Winterklettern an der Martinswand: Dschungelbuch, Grotte & Co.

T-Shirt am Fels, Schnee am Gegenhang: An der Martinswand bei Innsbruck lässt sich auch mitten im Winter klettern. Die besten Spots – vom Einsteigerfels bis zum Dschungel.
Kletterin in einer Route im Dschungelbuch an der Martinswand
Kletterin in einer Route im Dschungelbuch an der Martinswand

Felsklettern im Winter? Aber sicher!

„Was, im Winter gehst du Felsklettern?“ Diese Frage höre ich immer wieder. Dabei gibt es für Kletterer im Winter nicht nur Skifahren, Kletterhalle und Eisklettern – sondern auch richtigen Fels.

Bestimmte Klettergärten eignen sich perfekt für die kalte Jahreszeit. Und die kühle, trockene Winterluft sorgt obendrein für perfekte Reibung.

Text: Matthias Bader

Worauf es im Winter ankommt

Im Sommer des Felskletterers Feind, im Winter sein bester Freund: die Sonne. Ohne sie geht am Fels nichts. Deshalb gilt:

  • Wetter: schöne, sonnige Tage abwarten.
  • Ausrichtung: Wände wählen, die nach Süden schauen und die Wärme speichern.
  • Zustieg: Lawinengefahr, Eisschlag und erhöhte Steinschlaggefahr durch Schnee im Blick behalten.

Die folgenden Klettergärten an der Martinswand bei Zirl in der Region Innsbruck haben sich das Prädikat „Winterklettergarten“ verdient.

Dschungelbuch: der Winterklassiker

Das Dschungelbuch ist das Winterklettergebiet schlechthin rund um Innsbruck: kurzer Zustieg, Südausrichtung und Routen ohne Ende. Klingt perfekt – doch der „Dschungel“, wie die Locals sagen, wäre nicht der Dschungel, wenn es nicht irgendwo einen Haken gäbe.

Plattige, senkrechte Wandstruktur, diffizile, schlecht lesbare und kleingriffige Kletterei, teils satte Hakenabstände und die traditionell harte Bewertung – daran ist schon so mancher Hallen-Achter-Kletterer vor dem ersten Haken verzweifelt. Mir ging es beim ersten Besuch nicht anders. Erst nach einigen Tagen erwachte die Liebe zum Dschungel, und in manchen Wintern fand mein Auto den Weg zum Parkplatz unter der Martinswand fast von allein.

Auf einen Blick:

  • 187 Routen, 12 bis 55 m lang, Schwierigkeit 3 bis 8
  • Klassiker im Hauptteil: „Swing Time“ (7c+) und „Agip“ (7c+)
  • Ist es im Hauptteil zu kalt, lohnen sich die Sektoren der „Wunderbaren Welt“: leichtere Touren wie „Biene Mayer“ (6b) oder „Vecchia Roma“ (7a) – und dank geschützter Lage oft wärmer.

Klettern und Skifahren an einem Tag

Immer wenn ich verzweifelt im Seil hing, schaute ich hinüber zu den schattigen, verschneiten Kalkkögeln und dachte mir: Was für ein Glück. Wir klettern hier im Winter im T-Shirt in der Sonne – und wer will, fährt danach auf die andere Talseite zum Skifahren. Zwei Jahreszeiten an einem Tag, direkt vor der Haustür.

Grottenwegwand und Grotte

Ebenfalls ein super Wintergebiet an der Martinswand ist die Grottenwegwand. Im ersten Sektor gibt es viele leichtere Routen – besonders empfehlenswert ist „D-Tour“ (6a+).

Ein paar Meter weiter, direkt vor der Kaiser-Max-Grotte, wartet ein Sektor mit Routen vor allem im achten französischen Grad.

Kletterin in der Route Gothic in der Grotte an der Martinswand

Mull

Die Mull ist ein kleiner Klettergarten westlich vom großen Steinbruch in Zirl. Die Wand ist nach Südwesten ausgerichtet und bekommt erst ab Mittag Sonne – im Winter also perfekt für den Nachmittag.

Routentipps: „Il Matrimonio“ (6c+), „Aka Matti Success“ (7b+) und „Red Bolt“.

Kletterer im T-Shirt im Klettergarten Mull

ÖAV-Klettergarten

Der ÖAV-Klettergarten an der Martinswand bietet viele leichte Routen, sonnige Lage und gute Absicherung – perfekt für die ersten Schritte am Fels, nicht nur im Winter.

Galerie

Ein weiterer Klettergarten an der Martinswand ist die Galerie: etwas längerer Zustieg, dafür perfekte Aussicht über das Inntal.

Auf einen Blick: 54 Routen, 6 bis 32 m lang, Schwierigkeit 4 bis 8.

Achtung: Steinschlaggefahr – und immer wieder eine lockere Bohrhakenlasche. Mehr zum Thema: Gefahrenstellen beim Klettern melden.

Die Winter-Klettergärten aus diesem Artikel

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