Hexenkessel im Pitztal: Gneis-Spielplatz für geübte Kletterer

Wo das Pitztal zum engen V-Tal wird und der Gletscher auch im Sommer weiß funkelt, liegt der Hexenkessel: ein Gneis-Gebiet mit 85 Routen – kein Einsteigerspot, aber ein Funpark für alle, die sich ab dem siebten Grad wohlfühlen.
Kletterer an einer Gneiswand im Hexenkessel, dahinter das Pitztal und vergletscherte Gipfel
Kletterer an einer Gneiswand im Hexenkessel, dahinter das Pitztal und vergletscherte Gipfel

Die Tanzfläche aus Gneis ist eröffnet

Wo das Pitztal zu einem engen V-Tal zusammenrückt, wo die Wasserfälle tosend in die Tiefe stürzen und das Eis des Pitztaler Gletschers auch im Sommer weiß funkelt – dort liegt das Klettergebiet Hexenkessel.

Der Hexenkessel bei Plangeroß im Pitztal ist kein Einsteigergebiet und auch nicht der ideale Ort für den ersten Schritt von der Halle an den Fels. Dafür ist er ein echter Funpark für geübte Kletterer, die sich vor allem ab dem siebten Grad wohlfühlen.

Zum Aufwärmen und Eingewöhnen an den Gneis lockt etwa „Wild Men Weekend“ im Sektor Platysma. Wer gleich kräftig loslegen will, findet in der Drei-Sterne-Tour „Ezechiel“ (6c) steile Riss- und Verschneidungskletterei. BÄM.

Text: Susa Schreiner

Autorin Susa Schreiner am Fels im Hexenkessel

Zustieg: eine halbe Stunde Richtung Rüsselsheimer Hütte

Ausgangspunkt ist der Parkplatz für die Kaunergrathütte und die Rüsselsheimer Hütte bei Plangeroß, fast am Talende. Von dort folgt man dem Hüttenzustieg zur Rüsselsheimer Hütte, die hoch oben wie ein Adlerhorst thront. Nach knapp 30 Minuten verlässt man den Hüttenweg: Ein Steinmann noch, im Spätsommer ein paar Himbeeren am Wegrand – und schon baut sich der Hexenkessel auf.

Der Platz ist friedlich, nur das Rauschen des Wassers ist zu hören. Der Blick reicht zum Pitztaler Gletscher, Richtung Kaunergrathütte und zur Watzespitze.

Tipp: Der Zustieg ist kurz und unkompliziert – also ruhig mehr Proviant einpacken. Das Panorama-Picknick nach dem Klettern ist das Zusatzgewicht wert.

Wanderweg zwischen Felsblöcken im Pitztal

Sektoren, Fels und beste Zeit

Das Gebiet teilt sich in einen „unteren“ und einen „oberen Stock“. Vor allem der untere Stock verspricht mit vielen herausragenden Linien und einer Wiese am Wandfuß einen ausgefüllten Klettertag. Die Sektoren heißen unter anderem Platysma, Hauptsektor, Pitzexpress, Genusswand und Panoramawand.

Risse, Verschneidungen, Platten, Leisten, Aufleger: Die Kletterei im Gneis ist vielseitig – und oft schwer. Mehr als die Hälfte der Routen liegt im siebten und achten französischen Grad.

Die Wände sind nach Südwesten ausgerichtet. An heißen Sommertagen kann es deshalb auch auf 2.000 Metern ganz schön warm werden. Ideal sind spätes Frühjahr, Frühsommer und Herbst. Achtung: Im Frühjahr unbedingt die Lawinenlage prüfen.

