Wenn die Temperaturen steigen, klettern wir automatisch mit in höhere Regionen. Dorthin, wo die Luft frisch ist und die Gipfel steil emporragen.
Klettersteige am Wilden Kaiser ebnen einen Weg mitten durch prachtvolle Wände, der sonst nur Kletternden vergönnt ist: Eisenleitern hoch, über Klammern und Stifte, über wackelige Drahtseilbrücken – und dazu eine Landschaft, die man so nur von hier oben sieht. Für die einen sind es schlicht Eisenwege, für uns Stairways to Heaven. Drei davon stellen wir vor, sortiert nach Anspruch.
Text: Susa Schreiner
Oberhalb der Gaudeamushütte liegt ein perfekt abgesicherter Übungsklettersteig – ideal für alle, die sich an das Gehen mit viel Luft unter den Sohlen gewöhnen wollen. Hier lässt sich in aller Ruhe trainieren, worauf es später am langen Steig ankommt:
Mit rund 50 Metern ist der Steig kurz – und genau deshalb gutes Terrain für die ersten Versuche: Man kann ihn so oft wiederholen, wie man mag, oder im Anschluss eine Wanderung dranhängen. Er liegt praktischerweise direkt neben einem Wanderweg. Wer gar nicht weiß, wie es richtig geht, nimmt sich am besten eine:n Bergführer:in und lernt die Technik von der Pike auf.
Ausgangspunkt ist die Wochenbrunner Alm. Und nach der Übungseinheit liegt die Gaudeamushütte nur 20 Gehminuten entfernt – man riecht den Kaiserschmarren praktisch schon auf dem Weg dorthin.
Eine Dreiviertel-Tagestour mit Abenteuercharakter – für alle, die schon Klettersteigerfahrung mitbringen und Lust auf eine Mutprobe haben. Startplatz ist wie beim Übungssteig die Wochenbrunner Alm. Von dort geht es gemütlich Richtung Gaudeamushütte, die man aber rechts liegen lässt: Der Weg führt über den „Murmeltierfelsen“ zum Einstieg.
Wer mit klettersteigerfahrenen Kindern unterwegs ist, macht am Murmeltierfelsen eine Pause – mit etwas Glück lassen sich dort Kletternde beobachten, und die Holzbänke laden ohnehin zur Brotzeit ein. Danach wird das Gelände rauer und verblockter, bis der Einstieg erreicht ist. Spätestens hier gilt: Helm auf, Klettergurt an.
Der Klamml hat es nicht so mit der Zurückhaltung und haut gleich einen raus – beherzt antreten, hochschieben, mit den Händen gut zupacken. Dann folgt die Schlüsselstelle: eine Drahtseilbrücke über eine Felsschlucht, wackelig und deshalb nur einzeln begehbar. Klettersteighandschuhe sind hier hilfreich, damit feuchte Hände nicht vom Seil rutschen. Auf der anderen Seite geht es über Eisenklammern und Leitern senkrecht die Wand empor – nichts für schwache Nerven. Wer daran Spaß hat, wird im zweiten Abschnitt endgültig glücklich.
Der letzte Abschnitt zurück zur Wochenbrunner Alm führt durch dichten Wald, in dessen Lichtungen zahllose Steinmännchen stehen. Falls der Winter sie umgeworfen hat: Steine sammeln und neu auftürmen.
1.400 Höhenmeter Klettersteig sind eine Ansage – genussvoll nur dann, wenn eine Gehzeit von zehn bis elf Stunden zum normalen Repertoire zählt. Und weil die reine Stundenzahl noch nicht reicht, sind auf der kräftezehrenden Tour auch einzelne ausgesetzte Passagen ohne Sicherung zu bewältigen. Der Kaiserschützensteig ist damit etwas für erfahrene Bergsteiger:innen mit hochalpinem Wissen, die bei viel Luft unter den Sohlen die Nerven behalten.
Gebaut wurde der Steig 1987 – zum Gedenken an die Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs.
Ausgangspunkt ist das Hans-Berger-Haus im Kaisertal. Dort lohnt eine Übernachtung: die Hüttenbibliothek, ein Plausch mit der Hüttenwirtin – auch „Wilde Kaiserin“ genannt – und die tibetischen Gebetsfahnen im Wind. Für den Klettersteigtag selbst empfiehlt sich, Lagerbetten auf der Gruttenhütte zu reservieren. Dann müssen die müden Beine nicht mehr bis zur Wochenbrunner Alm oder ganz ins Tal, man erlebt einen Sonnenuntergang auf der Hüttenterrasse und geht den letzten Abschnitt am nächsten Tag mit frischen Kräften an.
Bitte nur bei stabilem Wetter gehen – und nur, wenn die Wege sicher eis- und schneefrei sind. Den aktuellen Zustand kurz beim Tourismusverband oder auf der Hütte gegenchecken.
Tipps & Sicherheit
Du willst mehr zu Sicherheit beim Klettern wissen? Hier gehts zu unseren Sicherheitstipps.