreichbar. Fest anpacken sollte man jedenfalls können: Unter dem 7. Schwierigkeitsgrad gibt es hier nur wenige Routen. Die Mauer ist also eher den Hardmovern vorbehalten, die Bandbreite reicht dafür von technischer Wandkletterei bis zur stark überhängenden Lochwand.
Inzwischen sind es samt dem benachbarten Sektorenreigen Hongkong über 180 Routen in elf Sektoren – die bekannteste hört auf den Namen „Puls 2000“ in der Dodlwand. Durch die südseitige Ausrichtung ist der Herbst die ideale Jahreszeit, im Sommer bekommt man ab dem späteren Nachmittag den erhofften Schatten.
Auf einen Blick
Am Mauerbogen wird geboten, was an der Chinesischen Mauer Mangelware ist: schöne Routen in den unteren und mittleren Schwierigkeitsgraden. Der Zustieg ist ähnlich gemütlich, in rund 15 Minuten ist man an der Wand. Gut 30 Routen findet man hier in südseitiger Ausrichtung, einige davon mit einem Mittelstand; wer da noch nicht genug hat, kann den oberen, schwereren Wandteil noch mitnehmen.
Der Fels ist plattig-kompakt, eine gute Fußtechnik ist also von Vorteil. Man munkelt, die Routen hier wären eher „hart“ bewertet. Wer frisch aus der Halle kommt, steigt besser einen Grad tiefer ein und lässt den Felscharakter erst einmal wirken. Gemütlich einsteigen lohnt sich also!
Auf einen Blick
Wer noch einen Gang runterschrauben will: Das Flämenwandl ist dann wirklich ein ideales Einsteigergebiet. Idyllisch neben der Leutascher Ache gelegen, Grillstellen inklusive, wurde es von einer belgischen Einbohrtruppe zusammen mit dem lokalen Kletterverein Mauerfix erschlossen.
Die leichten, gut abgesicherten Routen und der kurze, flache Zustieg machen den Klettergarten zum idealen Familien-Klettergebiet. Der Parkplatz ist derselbe wie für die Chinesische Mauer – wer nach dem Flämenwandl noch nicht genug hat, kann also bequem oben auf der Mauer noch eins drauflegen.
Auf einen Blick
Ein Gebiet, das lange kein Best-of gebraucht hat, gehört heute klar dazu: die Sonnenplatten in Scharnitz. Direkt vor dem Tor des Karwendels gelegen, in unmittelbarer Nähe der Ortsumfahrung – kürzer kann ein Zustieg kaum sein.
Umgesetzt wurde das Projekt gemeinsam von Heinz Zak, der Gemeinde Scharnitz und dem Tourismusverband. Zak hat die alten Routen saniert und auf aktuellen Sicherheitsstandard gebracht, dazu kamen neue Linien. Unterm Strich stehen jetzt über 60 Routen im griffigen Wettersteinkalk, und zwar in Graden, die tatsächlich alle klettern können.
Der eigentliche Clou ist aber das Drumherum: Chill-Area mit Tischen, Bänken, Slacklines und Brunnen. Klettergarten und Nachmittag am Fels, ohne dass jemand quengelt.
Auf einen Blick
So viel zu den kleinen Wänden. Wer auf dem Plateau nach oben schaut, findet natürlich noch ganz andere Kaliber:
Und das Alpinkletter-Kapitel im Karwendel und Wetterstein? Das füllt, wie eingangs gesagt, ganze Bücher.
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