Eisklettern: Gefahrenquelle Lawine – was im Notfall zu tun ist

Lawinen stellen beim Eisklettern eine natürliche Gefahrenquelle dar. Daher solltest du ein paar Dinge beachten und dich auf eine Notfallsituation vorbereiten – um zu wissen, wie du dich bei Gefahr verhältst und helfen kannst.
Eiskletterer in einem gefrorenen Wasserfall im winterlichen Gelände
Eiskletterer in einem gefrorenen Wasserfall im winterlichen Gelände

Die Planung: gar nicht erst in den Notfall geraten

Zunächst solltest du deine Tour gut planen, um gar nicht erst in eine Notfallsituation zu gelangen.

Text: Martyna Michalak

Vor der Tour

  • Wähle eine geeignete Route zum Einstieg des Eisfalls und für den Rückweg.
  • Überprüfe deine Ausrüstung.
  • Informiere dich vorab über die Wetter- und Lawinensituation. Sind die Prognosen schlecht, bring dich nicht unnötig in Gefahr – brich lieber an einem anderen Tag auf.
  • Hör auf deinen eigenen Körper: Bist du in guter Verfassung und bringst die nötige Kraft für die geplante Tour auf?
Eiskletterer in einem gefrorenen Wasserfall im winterlichen Gelände

Im Notfall: Ruhe bewahren, Führung übernehmen, Notruf absetzen

Sollte dich doch eine Lawine überraschen, heißt es: Ruhe bewahren und nicht in Panik ausbrechen.

1. Sicherheit. Bist du in der Gruppe unterwegs, sollte eine Person das Kommando übernehmen, um die anderen anzuweisen und den Überblick zu behalten. Wurdest du als Leader bestimmt, musst du zunächst einschätzen, ob weitere Gefahren für die Gruppe bestehen, und überprüfen, wie viele Personen verschüttet sind. Anschließend legst du den Suchraum fest, setzt den Notruf ab, teilst die Helfer ein und managst die LVS-Geräte.

2. Notruf. Bei einer Verschüttung immer den Notruf wählen: Die europaweite Nummer ist die 112. Je nach Land gibt es eigene Nummern, um die Bergrettung zu erreichen. Handelt es sich um eine kleine Gruppe, setze nur einen kurzen Notruf ab, um dann Hilfe leisten zu können.

Suche und Erste Hilfe

3. Suche. Suche zunächst mit den Augen, den Ohren und dem LVS-Gerät nach einem Erstsignal. Dann führe im Umkreis von 5 Metern des Erstsignals die Grobsuche durch. Mit langsamem Auskreuzen beginnt die Feinsuche. Die Punktortung erfolgt systematisch und schnell mit der Sonde. Wurde die Person lokalisiert, beginnt das Ausschaufeln – Ziel ist es, so schnell wie möglich den Kopf freizulegen, damit die Person Luft bekommt.

4. Erste Hilfe.

Best Case: Reagiert die Person auf Ansprache, schaufle sie weiter aus und schütze sie dabei vor Wind und Wetter. Halte sie anschließend warm, um eine Unterkühlung zu vermeiden. Alarmiere die Profirettung, denn eine Verletzung ist nicht auszuschließen. Bei Verschlechterung wendest du den ABC-Check an.

Worst Case: Wenn die Person nicht reagiert und schlecht atmet, führe den ABC-Check durch:

  • A (Airway) – die Atemwege überprüfen, freimachen und offen halten
  • B (Breathing) – Frequenz und Tiefe der Atmung checken, gegebenenfalls beatmen
  • C (Circulation) – Herzdruckmassage durchführen

Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag stammt aus dem Jahr 2020 und ersetzt weder einen Lawinenkurs noch die professionelle Bergrettung. Aktuelle Lawinenlageberichte, Notfallnummern und die jeweils gültigen Empfehlungen zu Kameradenrettung und Erster Hilfe holst du dir am besten direkt beim Alpenverein, bei der Bergrettung oder beim offiziellen Lawinenwarndienst.

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