Wer die Mieminger Kette kennt, verbindet sie oft mit einem Wort: brüchig. Umso größer ist die Überraschung am Marillensteig – kompakter Fels, gut abgesichert und spielerisch zu klettern.
Eingerichtet hat die Tour Kletterurgestein Reinhold Scherer gemeinsam mit Susanne und Hansjörg Scherer im November 2008, zeitgleich mit der schwierigeren Nachbartour „Adventurepark“. Die Linie liegt an den sogenannten Fischplatten unter der Grießspitze.
Text: Patrick Trois
Von Telfs geht es über die Mieminger Straße nach Obermieming. Geparkt wird am besten bei der Forstmeile bzw. an der unteren Stöttlbrücke. Von dort fahrt ihr mit dem Rad – zu Fuß dauert es entsprechend länger – an der oberen Stöttlbrücke und an der Boasligbrücke vorbei bis zum Ende der Schotterstraße. Dann folgt ihr dem Bach, zuerst rechts, dann links, entlang von Wasserfällen bis unter die Wand. Mit gutem Auge sind die Haken bereits von unten zu sehen.
Achtung: Der Zustieg ist eindrucksvoll, verlangt aber Trittsicherheit – es gibt Stellen im zweiten Grad, eine schwierigere Passage ist mit einem Halteseil versichert. Früher führte der Weg über ein Schneefeld unter der Wand. Dessen Zustand ändert sich von Jahr zu Jahr, ausgehöhlte Schneefelder sind gefährlich – die Verhältnisse vorab erkunden.
Die Tour verläuft über sehr kompakte, flache Platten und im oberen Teil durch richtig lässige Wasserrillen. Sie klettert sich spielerisch, verlangt aber gute Fußtechnik und Gefühl für den Fels – Bizeps und Fingerkraft braucht es dafür kaum. Gut mit Bohrhaken und vielen Orientierungshaken abgesichert, ist der Marillensteig eine ideale Tour für Genusskletterer mit Mehrseillängen-Erfahrung.
Wer mehr will: Gleich daneben zieht der „Adventurepark“ (7+) über rund 600 Meter durch die Wand. Topos und Infos zu beiden Touren gibt es beim Kletterzentrum Innsbruck.
Abstieg: Nach der letzten Seillänge geht es rund 200 bis 300 Meter schräg rechts aufwärts, bis ihr auf den markierten Abstiegsweg von der Mitterspitze trefft. Diesem folgt ihr, bis ihr aus dem Wald kommt, und geht dann rechts durch das Bachbett zurück zur Forststraße. Auch hier gilt: Trittsicherheit ist Pflicht. Alternativ kann über die gebohrten Stände abgeseilt werden.
Ausrüstung: 70-Meter-Einfachseil oder Doppelseil, 10 Expressschlingen, Helm, ein passendes Sicherungsgerät für das gewählte Seil und feste Schuhe für den Zu- und Abstieg.
Mehr Tipps für den Einstieg in längere Touren: Einstieg ins Mehrseillängen-Klettern an der Martinswand.
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