Winterklettern in Tirol: 5 Tipps & sonnige Klettergebiete

aktualisiert am: 05. Jan. 2026
Felsklettern, wenn alle anderen auf Skitour gehen – ist das nicht Irrsinn? Nein! Denn an sonnigen Südfelsen entstehen im Winter die besten Grip-Bedingungen des Jahres. Wir erklären euch, warum Winterklettern so viel Spaß macht und geben fünf Tipps, wie ihr auch bei Minusgraden warme Finger bekommt.

Friction, Baby! It's all about the Grip!

Die Reibung – die Friction – ist am allerbesten, wenn die Temperaturen niedrig und die Luftfeuchtigkeit gering sind. Im Winter werden deshalb die härtesten Projekte geklettert. Aber auch alle anderen werden den Unterschied spüren: Der garstige Aufleger, von dem man im August noch runtergeschmiert ist, hält plötzlich. Wenn die Finger erst einmal warm sind.

Zugegeben, ein klein wenig felsfanatisch sollte man schon sein, um den ganzen Winter über draußen zu klettern. Aber kommt man erst mal in die richtigen mood, wird man immer wieder auch trotz Minusgraden an den Fels zurückkehren. Vorausgesetzt natürlich, man ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Aber mehr dazu später.

„It’s all about the grip, baby!“, so könnte man die Motivation für das Winterklettern wohl am besten zusammenfassen. Denn für richtig kleine Leisten und richtig winzige Tritte braucht es neben der nötigen Power eben auch die nötige Reibung. Und die Reibung, die friction, die ist am allerbesten, wenn die Temperaturen niedrig und die Luftfeuchtigkeit gering sind. Also im Winter. Deshalb werden die härtesten Projekte meist bei Bedingungen geklettert, bei denen andere lieber auf Skitour gehen oder die Rodel ziehen. 

Aber auch alle, die nicht im elften Schwierigkeitsgrad unterwegs sind, werden den Unterschied schnell merken: Der garstige Aufleger, von dem man im August noch ständig runtergeschmiert ist, er „hält“ plötzlich. Und der kleine Tritt, auf den man sich dann doch nie zu steigen traute, ist überhaupt kein Problem mehr. „It’s all about the grip, baby!“, und deshalb macht Klettern im Winter auch so viel Spaß! Wenn die Finger erst einmal warm sind.

5 Tipps zum Winterklettern

  1. Richtig aufwärmen: Im Winter ist das Aufwärmen unumgänglich. Klettergärten mit 10 bis 20 Minuten Zustieg sind ideal. Am Fels erst warme Finger bekommen und mit einfachen Routen mit großen Griffen starten – zu kleine Leisten zu früh niedergeprügelt, und die Ringbänder reagieren schnell beleidigt.
  2. Unten mit, oben ohne (Daunenjacke): An sonnigen Felswänden bildet sich ein Mikroklima – die Strahlen treffen bei niedrigem Sonnenstand beinahe senkrecht auf den Fels und heizen ihn auf. So klettert man im T-Shirt, während der Sicherer unten dick eingepackt friert.
  3. Schuhe unter die Jacke: Kletterpatschen nicht auf den eiskalten Boden legen, sondern unter die Daunenjacke stopfen – so schlüpft man vor jeder Route in angenehm warme Schuhe.
  4. Chalkbag mit Heizung: Handwärmer (Wärmepads) helfen künstlich nach. Oder ein auf dem Gaskocher erwärmter Stein im Chalkbag – eine kleine Handheizung für zwischendurch.
  5. Von innen warmhalten: Die Thermoskanne ist des Kletterers beste Freundin an kühlen Wintertagen. Dazu die richtige Ausrüstung: lange Unterhose, Handschuhe zum Sichern, Buff, warme Jacke.

5 Tipps für sonnige Klettergärten in Tirol im Winter

  1. Dschungelbuch, Martinswand (Innsbruck): In unmittelbarer Stadtnähe, direkt am Inn. Oft den ganzen Winter kletterbar, vorausgesetzt klarer Himmel und kein Wind. Bei guten Bedingungen sieht man hier im Dezember noch Kletterer und Kletterinnen in kurzer Hose.
  2. Rote Wand, Karres (Outdoorregion Imst): Südseitig ausgerichtet, viele Routen in unteren und mittleren Schwierigkeitsgraden. Der Fels trocknet nach Niederschlag schnell auf, Schnee im Zustieg ist selten ein Problem.
  3. Plangeross, Pitztal: Bomben-Gneis auf knapp 2.000 Metern Höhe – der Name einer dortigen Route lautet „Hitzeschlag im November“. Die gute Nachricht: Tiefschnee kommt oft erst im Dezember.
  4. Chinesische Mauer, Leutasch: Südseitig auf 1.700 Metern. Die Sonne bescheint die Wand von ca. 10 bis 14:30 Uhr – im Mittelteil und ganz oben gibt es sogar Routen, in denen auch der Sicherer in der vollen Sonne steht.
  5. Schleierwasserfall, Wilder Kaiser: Ein Gebiet für Hardmover mit großem Überhang und besten Winterbedingungen. Mit einer Stunde Zustieg braucht es entsprechende Motivation.

Die Winter-Klettergärten aus diesem Artikel

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