Auf einen Blick

  • Routen: 85, 8 bis 35 Meter lang
  • Schwierigkeit: 5a bis 8c+ (davon 33 Routen im 7. und 25 im 8. Grad)
  • Fels: Gneis, senkrecht bis überhängend
  • Ausrichtung: Südwest, rund 2.000 Meter Seehöhe
  • Zustieg: etwa 30 Minuten
Tiefblick vom Klettergebiet Hexenkessel ins Pitztal

Mehr Fels im Pitztal

Neben dem anspruchsvollen Hexenkessel bietet das rund 40 Kilometer lange Pitztal Fels für Einsteiger, Familien, Boulderer und Fans hochalpiner Kulissen. Einen Überblick gibt Pitztal – Klettern auf 40 Kilometer Länge.

  • Kletterpark Jerzens-Hochzeiger: 10 Routen im dritten bis sechsten Grad im äußeren Pitztal – ideal für erste Kletterversuche mit Kindern.
  • Richi’s Wall, Stillebach: 14 Routen in Gneis, nur 5 Minuten Zustieg. Gut für erste Vorstiegsversuche.
  • Gletscherstube: 47 familienfreundliche Routen oberhalb von Mittelberg, 25 bis 45 Minuten Zustieg – mit größeren Kindern auch als Rad-Kletter-Tour.
  • Mandlers Boden: 55 Blöcke mit rund 180 Bouldern im Wald oberhalb von Ritzenried, mehr dazu in Bouldern im Märchenwald.
  • Kletterpark Kaunergrathütte: 24 Routen auf 2.817 Metern, meist im dritten und vierten Grad, aber bis zu 70 Meter lang. Der Hüttenzustieg dauert zweieinhalb bis drei Stunden – als Zwei-Tages-Tour mit Übernachtung ein echtes Erlebnis. Helm nicht vergessen.

Für den Ruhetag

  • Tiefentalalm: Von Piösmes (St. Leonhard) geht es in ein bis eineinhalb Stunden über einen schattigen Forstweg zur Alm im Lärchen- und Zirbenwald. Enten, Ziegen, Hasen und Haflinger machen sie zum Ausflugsziel für Tierfreunde.
  • Café 3440: Wenn es im Tal zu heiß wird, geht es hinauf ans Pitztaler Gletscher – zum Kaffee mit Blick auf zahlreiche Dreitausender.
  • Wasserwelt Stillebach: Kneippanlage, kleiner Badeteich und Liegewiese, im Hintergrund rauscht der Klockefall.
Almhütte am Bach, umgeben von Wald und Bergen
Gletscher- und Gipfelpanorama am Pitztaler Gletscher im Gegenlicht

Anreise

  • Mit dem Auto: aus dem Norden über den Fernpass und Imst ins Pitztal oder über die Inntalautobahn A12 bis zur Ausfahrt Imst/Pitztal (Vignettenpflicht).
  • Mit Bahn und Bus: mit dem Zug bis Imst, von dort mit dem Linienbus ins Pitztal. Aktuelle Verbindungen gibt es bei der Tourismusinformation und unter pitztal.com.

Beste Zeit im Tal: je nach Schneelage vom späten Frühjahr bis zum ersten Schnee im Herbst. Im Frühjahr gilt für Klettersteige und höher gelegene Gebiete wie den Hexenkessel: Lawinenlage beachten.

Die Klettergebiete aus diesem Artikel

  • Klettergebiet Hexenkessel

    Schwierigkeit:Schwierigkeit: 5 - 8Ort:St. Leonhard im Pitztal / PitztalRouten:85 Routen
  • Richi’s Wall, Stillebach

    Schwierigkeit:Schwierigkeit: 3 - 6Ort:St. Leonhard im Pitztal / PitztalRouten:14 Routen
  • Mandlers Boden

    Schwierigkeit:Schwierigkeit: 2 - 7Ort:St. Leonhard im Pitztal / Pitztal
  • Kletterpark Kaunergrathütte

    Schwierigkeit:Schwierigkeit: 3 - 7Ort:St. Leonhard im Pitztal / PitztalRouten:24 Routen
  • Gletscherstube

    Schwierigkeit:Schwierigkeit: 3 - 7Ort:St. Leonhard im Pitztal / PitztalRouten:47 Routen

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