Winterschlaf ade: 7 Klettergärten für den Saisonstart in Tirol

Sonnige Wände, kurze Zustiege, moderate Grade: Mit diesen sieben Klettergärten vom Ötztal bis ins Kufsteinerland klappt der Umstieg von Plastik auf Fels.
Kletterer an einer Felswand im Klettergarten Oetz, im Hintergrund verschneite Berge und blauer Himmel
Kletterer an einer Felswand im Klettergarten Oetz, im Hintergrund verschneite Berge und blauer Himmel

Raus aus der Halle, rein in die Felssaison

Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen – und sobald die ersten Sonnenstrahlen die Felswände erreichen, startet für viele von uns die Outdoorsaison. Wer den Winter über fleißig in der Halle trainiert hat, kann es meist kaum erwarten, die Trainingsstunden endlich am Fels einzulösen.

Tirol bietet jede Menge Möglichkeiten, sanft in die neue Felssaison zu starten. Neben guter Vorbereitung und einem vollständig gepackten Rucksack entscheidet vor allem die Wahl des Klettergartens – denn gerade im Frühling gibt es ein paar Dinge zu beachten.

Text und Fotos: Lara Novak

Worauf es beim Saisonstart ankommt

  • Sonnige Wände: Durch die Sonne ist der Fels nicht mehr eisig kalt.
  • Tallage: Weiter unten sind die Temperaturen im Frühling deutlich angenehmer.
  • Kurzer Zustieg: So kommt man nicht schon am ersten Outdoor-Tag ans körperliche Limit.
  • Grade runterschrauben: Wer den ganzen Winter auf Plastikgriffen unterwegs war, mag körperlich fit sein – Finger und Haut müssen sich trotzdem erst wieder an den Fels gewöhnen.

Generell gilt: „Take it easy and enjoy the climb!“

1. Engelswand in Tumpen: der Ötztal-Klassiker

Der Klettergarten Tumpen | Engelswand zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Kletterwänden im Ötztal. Kurzer Zustieg und eine große Auswahl an Routen im moderaten Bereich machen ihn zum idealen Gebiet für den Start nach der Winterpause.

Die Wand überzeugt mit super Felsqualität, hoher Routendichte und abwechslungsreicher Kletterei: Platten, steilere Wandstellen und einige schöne Risse – alles dabei. Die Wand ist westseitig ausgerichtet und bekommt ab dem späten Vormittag Sonne, gegen Mittag liegt sie komplett im Licht. Bei wolkenlosem Himmel ist es dann meist sehr angenehm, bei strahlendem Sonnenschein manchmal fast schon zu warm.

Wichtig: Wegen des hohen Einzugsgebiets ist Steinschlag nie ganz auszuschließen. Deshalb nur in unmittelbarer Wandnähe aufhalten – die Wiese ist kein Spiel- oder Picknickplatz. Daneben liegt eine Kuhweide mit freilaufenden Tieren; Material am besten im abgezäunten Bereich beim Brunnen deponieren.

Auf einen Blick

  • Grad: 3 bis 8, Schwerpunkt im 6. Grad
  • 73 Routen, 6–40 m, rötlicher Gneis
  • Exposition: West
  • Zustieg: 10–15 min auf ebenem Wiesenweg, Parkplatz gebührenpflichtig
Kletterer in einer Route an der rötlichen Gneiswand der Engelswand
Kletterer in einer Route an der Engelswand in Tumpen, unten die Sicherungsperson in roter Jacke, Hochformat

2. Oetz: der wohl kürzeste Zustieg überhaupt

Wer den kürzesten Zustieg sucht, kommt am Klettergarten Oetz kaum vorbei. Man parkt praktisch direkt vor der Wand – der Zustieg dauert ein bis zwei Minuten.

Die kurzen und eher einfachen Routen sind perfekt für Einsteiger, Kinder und alle, die entspannt in die Saison starten wollen. Der Sektor Lauser mit Routen von 3a bis 4c ist besonders familienfreundlich. Tische und Bänke laden zum Jausnen zwischen den Gos ein.

In den ersten Frühlingswochen erreicht die Sonne die Wand erst gegen Mittag und verschwindet im frühen Nachmittag wieder hinter den Bergen. Also: dicke Jacke einpacken, egal wie warm es beim Start am Parkplatz war. Ohne Sonne wird es schnell unerwartet frisch.

Wer eine größere Herausforderung sucht, versucht sich am empfehlenswerten Zwillingsriss (7b+) – vielleicht ja das neue Projekt für die Saison.

Auf einen Blick

  • Grad: 3 bis 7
  • 39 Routen, 5–35 m, Gneis
  • Exposition: Süd
  • Zustieg: 1–2 min
Person mit Rucksack am Wandfuß des Klettergartens Oetz zwischen Bäumen, Blick zur Wand

3. Nassereith: Klettern mit Weitblick ins Gurgltal

Ein weiterer sonniger Klassiker in der Outdoorregion Imst ist der Klettergarten Nassereith / Sparchet. Mit über 100 Routen und rund 10 Minuten Zustieg bietet er eine riesige Auswahl in fast allen Graden.

  • Botanischer Garten: einfache Routen im 2. und 3. Grad – perfekt, um sich wieder ans Bewegen am Fels und an die Seiltechnik draußen heranzutasten.
  • Hard Rock und Goldenes Dachl: ein paar Sektoren weiter rechts wird es deutlich anspruchsvoller, mit Routen bis 8b/8b+.
  • Für den gemütlichen Start: viele schöne Touren zwischen dem 5. und 7. Grad.

