Eine schlechte Haltung, schmerzende Ellbogen oder kribbelnde Finger – viele Kletterer kennen diese Warnsignale. Oft steckt dahinter kein akutes Verletzungsereignis, sondern ein schleichendes Problem: muskuläre Dysbalancen durch einseitiges Training.
Klettern stärkt vor allem Zugmuskulatur, Fingerbeuger und Körperspannung. Was dabei häufig zu kurz kommt, sind die Gegenspieler – also jene Muskeln, die Stabilität, Gelenkgesundheit und langfristige Belastbarkeit sichern.
Genau hier setzt Ausgleichstraining an: Es ist kein „Extra“, sondern ein zentraler Bestandteil eines nachhaltigen Klettertrainings.
Idealerweise wird die Gegenspieler-Muskulatur mindestens einmal pro Woche trainiert. Bei ersten Beschwerden oder klar erkennbaren Defiziten sind zwei bis drei Einheiten pro Woche sinnvoll.
Die Übungen lassen sich flexibel integrieren:
Wichtig ist vor allem Kontinuität – nicht maximale Intensität.
Muskuläre Dysbalancen entstehen immer dann, wenn einzelne Muskelgruppen dauerhaft stärker belastet werden als ihre Gegenspieler. Zusätzlich verstärken monotone Alltagsbewegungen (z. B. Bildschirmarbeit) diese Effekte.
Die Folge:
Dehnen allein reicht dabei nicht aus. Entscheidend ist die aktive Kräftigung der Antagonisten.
Ein einfaches, aber effektives Training der Fingerstrecker.
Ausführung:
Nimm ein Theraband oder ein anderes stramm gespanntes Gummiband und drücke es mit deinen Fingern nach außen.
Kräftigt gezielt die Streckmuskulatur der Finger.
Ausführung: Halte deinen Arm seitlich an deinem Körper und winkle ihn im Ellbogen um 90 Grad ab. Jetzt solltest du das Gewicht stabilisieren. Senke dann das Handgelenk langsam ab und überstrecke es wieder gerade nach oben.
Wenn es zu schwierig ist, gerade zu bleiben, stütze deinen Unterarm auf einem Tisch oder sitzend auf deinem Oberschenkel ab. Achte darauf, dass das Gewicht nicht zu schwer ist.
Achtung: Genau genommen ist die Bewegung nach unten keine Ausgleichsübung, sondern eine zusätzliche Kräftigung des Antagonisten. Die reine Ausgleichsübung beginnt in der neutralen Handgelenksstellung (Handgelenk gerade nach vorne) und die Bewegungsrichtung führt nur nach oben. Rückführung, bis sich das Handgelenk wieder in einer neutralen Position befindet.
Richtwert: 10–15 Wiederholungen, 3 Serien
Fördert Stabilität und kontrollierte Rotationskraft im Unterarm.
Ausführung: Halte deinen Arm seitlich deines Körpers und winkle ihn im Ellbogen um 90 Grad ab. Rotiere das Gewicht nun langsam nach rechts und dann über die Mitte nach links.
Wenn es zu schwierig ist, gerade zu bleiben, stütze deinen Unterarm auf einem Tisch oder sitzend auf deinem Oberschenkel ab. Achte darauf, dass das Gewicht nicht zu schwer ist.
Richtwert: 10–15 Wiederholungen, 3 Serien
Der Klassiker für Brust, Schultern und Rumpfstabilität.
Ausführung: Saubere Körperlinie halten, kontrolliert absenken und drücken. Variationen je nach Leistungsniveau möglich. Mit dem Liegestütz trainierst du alle großen kletterspezifischen Antagonisten (Brust-, Arm- und Schultermuskulatur sowie ganzheitliche Körperspannung). Hier gibt es unendlich viele Variationen für die Durchführung, die an die unterschiedlichen Kraftniveaus hervorragend angepasst werden können.
Stärkt obere Rückenmuskulatur, viele wichtige Antagonisten, v.a. den Trapezmuskel und die Rautenmuskulaturund und verbessert Haltung. Beugt dem Kletterrundrücken vor
Ausführung: Starte mit dem gestreckten Arm und führe diesen nun nach hinten oben. Die Schulter sollte dabei stabil in der Ausgangsposition bleiben. Abgestützt am Stuhl ist es einfacher, stabil zu bleiben.
Richtwert: 10–12 Wiederholungen, 3 Serien
Intensiviert die Rumpf- und Rückenmuskulatur durch Instabilität.
Ausführung: Die Ausgangslage ist mit gestreckten Armen am Boden. Baue Körperspannung auf und hebe den Rücken/die Beine vom Boden ab, ziehe dich nun mit beiden Armen nach oben. Führe dabei die Ellbogen nahe am Körper. In der Endposition kurz halten, danach lässt du dich langsam in die Ausgangsposition zurückgleiten.
