Jeder abenteuerhungrige Mensch hat eine Liste mit Zielen, die er unbedingt noch machen will. Das Dilemma: Je mehr man erlebt, desto länger wird sie – kürzer wird sie nie.
Bei den Möglichkeiten in den Loferer und Leoganger Steinbergen ist eine engere Auswahl nicht ganz einfach. Adi Stocker kennt fast alle der mittlerweile rund 1.100 eröffneten Kletterrouten an der Steinplatte und in den Loferer Steinbergen – er weiß, was man gemacht haben sollte. Und auch Namen wie die Huberbuam, Chris Sharma oder Markus Bendler sieht man hier regelmäßig in den Wänden. Wir haben die Empfehlungen gesammelt und nach Können sortiert.
Der Einstieg in die Region ist Pflichtprogramm: das „Schuasta Gangl“ auf der Steinplatte bei Waidring. Der Klettersteig in C/D ist 150 Meter lang und führt von unterhalb der Bergstation direkt zum Steinplattengipfel, mit weitem Blick über das Pillerseetal. Wer die Bergbahn auslassen will, nimmt die Mautstraße ins Wander- und Klettergebiet und geht rund eineinhalb Stunden über Stallenalm und Grünwaldalm zum Einstieg.
In den Loferer Steinbergen sticht für Genießer eine Mehrseillängentour heraus: „Oh Taxbam“ an der Südseite des 2.300 Meter hohen Traunspitzl. Der Zustieg führt von der Jausenstation Grieseltal in St. Ulrich am Pillersee über Forststraße und einen unmarkierten Steig zum Hirschbadsattel – erreichbar auch von der Schmidt-Zabierow-Hütte über das Rotschartl. Vom Sattel geht es ostseitig 20 Minuten über einen Grashang zum Einstieg. Sechs Seillängen später steht man am exponierten Gipfel des Giftzahns.
Einer der besten Klettersteige der Region ist der „Leoganger Süd“: eine konstant sehr steile Wand auf den Gipfel der Westlichen Mitterspitze (2.160 m), Schwierigkeit C bis D, satte 360 Meter lang. Von der Passauer Hütte sind es nur 15 Minuten bis zum Einstieg – bis zur Hütte selbst braucht es je nach Ausgangspunkt Leogang, Saalfelden oder Weißbach mindestens drei Stunden. Der Abstieg erfolgt über den etwas leichteren, aber immer noch anspruchsvollen „Leoganger Nord“ mit senkrechten Wandstufen. Wer noch eine Zugabe braucht, wählt dort im oberen Drittel die schwierigere Variante über das Teufelsjoch.
Die bekannteste und am häufigsten begangene Route der Loferer Steinberge ist die „EndeNie“ – eine der längsten alpinen Sportkletterrouten der Ostalpen. Ausgangspunkt ist das Strubtal zwischen Waidring und Lofer beziehungsweise die Schmidt-Zabierow-Hütte. Die Route zieht durch die NNO-Wand des 2.413 Meter hohen Breithorns und fordert 38 Seillängen auf 1.500 Metern. Den 6. Grad sollte man dafür sicher beherrschen.
Die Steinberge sind auch bei Profis beliebt. Die ultimative Herausforderung findet sich vor allem an den bis zu 150 Meter hohen Wänden der Steinplatte: Rund 100 Mehrseillängenrouten vom 4. bis zum 10. Grad stehen dort zur Auswahl. Ein Paradebeispiel ist die „Ironmouse“ mit sieben Seillängen bis 6c im Zentralbereich des insgesamt sieben Kilometer langen Felsbands. Erreichbar über den Steig von der Bergstation Steinplatte oder über Mautstraße, Stallenalm und Grünwaldalm.
In den Loferer Steinbergen ist es die „Gelee Royale“ an den Südwestpfeilern des Großen Ochsenhorns, die viel abverlangt: 18 Seillängen bis 7a/7b, für die es nicht nur Technik, sondern auch Ausdauer braucht. Idealer Ausgangspunkt ist wieder die Schmidt-Zabierow-Hütte, von der aus der Einstieg in rund einer Stunde erreicht ist.
Für alle sechs Touren gilt: Verhältnisse und Zustiege vorab beim Tourismusverband oder auf der Hütte gegenchecken – gerade im Hochgebirge ändert sich das schnell.
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