Absolutes Muss in Nassereith: der Helm. Wegen Wildwechsels in den Felsen über den Routen besteht erhöhte Steinschlaggefahr – niemand sollte hier ohne Helm klettern oder sichern. Am besten hält man sich zwischen den Einstiegen möglichst direkt am Wandfuß auf. Mit Kindern ist ein Besuch deshalb nicht zu empfehlen, die Kletterei selbst ist aber definitiv einen Ausflug wert.

Auf einen Blick

  • Grad: 2 bis 8
  • 107 Routen, Kalk
  • Exposition: West, Süd, Ost
  • Zustieg: 10 min
  • Ausrüstung: Helm, 70-m-Seil, 18 Expressen
Kletterer mit Helm an einer grauen Kalkwand in Nassereith
Kletterer mit Helm in einer senkrechten Kalkroute in Nassereith, Hochformat

4. Tarrenz / Walchenbach: ideal für die ersten Züge am Fels

Walchenbach bei Tarrenz im Gurgltal war vor vielen Jahren einer der Klettergärten, in denen ich meine ersten Erfahrungen am Fels sammeln durfte. Das Gebiet wurde speziell für Kinder und Einsteiger eingerichtet: Zustieg, Hakenabstände und Routen sind kurz, alle Routen haben Umlenkkarabiner. Ideal als Einstiegsgebiet, egal ob nach der Winterpause oder überhaupt.

Die Wand erreicht man nach etwa 10 Minuten. Am Wandfuß warten ein Rastplatz mit Tisch und Bänken und ein schöner Blick ins Gurgltal. Die südostseitige Wand trocknet nach Regen schnell und lässt sich sogar an warmen Wintertagen beklettern. An warmen, leicht bewölkten Frühlingstagen findet man hier gute Bedingungen fürs Erwachen aus dem Winterschlaf.

Helm nicht vergessen – der gehört hier immer dazu.

Auf einen Blick

  • Grad: 3 bis 8
  • 31 Routen, 6–15 m, Kalk
  • Exposition: Südost
  • Zustieg: 10 min
  • Ausrüstung: Helm, 50-m-Seil, 14 Expressen

5. Silz: klein, aber fein

Achtung: Der Klettergarten Silz ist laut Climbers Paradise derzeit bis auf Widerruf gesperrt. Bitte vor einem Besuch unbedingt den aktuellen Status auf der Detailseite Klettergarten Silz checken.

Klein, aber fein und super sonnig – so lässt sich der Klettergarten Silz im Inntal am besten beschreiben. In der Region Innsbruck nahe der Autobahn gelegen, bietet er rund zehn Routen von 4c bis 6c+.

Der Zustieg dauert etwa 10 Minuten. Die sonnige Ausrichtung und die gute Absicherung in den leichteren Routen machen das Gebiet ideal für einen entspannten Saisonstart: Genussklettern auf kompaktem Kalk mit Leisten und Löchern. Durch die Südausrichtung ist der Fels im Frühjahr angenehm warm, an sonnigen Tagen oft schon zu warm – Sonnencreme nicht vergessen oder auf einen leicht bewölkten Tag ausweichen.

Auf einen Blick

  • Status: derzeit gesperrt
  • Grad: 4c bis 6c+
  • 10 Routen, 15–30 m, Kalk
  • Exposition: Süd
  • Zustieg: ca. 10 min

6. Martinswand: ÖAV-Klettergarten ohne Auto

Wer von Innsbruck aus einen Klettergarten für den Saisonstart sucht, kommt auch ohne Auto zum ÖAV-Klettergarten an der Martinswand. Von der Stadt aus ist das Gebiet bequem mit dem Rad erreichbar – das Warm-up für die Beine ist damit erledigt. Nach 10 bis 15 Minuten Fußweg müssen nur noch Oberkörper und Finger aufgewärmt werden, dann kann es losgehen.

Die Routen bewegen sich zwischen dem 3. Grad und 7b, besonders viel Auswahl gibt es im 5. und 6. Grad. Platten, Leisten und kleine Risse: gut abgesicherte, eher technische Kletterei auf Kalk.

Der Klettergarten ist mittlerweile zwar etwas „abgeklettert“, durch den kurzen Zustieg und die unkomplizierte Anreise aber perfekt für einen schnellen Feierabend- oder Frühjahrs-Klettertag.

Auf einen Blick

  • Grad: 3 bis 7b
  • 54 Routen (davon 10 an der Schleicherplatte), 12–45 m, Kalk
  • Exposition: Süd
  • Zustieg: 10–15 min

7. Morsbach: Klettergeschichte im Kufsteinerland

Vom Oberland einmal quer durch Tirol ins Unterland: Der Klettergarten Morsbach bei Kufstein, kurz vor der deutschen Grenze, eignet sich ebenfalls hervorragend für den ersten Klettertag der Saison.

Die Routen reichen vom 2. bis in den 8. Grad (Topo bis 8c) – ideal für Gruppen mit gemischtem Niveau. Der Kletterstil ist vielleicht ein wenig gewöhnungsbedürftig und die leichteren Routen sind teils schon etwas poliert, das Gebiet hat aber definitiv seinen ganz eigenen Charme.

Der Zustieg zur südostseitigen Wand führt in 10 bis 15 Minuten durch lichten Wald – perfekt als kleines Warm-up. Bänke, ein angenehmes Sicherungsgelände und der umliegende Wald machen Morsbach auch für Familien attraktiv. Und nach dem Klettern wartet der nahe Pfrillsee.

Auf einen Blick

  • Grad: 2 bis 8
  • 45 Routen, 10–30 m, Kalk
  • Exposition: Südost
  • Zustieg: 10–15 min
Kletterer an einer geneigten Kalkplatte im Klettergarten Morsbach
Kletterer in einer senkrechten Route in Morsbach, darunter Sichernde am Wandfuß, Hochformat

Die Klettergärten aus diesem Artikel

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