Was des Skifahrers Freud, ist des Kletterers Leid: ein Winter, der nicht enden will. Schnee im März, Schnee im April – und wenn es ganz dumm läuft, im Mai gleich noch einmal.
Während die einen ihre Lieblings-Frühlingsfarbe „Weiß“ in den sozialen Medien posten, stellen die anderen Tulpen in die Vase und fragen sich, wann man endlich wieder über Blumenwiesen zum Fels laufen kann. Und dann kommt er doch, der Frühling: mit warmem Regen und strahlendem Sonnenschein. Die Felsen werden trocken, die Hände feucht – Felssaison!
Wo es sich zum Saisonstart besonders gut einklettern lässt? In der Region Achensee. Drei Gebiete mit kurzen Mehrseillängen stellen wir euch hier vor.
Text: Susa Schreiner
Klar, man könnte als Training für die langen Sommertouren auch einfach viele Baseclimbs hintereinander klettern. Aber ein bisschen Luft unter den Kletterpatschen spüren und wieder Routine beim Wegklettern vom Stand bekommen – das geht nur im Mehrseillängen-Modus. Wir nennen es Gewöhnung ans Gerät.
Auf einen Blick – die drei Gebiete:
Klein-Kanada-Feeling, kurze Zustiege und alpin anmutende Kletterei: Das bieten die Routen im Klettergebiet Gramai. Schon die Anreise ist herrlich. Von Pertisau geht es moderat ansteigend über eine Asphaltstraße bis zum Alpengasthof Gramai im Naturpark Karwendel – mit dem Rad, mit dem Auto (Mautstraße) oder zu Fuß. Vor Ort verschafft eine große Übersichtstafel den Überblick über die Routen. Der Zustieg ab dem Parkplatz Gramai dauert gemütliche 10 bis 20 Minuten.
Drei Seillängen: Die erste mit 35 Metern im sechsten Grad ist ein idealer Einstieg – nicht zu schwer, nicht zu leicht. Danach geht es 10 Meter in einer 5b zum nächsten Stand. Wer mag, hängt die zweite und dritte Seillänge zusammen, das sind noch einmal 35 Klettermeter. Nach dem Abseilen bleibt genug Zeit für einen weiteren „Shorty“.
Tipp: Die Route ist nach Osten ausgerichtet – ideal für alle, die sich die Frühlingssonne auf den Rücken scheinen lassen wollen.
215 (!) Klettermeter auf vier Seillängen:
Wer danach noch nicht genug hat, schaut für ein paar Baseclimbs am Gramai-Wasserfall vorbei. Mit dicken Unterarmen schmeckt der Apfelstrudel auf der Sonnenterrasse der Gramai Alm ohnehin am besten. Unser Tipp: gleich dort übernachten. Sobald die Tagesausflügler weg sind, kehrt Ruhe ein – perfekt für einen Abendspaziergang über die Almweiden.
Was im Hochsommer fast schon zu heiß ist, ist im Frühling eine Wonne: Klettern an südseitigem Fels. Wenn es im Schatten schnell frisch wird, haben Südwände Hochkonjunktur – zum Beispiel an der Rotspitz im Rofan. Das Motto: 2 x 2 x 2 – mach dir die Kletterwelt, wie sie dir gefällt.
Egal, wofür ihr euch entscheidet: Schön sind sie alle, und mit je zwei Seillängen lassen sie sich perfekt aneinanderreihen. Die Achenkirchner Kletterin Maria Wirtenberger schwört außerdem auf die Rebitschkante an der Rotspitz-Ostwand.
„Die atemberaubende Aussicht auf den See fasziniert mich immer wieder, genauso wie die Ausgesetztheit der Tour.“
Wer richtig zupacken möchte, ist am Klobenjoch genau richtig. Der Zustieg gehört mit 75 Minuten ab der Bergstation zu den längsten in der Region, dafür ist das Klobenjoch ein grandioser Spielplatz – vor allem in den höheren Graden, wo steile Lochkletterei lockt.
Sonne satt in bestem, gut abgesichertem Fels:
Einkehr: Unterarme durch? Dann ab zur Dalfazalm, rund 20 Minuten vom Wandfuß entfernt, und Kraft tanken bei Kaiserschmarren und Knödeln. Übernachten ist dort ebenfalls möglich. Wen es zurück ins Tal zieht, lässt den Klettertag mit Blick auf den Achensee ausklingen.
Alle Infos zu den Touren und viele weitere Routen findet ihr auf der Seite der Region Achensee.
Tipps & Sicherheit
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