Basics für alle Fels-Neulinge, die von der Kletterhalle auf den Fels wechseln wollen – von SAAC-Bergführer & Tiroler Sportkletterlehrer Gerhard Mössmer.
Gerhard Mössmer ist Bergführer aus Leidenschaft und liebt es, mit Menschen unterwegs zu sein und unvergessliche Momente zu teilen. Wenn er die Wahl hat, ist er am liebsten am Fels. Im Interview mit dem SAAC erklärt er die Unterschiede zur Halle und gibt Tipps zum Klettern am Fels.
Ganz einfach: Das Naturerlebnis spielt sicher die wichtigste Rolle! Warum Routen in einer staubigen Halle abspulen, wenn man sich draußen an natürlichen Strukturen bewegen kann? Natürlich geht es auch um das Gesamterlebnis eines Klettertages mit Auf- und Abstieg, dem Entdecken neuer Gebiete und der Verbundenheit mit der Natur. Die natürlichen Strukturen des Felsens bieten – mit den verschiedenen Gesteinsarten (Kalk, Gneis, Granit, Sandstein etc.) – eine unendliche Vielfalt.
Ein Klettergarten ist eine Felswand, die in regelmäßigen Abständen mit Sicherungspunkten (Bohrhaken) und oben mit Umlenkpunkten versehen ist. Man kommt also immer wieder auf den Boden zurück. Diese Routen werden als Einseillängen oder Baseclimb bezeichnet. In einem Klettergarten findet man verschiedene Routen, die beschrieben und bewertet sind und so eine Orientierung bei der Routenwahl bieten. Klettergärten werden vom Betreiber eingerichtet und unterhalten, um die Sicherheitsstandards zu gewährleisten. Dennoch muss – im Gegensatz zur Kletterhalle – mit alpinen Gefahren wie Steinschlag (evtl. auch im Zustieg) gerechnet werden.
Tipp: Auf Climbers Paradise findest du über 130 top gewartete Klettergärten mit kostenlosen Topos in ganz Tirol!
Für Klettergärten wird ein sogenanntes Topo benötigt, in dem die Routen nach Schwierigkeit und Länge beschrieben sind. So findet man immer die passende Route. Das Aussteigen aus einer Route ist im Klettergarten schwieriger als in der Halle, da es nicht so viele Griffe aus anderen Routen gibt, die man benutzen kann. Die Klettertechnik selbst ist ähnlich wie in der Halle. Allerdings ist der Fels schwieriger zu „lesen“: Die Lösungen sind nicht immer offensichtlich, da es keine farbliche Orientierung wie in der Halle gibt. Das Durchklettern einer Route auf Anhieb (Onsight-Klettern) ist im Freien deutlich schwieriger. Mit der Zeit bekommt man aber ein Gefühl für den Fels und findet die Lösungen schneller.
Typische Gefahren sind Steinschlag von oben (Helm!) oder Felsausbrüche in der Route. Außerdem sollte man immer das Wetter im Auge behalten und vor allem bei drohendem Gewitter rechtzeitig den Rückzug antreten. Beim Auf- und Abstieg ist auf steiles Gelände zu achten – unter Umständen auch an den Einstiegen der Routen. Sei immer aufmerksam, vor allem, wenn du beim Sichern nach oben schaust. Achte bei der Planung im Voraus auf die Länge der Routen, damit du ein passendes Seil dabeihast – Kletterrouten am Fels sind oft länger als in der Halle.
Zusätzlich zur Kletterausrüstung, die wir von der Halle kennen (Klettergurt, Seil, Sicherungsgerät), braucht man genügend Expressschlingen und ein ausreichend langes Seil. Das kann je nach Klettergarten variieren – eventuell sind 70 bis 80 Meter nötig. Ein Steinschlaghelm gehört ebenso zur Ausrüstung wie ein Schraubkarabiner zum etwaigen Umbauen am Umlenker. Durch gute Planung vorab vermeidet man böse Überraschungen im Klettergarten (Seil zu kurz, zu wenig Exen etc.).
Tipps & Sicherheit
Du willst mehr zu Sicherheit beim Klettern wissen? Hier gehts zu unseren Sicherheitstipps.