Tirols größter See liegt langgezogen in einem tiefen Bett und präsentiert sich, je nach Standort und Sichtachse, mitunter wie ein norwegischer Fjord samt tiefblauem Wasser.
Steil emporragende Felswände schieben sich Richtung Himmel, der See mutiert zum Meeresarm. Ein paar Kilometer weiter zeigt sich dasselbe Gewässer türkisfarben und macht mancher Karibikinsel Konkurrenz. Die Straße nach Pertisau erinnert an die Uferstraße am Gardasee, die bunten Segeltücher der Surfer und Kiter runden das Dolce-Vita-Gefühl ab.
Wer von Pertisau Richtung Karwendeltäler wandert und die raue Berglandschaft auf sich wirken lässt, wähnt sich gar in einem kanadischen Nationalpark. Lediglich die Bären fehlen – dafür pfeifen, völlig ungefährlich, die Murmeltiere.
Text: Susa Schreiner
Gleich hinter Pertisau fängt es an, das Kanadagefühl: Die drei Karwendeltäler ziehen sich tief in die Bergwelt, die Gipfel schieben sich mächtig in den Himmel, knorrige Bäume erzählen von harten Wintern.
Moderat ansteigend folgt man dem Weg zur Gramai Alm – mit dem Rad ein Vergnügen, weil die Landschaft gemütlich vorbeizieht und die Vorfreude mit jedem Meter wächst. Mit dem Auto geht es ebenfalls (mautpflichtig). Ausgangspunkt ist immer der Parkplatz an der Gramai Alm.
Von hier hat man die Qual der Wahl: Sportklettern, Alpinklettern oder bestens abgesicherte Mehrseillängen? Das große Topo-Schild an der Alm buhlt mit dem Kletterführer in der Hand um Aufmerksamkeit.
Soll es ein gemütlicher Klettertag werden, empfiehlt sich der Klettergarten Gramai Wasserfall. In zwei Sektoren warten zehn interessante Linien. Vor allem an heißen Tagen ist die Kletterei am linken Sektor ein köstliches Vergnügen: Die Routen starten am Abfluss des Gramai-Wasserfalls. Auf der Haut der Sprühnebel, die Füße im kühlen Nass – Badehose und Picknickkorb nicht vergessen.
Fast schon karibisch präsentiert sich der Achensee bei Maurach. Wenn dann noch die Kitesurfer mit ihren bunten Schirmen übers Wasser jagen, weht ein Hauch Italien um die Nase. Dazu ein Eis in der Hand oder ein Glas Aperol auf dem Tisch – Reiseherz, was willst du mehr?
Der Klettergarten Bärenkopf liegt etwas oberhalb des Mauracher Ortsteils Lärchenwiese – quasi ums Eck vom Dolce Vita. In 10 bis 15 Minuten ist der Zustieg bewältigt, dann steht man im unteren Sektor.
Die Routen dort sind leicht, perfekt abgesichert und damit ideal für erste Vorstiegsversuche. Wer mehr will, steigt über einen steilen Pfad im Bergwald zum oberen Sektor. Süß sind hier die Routennamen wie „Mars" und „Snickers" – die Kletterei ist je nach Können entweder Nascherei oder schwere Kost, in jedem Fall lohnend.
Das Rofan hat mit Norwegen wenig gemein – muss es auch nicht, denn das Gebirge ist für sich eine Augenweide: breite Almböden, steile, pittoreske Gipfel, die wie Zinnsoldaten über Wanderer und Kletterer wachen. Ein bisschen Norwegenstimmung kommt trotzdem auf, etwa auf dem Weg von der Rofan-Bergstation zur Dalfazalm. Die Perspektiven, die den Achensee wie einen Meeresarm hoch im Norden erscheinen lassen, sind verblüffend.
Wer mit Kindern unterwegs ist: Der Dalfazer und der Buchauer Wasserfall bieten allerhand Möglichkeiten, nordische Kobolde zum Leben zu erwecken.
Ansonsten hält das Rofan für fast jeden Anspruch ein Projekt bereit:
Drumherum eine hochalpine Landschaft, die sich im Sommer von ihrer schönsten Seite zeigt: bunte Blumen, pfeifende Murmeltiere und Dohlen, die sich keck ein Stück vom Käsebrot erschleichen.
Tipps & Sicherheit
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