Seit Wochen kein Schneefall, dank kalter Strahlungsnächte und milder Tage kompakter Schnee, und das Eis massiv und hart: bessere Bedingungen für eine kombinierte Tour in Fels und Eis gibt es kaum.
Christian „Picco“ Piccolruaz und sein langjähriger Kletterpartner Paul Mair haben sich deshalb die bekannte Nordwand des Zwölferkogels im Kühtai vorgenommen – bewertet mit WI4 und M4, das Topo stammt von den Erstbegehern Albert Leichtfried und Benedikt Purner. Die Tour liegt in der Region Innsbruck.
Text: Thomas Wanner
Leicht bepackt mit einem Halbseil und ein paar Keilen und Friends geht es vom unteren Stausee im Kühtai los. Schon nach kurzer Zeit steht man beim ersten kleinen Eisfall: Mit Eisgeräten und Steigeisen führen etwa 80 Grad steile Aufschwünge hinauf. Das Eis war bei dieser Begehung knochenhart und spröde – hier ist vorsichtiges Klettern angesagt. Danach folgen noch einige Gehmeter bis zur eigentlichen Nordwand.
Auf kleinen Schneerampen und festen Schneefeldern gewinnt man rasch an Höhe, bis eine steilere Felsstufe den Weiterweg zu versperren droht. Die Lösung ist eine schmale, leicht vereiste Rampe, die schräg nach rechts hinaufführt. Weiter geht es abwechslungsreich und oft querend über kombiniertes Gelände und Schneefelder, zum Schluss trocken und steil zum Gipfel.
Wichtig: Bei diesen Verhältnissen konnte das Seil im Rucksack bleiben – das setzt viel Erfahrung und wirklich sichere Bedingungen voraus. Bei weicherem Schnee, dünnem Eis oder erhöhter Lawinengefahr gehört das Seil heraus, und die Tour verlangt deutlich mehr Zeit.
Der Abstieg über den Nordgrat ist anregend, aber nie schwierig – der passende Abschluss für ein Vormittags-Alpinabenteuer mit interessanter Linienführung.
Die Tour in Zahlen
Vor der Tour gehören Lawinenlagebericht und Verhältnisse-Check dazu; worauf es im Notfall ankommt, steht in Eisklettern: Gefahrenquelle Lawine. Mehr Eis in der Nähe: 5 Eisfälle im Sellraintal und im Ötztal.
Tipps & Sicherheit
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