Den nächsten Grad klettern: 3 Tipps und wie du Routen richtig projektierst

Der nächste Schwierigkeitsgrad kommt nicht von allein – oft ist der Schlüssel eine andere Einstellung. Drei Tipps und eine Anleitung, wie du eine Route Stück für Stück zum Durchstieg bringst.
Kletterer in einer steilen Felsroute beim Projektieren
Kletterer in einer steilen Felsroute beim Projektieren

Klettern lebt vom Schwierigkeitsgrad

Klettern ist gesund, macht Spaß und ist ein Ausgleich zum Alltag. Den meisten reicht das aber nicht: Sie wollen besser werden – endlich den siebten Grad klettern oder vielleicht den ersten neunten.

Kaum eine Sportart gibt so direktes Feedback: Entweder du kommst oben an oder du hängst im Seil. Der nächste Grad kommt dabei nicht von selbst – du musst ihn probieren. Wie das gelingt, zeigen drei Tipps für die richtige Einstellung und eine Anleitung zum Projektieren von Routen.

Text: Matthias Bader und Ulrich Huber

3 Tipps für den nächsten Grad

1. Raus aus der Komfortzone
Schluss mit Routen, die du schon kennst, die du magst oder die du immer schaffst. Klettere Touren, die dir nicht liegen – und vor allem solche, die schwerer sind als alles bisher. Du wirst scheitern und ins Seil fallen, aber dein Körper wird sich anpassen und stärker werden. Und dein Kopf lernt, mit Rückschlägen umzugehen und dranzubleiben. Voraussetzung dafür: ein aufmerksamer Sicherungspartner und sturzfreundliches Gelände.

2. Trainiere deine Schwächen
Überleg dir, wo deine Schwächen liegen, und arbeite gezielt daran. Hast du eine gute Ausdauer und kletterst viele Touren hintereinander? Dann trainiere deine Maximalkraft – geh bouldern oder probier Routen, in denen du nur ein paar Züge schaffst. Schaffst du schwere Züge, aber auf halber Höhe verlassen dich die Kräfte? Dann trainiere die Ausdauer, zum Beispiel mit zwei Routen direkt hintereinander.

3. In der Pause wird der Körper stärker
Stärker wirst du nicht beim Klettern, sondern in der Erholung danach. Hör auf deinen Körper: Nach einem intensiven Klettertag braucht er eine Pause – wer das ignoriert, riskiert Verletzungen. Wie du dein Training strukturierst, liest du in Vier-Wochen-Last-Minute-Klettertraining.

Kletterer an einem Granitblock in Niederthai
Boulderer an einem Felsblock im Wald

Das richtige Projekt wählen

Eine Route zu projektieren heißt, eine Tour zu probieren, in der du anfangs mindestens drei, vier Mal rasten musst oder einzelne Stellen noch gar nicht kletterst. Die Kunst ist, die richtige Dosis zu finden – genug Herausforderung, ohne dass Frust aufkommt:

  • Liegt die Route zwei Grade über deinem Rotpunktniveau, ist sie meist zu schwer. Der Fortschritt ist dann sehr langsam.
  • Ist sie zu leicht, bleibt der Trainingseffekt gering.
  • Wähle ein Projekt in deiner Nähe, damit du oft hinkommst – und such dir Kletterpartner, die regelmäßig mitgehen.

Kleine Erfolge feiern
Beim Projektieren zählt jeder Lernschritt. Kannst du schon alle Züge klettern? Wo hängst du die Zwischensicherungen ein? Das ist oft schwieriger als die Kletterei selbst. Denk noch nicht an den Durchstieg, sondern freu dich über jeden Fortschritt: die ersten Meter ohne Rasten, die fünfte Exe, die heute zum ersten Mal sauber eingehängt war, der Griff in der Schlüsselstelle, den du zum ersten Mal halten konntest.

Kletterer an einem überhängenden Block in Niederthai

Rückschritte, Durchstieg – und das nächste Projekt

Rückschritte gehören dazu. Du fühlst dich knapp vor dem Durchstieg – und plötzlich hältst du die Griffe nicht mehr, rutschst immer an derselben Stelle ab oder fällst vor Nervosität an der leichtesten Stelle. Das ist normal. Zerleg die Route in kleine Abschnitte und bleib motiviert: Das Ziel ist der nächste Griff, nicht das Top.

Und eines Tages geht alles wie von selbst. Die Zweifel sind weg, du bist nur im Moment – und klippst schließlich den Umlenker. Genieß den Augenblick, denn auf die große Freude folgt oft eine kleine Leere: Das Projekt ist vorbei. Zugleich ist es der Anfang des nächsten. Wirklich oben bist du nie – aber die Erfahrungen auf dem Weg kann dir keiner nehmen, und die zählen am Ende mehr als der Grad. Mehr zur mentalen Seite: Have fun! 5 Tipps für die Motivation beim Klettern.

Kletterer im Überhang eines Granitblocks in Niederthai

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