Richtwert: 10–15 Wiederholungen, 3 Serien
Trainiert Schulterstabilität und Rotatorenkontrolle.
Ihre Arbeitsrichtung ist genau entgegen der Kletterbelastung, wodurch ein ausgewogenes Verhältnis der Schulter und Rückenmuskulatur entsteht.
Ausführung Seitheben: Stehe aufrecht und mit Spannung, führe nun den gestreckten Arm leicht elliptisch nach oben hinten mindestens auf Höhe des Kopfes. Je weiter du deinen Arm nach hinten führen kannst, ohne dabei die Position der Schulter zu verändern, desto stärker ist die Kräftigung. Achte aber darauf, dass du nicht mit deinem Körper mitrotierst.
Richtwert: 10–15 Wiederholungen, 3 Serien
Ausführung Frontheben: Stehe aufrecht und mit Spannung, das Theraband mit nach unten gestreckten Armen haltend. Die Bewegung geht vor dem Körper nach oben, wobei sich die Fäuste Richtung Kinn bewegen, die Ellbogen geben die Richtung vor.
Richtwert: 10–15 Wiederholungen, 3 Serien
Essentiell für Schultergesundheit beim Klettern.
Ausführung: Halte das Theraband relativ stramm gerade vor deinem Körper und rotiere nun nach außen und wieder zurück. Dein Ellbogen bleibt während der gesamten Rotation eng an deinem Körper angelegt.
Richtwert: 10–15 Wiederholungen, 3 Serien
Ganzkörperübung für Schultern, Gleichgewicht und Koordination. Trainiert vorwiegend die Antagonisten von Schultern und Armstrecker.
Ausführung: Setze die Hände etwa 30 cm auseinander auf den Boden auf, drücke dich nun fest vom Boden ab, sodass deine Füße gegen die Wand fallen, spanne den Bauch an und zieh dein Becken nach innen oben – dadurch vermeidest du ein Hohlkreuz. Drücke dich mit ganzer Kraft aus den Schultern heraus nach oben. Die Blickrichtung geht zum Boden.
Halten: 20–30 Sekunden, 3 Serien
Kräftigt Schultergürtel und Rumpf.
Ausführung: Stütze dich auf zwei Stühle/ Ringe. Drück dich nun fest aus den Schultern nach oben und halte die Spannung für etwa 60 Sekunden, wobei die Kraft der Schulter- und Schulterblattstabilisatoren gefragt ist. Alternativ kann diese Übung auf Ringen ausgeführt werden, da hier durch die Instabilität zusätzlich Körperspannung und Rücken mittrainiert werden.
Halten: ca. 60 Sekunden, 3 Serien
Gezielte Aktivierung der Schulterblattmuskulatur.
Ausführung: Geh in die Plankposition und achte dabei auf deine Körperspannung, die du während der ganzen Übung aufrechterhältst. Nun ziehst du deine Schulterblätter nach innen unten – hältst kurz – und drückst dich wieder hinaus.
Richtwert: 15 Wiederholungen oder 60 Sekunden
Wichtige Basisübung für aktive Schulterkontrolle am Hangboard.
Ausführung: Gleich wie oben, nur diesmal hängend an gestreckten Armen. Die Schulterblätter ziehen nach innen unten – halte die Position kurz – und lass dich langsam wieder rausgleiten.
Richtwert: 10–15 Wiederholungen, 3 Serien
Stärkt unteren Rücken und hintere Muskelkette.
Ausführung: Lege dich flach auf den Bauch, hebe nun Arme und Beine und baue im ganzen Körper Spannung auf. Die Übungsintensität verstärkt sich, wenn du die Arme ausstreckst bzw. alternativ ein Gewicht in die Hände nimmst.
Abwechselndes Wippen mit den Beinen hat auch einen verstärkenden Effekt.
Halten: 40–60 Sekunden, 3 Serien
Stabilisiert untere Rückenmuskulatur und Core.
Ausführung: Lege dich auf den Rücken und winkle die Beine an. Hebe nun das Becken nach oben und achte auf deine Spannung. Alternativ streckst du zusätzlich ein Bein nach oben oder stehst mit deinen Füßen auf einem Wackelbrett.
Halten: 40–60 Sekunden, 3 Serien
Ausgleichstraining ist kein Zusatzprogramm, sondern die Grundlage für langfristige Leistungsfähigkeit im Klettern. Wer regelmäßig seine Gegenspieler stärkt, reduziert Verletzungsrisiken deutlich und verbessert gleichzeitig Stabilität, Kontrolle und Körpergefühl an der Wand.
Kurz gesagt:
Stärker klettern beginnt mit besserem Ausgleich.
Tipps & Sicherheit
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