Made in Tirol: So entsteht ein Karabiner bei AustriAlpin

Vom Alu-Stab zum fertigen Karabiner: Wir haben AustriAlpin in Fulpmes im Stubaital über die Schulter geschaut – dort, wo Karabiner geschmiedet, gehärtet und von Hand montiert werden.
Zwei Hände halten vor Berglandschaft einen Aluminiumstab und einen fertigen violetten Karabiner
Zwei Hände halten vor Berglandschaft einen Aluminiumstab und einen fertigen violetten Karabiner

Hardware mit Herkunft

Er hängt am Gurt, in jeder Exe, an jedem Stand – und wir vertrauen ihm, ohne groß nachzudenken. Aber wie wird eigentlich aus einem Stück Aluminium ein Karabiner, der einen Sturz hält?

Wir wollten es genau wissen und waren bei AustriAlpin in Fulpmes. Das Stubaital hat eine lange Tradition im Metallhandwerk: Die erste Schmiede in Fulpmes ist laut AustriAlpin schon im 14. Jahrhundert belegt. Das Unternehmen selbst entstand 1996 aus dem Zusammenschluss mehrerer Handwerksbetriebe.

Produziert wird bis heute vor Ort: Rund 98 Prozent der Produkte entstehen laut AustriAlpin in den eigenen Werken in Fulpmes – von der Entwicklung bis zum Versand. Beim Karabiner heißt das: Bis auf das Einfärben passiert die gesamte Fertigung im Stubaital. Made in Tirol eben. Wie das Schritt für Schritt abläuft, zeigen wir euch hier.

Text: Thomas Lackner, Fotos: Simon Schöpf

Aluminiumstab, mehrere Zwischenstufen der Fertigung und ein fertiger violetter Karabiner nebeneinander auf einer Holzplatte

Die Fertigung auf einen Blick

Acht Stationen, bis ein Karabiner in eure Exe darf:

  1. Rohmaterial prüfen – Alu-Stangen aus Europa, getestet auf Qualität und Härte
  2. Zuschneiden und vorbiegen – aus drei Metern Stange werden rund 20 Zentimeter lange Stäbe
  3. Gesenkschmieden – der Karabiner bekommt Form, Profil und Markierungen
  4. Wärmebehandlung – aus weichem Alu wird hartes, zähes Material
  5. Endbearbeitung – Material entfernen, bohren, entgraten, polieren
  6. Eloxieren – die Farbe kommt drauf, als einziger Schritt außer Haus
  7. Kleinteile – Schnapper, Schraubhülsen und Gelenkbolzen, ebenfalls aus eigener Fertigung
  8. Montage von Hand – alles wird zusammengesetzt

Dazwischen: Stichproben, Stichproben, Stichproben. Mehr dazu weiter unten.

Schritt 1 und 2: Rohmaterial und Zuschnitt

Am Anfang der Prozesskette steht das Rohmaterial. AustriAlpin bezieht sein Aluminium ausschließlich von europäischen Lieferanten.

  • Die Alu-Stangen sind drei Meter lang – aus ihnen entsteht später der Grundkörper des Karabiners.
  • Zuerst werden sie auf Qualität und Härte kontrolliert. Nur so ist sichergestellt, dass das fertige Produkt die Anforderungen zu 100 Prozent erfüllt.
  • Dann geht’s los: Die Stangen werden in rund 20 Zentimeter lange Stäbe geschnitten und in mehreren Schritten grob in Form gebogen.
Person in AustriAlpin-Jacke hält einen kurzen Aluminiumstab in der Hand

Schritt 3: Gesenkschmieden – hier bekommt der Karabiner sein Gesicht

Steht die grobe Form, wird der Rohling geprägt, im Fachjargon: gesenkgeschmiedet. Dabei wird der ursprünglich runde Stab in genau die Form gebracht, die der Karabiner am Ende haben soll. Drei Dinge passieren in diesem Schritt:

  • Gewicht sparen: Das geformte Profil erhöht die Festigkeit des fertigen Karabiners und macht ihn leichter
  • Optik: Der Karabiner bekommt sein typisches Aussehen.
  • Markierungen: Vorgeschriebene Angaben wie die Mindestbruchlast werden gleich mit eingeprägt.
Gebogener Karabiner-Rohling in einem Umformwerkzeug einer Maschine
Metallbehälter voller geschmiedeter Karabiner-Rohlinge mit Schmiedegrat

Schritt 4: Wärmebehandlung – vom weichen zum hochfesten Alu

Ist die Umformung abgeschlossen, geht’s ab in die Wärmebehandlung. In mehreren Schritten wird dabei das Kristallgitter des Aluminiums verändert: Das vorher weiche, leicht formbare Material wird deutlich härter und zäher. Genau daher kommt die hohe Bruchfestigkeit, auf die ihr euch am Fels verlasst.

Null Toleranz: Auch dieser Schritt wird genau überwacht und mit Stichproben kontrolliert. Fällt auch nur eine Stichprobe negativ aus, wird die ganze Charge verworfen.

Gestell mit gestapelten Karabiner-Rohlingen über einem runden Becken in der Werkhalle

Schritt 5: Endbearbeitung – der Feinschliff

Bestehen die Rohlinge die Tests, kommen sie zur Endbearbeitung:

  • Überschüssiges Material wird entfernt.
  • Die Löcher für den Verschluss werden gebohrt.
  • Das Teil wird entgratet und poliert.
Silberne Karabiner-Rohlinge zwischen roten kegelförmigen Schleifkörpern

Schritt 6: Eloxieren – der einzige Ausflug außer Haus

Nach all diesen Schritten verlässt der Karabiner zum ersten Mal das Werk: Eloxiert wird bei einem österreichischen Lieferanten. Dort bekommen die bis dahin grauen Alu-Teile ihre endgültige Farbe. Zurück in Fulpmes sind sie bereit für die Montage.

Karton voller eloxierter Karabiner in Violett, Grün, Schwarz und Grau

Schritt 7: Schnapper, Hülsen, Bolzen – auch aus eigener Fertigung

Parallel zu den Bügeln entstehen die Kleinteile, und zwar ebenfalls im Haus:

  • Schnapper
  • Schraubhülsen
  • Gelenkbolzen

Sie werden meist direkt von der Stange bearbeitet und fallen schon so gut wie fertig aus der Maschine.

Violetter Karabinerbügel mit Schnapper und kleinen Einzelteilen auf einem AustriAlpin-Karton

Schritt 8: Montage – Handarbeit im Stubaital

Bleibt der letzte Schritt: Bügel, Schnapper und Bolzen werden zusammengesetzt. Auch das passiert bei AustriAlpin im Stubaital, und zwar von Hand.

Und wer hätte es gedacht: Auch hier werden wieder Stichproben entnommen und getestet.

Person mit Arbeitshandschuhen montiert an einer Werkbank einen grünen Karabiner

Qualität: geprüft auf jeder Stufe

Zählt man die Kontrollen zusammen, ergibt sich ein ziemlich engmaschiges Netz:

  • Wareneingang: Das Rohmaterial wird auf Qualität und Härte geprüft.
  • Wärmebehandlung: Stichproben aus jeder Charge – ist nur eine negativ, fliegt die ganze Charge raus.
  • Montage: Auch fertige Karabiner werden stichprobenartig getestet.

Laut AustriAlpin werden die Produkte im Haus und unter realen Bedingungen getestet, bevor sie zusätzlich von unabhängigen Prüflaboren geprüft werden.

Hand zeigt auf einen Monitor mit einem Messdiagramm
Lachender Mitarbeiter von AustriAlpin zwischen Regalen in der Werkhalle

Vom Stubaital an euren Gurt

Wenn ihr das nächste Mal eine Exe einhängt: Hinter dem kleinen Stück Alu stecken acht Stationen, mehrere Prüfschritte und eine Menge Handarbeit aus dem Stubaital. Mehr über Karabiner und das restliche Sortiment findet ihr direkt bei AustriAlpin.

AustriAlpin ist Wirtschaftspartner von Climbers Paradise.

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