Markante Zacken, Nadeln und Zinnen, aufgereiht wie eine halbe Krone: Seit gut 200 Jahren zieht das Kaisergebirge Kletterer an wie kaum ein anderes Gebirge Europas.
Pioniere wie Hans Dülfer und Mathias „Hias“ Rebitsch haben hier Klettergeschichte geschrieben – etwa mit der Fleischbank-Ostwand oder dem Rebitschriss am Fleischbankpfeiler. Diese Geschichte erzählen wir ausführlich in Wilder Kaiser – Tradition verpflichtet.
Hier geht es um das, was danach kam: Sportklettergärten der Extraklasse, Plaisirrouten durch die großen Wände und Felsen, an denen schon Kinder ihre ersten Vorstiege wagen.
Text: Susa Schreiner
In den 1990er-Jahren läutete Stefan Glowacz im Kaiser die Ära der Plaisirrouten ein. Mit „Des Kaisers neue Kleider“ (8b+) am Fleischbankpfeiler setzte er ein Ausrufezeichen. Bis heute finden ortskundige „Koasakraxler“ neue Linien.
Parallel entwickelte sich der Klettergarten Schleierwasserfall bei Going zu einem Sportklettergebiet von Weltrang. Am Fuß der Maukspitze fällt ein Gebirgsbach in der Mitte eines gut 60 Meter hohen Felsdoms als Schleier in die Tiefe. Die Wand liegt nach Süden, die großen Überhänge machen den „Schleier“ fast das ganze Jahr kletterbar.
Genusskletterer finden im Wilden Kaiser eine riesige Auswahl an moderaten Plaisirrouten und alpinen Sportkletterrouten – durch die legendären Wände von Totenkirchl, Fleischbank, Predigtstuhl und vielen weiteren Zapfen, Nadeln und Pfeilern. Climbers Paradise stellt exemplarisch sechs Mehrseillängengebiete vor, zum Beispiel die Multerkarwand. Die alpinen Klassiker und viele weitere Routen stehen im Kletterführer „Alpin Wilder Kaiser“ (Panico Alpinverlag).
Die Energiespeicher füllen Kletterer im „Hütten-Bermudadreieck“ auf der Südseite des Kaisers wieder auf:
Marcus Sappl ist begeisterter Kaiser-Kletterer. 2018 war er Tourismusmanager in Scheffau und hat uns drei Fragen beantwortet.
Was macht das Klettern im Wilden Kaiser einzigartig?
Die Lage: gut mit Auto, Bahn oder wie früher mit dem Fahrrad erreichbar. Je nach Wetter kannst du Nord- oder Südwände wählen. Es gibt für jeden Geschmack etwas, vom Dreier oder Vierer bis zum zehnten Grad – und Absicherung von Plaisir bis fast ganz ohne Haken.
Warum sollte jeder Kletterer einmal im Wilden Kaiser geklettert sein?
Der harte, strukturierte Wettersteinkalk gibt dir ein unglaubliches Erlebnis zurück, wenn du dich auf seine Besonderheiten einlässt. 1977 wurden hier mit den Pumprissen die erste Tour im siebten Grad erstbegangen und damit die UIAA-Skala nach oben geöffnet. Darum sollte jeder Alpinkletterer einen Klassiker oder eine Plaisirtour aus dem Kaiser im Tourenbuch haben.
Wie sieht dein perfekter Kaiser-Klettertag aus?
Mit einem guten Freund an nahezu perfektem Fels und bei nervenschonender Absicherung unterwegs sein. Danach auf einer Hütte das Tourenabschlussbier genießen und mit Gleichgesinnten über die gerade gekletterten Meter philosophieren.
„Die Besten jeder Epoche des Kletterns haben ihre Spuren im Koasa hinterlassen.“
Aktuelle Infos zu Unterkünften, Bussen und Bergbahnen gibt es unter wilderkaiser.info.
Tipps & Sicherheit
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