Markus Bendler, geboren 1984, ist aufgewachsen und immer noch wohnhaft in Schwendt im Tiroler Unterland – mit täglichem Blick auf die Nordseite des Wilden Kaisers.
Interview: Stephan Mitter, Text: Christina Schwann
Dass er vor rund 25 Jahren zum Klettern kam, war keine große Überraschung: Die Brüder des Vaters waren allesamt passionierte Bergsteiger oder Kletterer, und mit dem Vater waren er und sein Bruder schon früh auf Wandertouren im Kaiser unterwegs. Speziell die Touren Richtung Stripsenjoch dürften für das Überschwappen der Faszination gesorgt haben.
Du hast schon recht früh wettkampfmäßig die Richtung Eisklettern eingeschlagen. Wie ist es dazu gekommen?
Das war damals der Trend. Als ich rund 15 Jahre alt war, war das genau die Zeit, als das Wettkampf-Eisklettern so richtig Fahrt aufgenommen hat. Wir waren damals alle recht fanatische Felskletterer. Unser Zugang war schon damals: weg vom Wettkampfklettern hin zum Felsklettern – und die nächste Herausforderung im Winter war eben das Eisklettern. Hias Schiestl und Guido Unterwurzacher verfügten zudem über den Zugang in die Eiskletter-Wettkampfszene, sprich zu den ersten Events am Pitztaler Gletscher oder zum Salomon-Event, die in dieser Zeit entstanden. Und wir – ja, wir waren „mitgehangen, mitgefangen“.
Fels- bzw. Kunstwandwettkämpfe standen damals nicht am Plan?
Doch, auch. Bouldermäßig war ich beispielsweise bei der WM in Chamonix, da war ich allerdings schon 18. Sportkletterwettkämpfe und Eisklettern waren immer parallel. Ausdauermäßig war ich beim Sportklettern weniger gut – Bouldern lag mir mehr. Allerdings muss man dazusagen, dass bei uns die Trainingsmöglichkeiten begrenzt waren. Das Tivoli in Innsbruck gab es zwar schon, aber zu dieser Zeit begann ich meine Bäckerlehre, und da war es schwierig, am Ball zu bleiben. Anders beim Eisklettern: Da konnte ich mir die Trainingsmöglichkeiten selber schaffen, und die Situation war international recht gleich. Das Eisklettern lag mir zudem einfach besser und die Konkurrenz war – verglichen mit der großen Masse beim Sportklettern – geringer.
Nach deiner Bäckerlehre hast du den Weg als Profi eingeschlagen?
Na ja, eigentlich war ich immer eher Semiprofi. Nach der Lehre bin ich zum Bundesheer gegangen und dann habe ich ein Jahr in der Backstube gearbeitet. Aber schließlich wollte ich es doch mit der Profikarriere versuchen. Schon nach einem Jahr musste ich allerdings feststellen, dass sich das finanziell nicht ausgeht. So habe ich nebenbei bei einer Kletterwandfirma als selbstständiger Mitarbeiter angefangen zu arbeiten – monatsweise: Im Winter war ich Profi, im Sommer habe ich mir mein Profidasein erarbeitet.
Von deinem Wohnort aus siehst du direkt auf den Kaiser. Waren der Wilde Kaiser und die Steinberge für dich im Sommer auch interessant?
Ja, schon. Wir haben das Glück, die für mich besten Klettergebiete Tirols direkt vor der Haustür zu haben – ob Sportklettern oder Alpinklettern: angefangen mit der Waidringer Steinplatte mit acht Kilometer bestem Verdon-Fels. Der Wilde Kaiser ist historisch vermutlich das bekannteste Klettergebiet Tirols, und rundherum mit den Sportklettergebieten wie Schleierwasserfall und den Kufsteiner Klettergebieten haben wir schon recht gute Möglichkeiten.
Wie siehst du Climbers Paradise? Wann ist dir die Initiative vor Ort aufgefallen?
Anfangs habe ich ehrlicherweise die Plattform kaum wahrgenommen. Erst in letzter Zeit sind mir die Projekte, die Climbers Paradise mitfinanziert, konkret aufgefallen. Die Zusammenarbeit mit den Tourismusverbänden ist ein extremer Segen für das Klettern in Tirol. Je mehr Leute unterwegs sind, desto mehr Probleme poppen auf. Hier braucht es einen Streitschlichter beziehungsweise eine Lobby. Diese steht viel eher hinter den Tourismusverbänden und dem Zusammenschluss Climbers Paradise als hinter einzelnen Kletterern oder Gruppierungen. So gesehen bietet Climbers Paradise eine gute Rückendeckung.
Außerdem profitieren wir Geschäftsbetreiber von der guten Bewerbung und Vermarktung. Die Gebiete, die über Climbers Paradise beworben werden, sind beliebter, werden häufiger frequentiert und sind durch die Topos auch leichter zugänglich. Gleichzeitig werden Konflikte gelöst – etwa durch die Schaffung von Parkplätzen, Beschilderungen oder Müllkübeln. Früher waren wir die eigensinnigen Kletterer, die verbotenerweise irgendwo Haken reingebohrt haben. Mittlerweile hat man erkannt, dass Klettern ein großes touristisches Potenzial hat und wertvoll ist.
In Summe würde ich sagen: Es hat – wie überall – Vor- und Nachteile, wobei hier der Nutzen eindeutig überwiegt. Entwicklungen sind ohnehin nicht aufzuhalten. Diese in geordnete Bahnen zu lenken, ist daher sinnvoll und wichtig. Als Kletterer, der ganz gerne mal seine Ruhe hat, muss man sich natürlich gelegentlich andere Ziele suchen, die nicht so stark beworben werden oder schlicht unzugänglich und schwierig sind.
Du hast in der Zwischenzeit auch eine Familie gegründet und ein Haus gebaut, aber du hast nicht zugenommen. Wie geht das?
Weil ich viel arbeite und wenig Zeit zum Essen habe. Ich bin aber dennoch viel unterwegs und klettere quasi „in Wellen“. Früher kletterte ich fünf Tage die Woche und tat kaum etwas anderes. Mittlerweile hat sich das verlagert: Jetzt habe ich Phasen, da sitze ich fast ausschließlich auf dem Rad – das ist meine zweite Sommerleidenschaft.
Im Winter, wenn der Schnee gut ist, gehe ich heute lieber eine Skitour, als mich in den Schatten zu stellen und Eis zu suchen. Wenn die Verhältnisse gut sind, gehe ich natürlich auch gerne Eisklettern. Aber gerade im Winter habe ich viel Stress im Geschäft, da das mittlerweile unsere Hauptsaison ist. Die Zeit zum Eisklettern ist einfach viel weniger geworden.
Was ist das Besondere an deinem Geschäft? Was ist dein Erfolgsgeheimnis?
Ich glaube, das Erfolgsgeheimnis ist – wie es auch beim Klettern war – ein bisschen Fanatismus und ein wenig Hartnäckigkeit, Ziele konsequent zu verfolgen. Die Einstellung, nicht mit dem zufrieden zu sein, was ist, sondern immer nach vorne zu schauen und zu versuchen, etwas zu verbessern, habe ich aus dem Sport mitgenommen. Wenn ich heute durch das Geschäft gehe, finde ich jeden Tag Dinge, die ich besser machen könnte.
Wir haben auf die Quadratmeter gerechnet eine sehr erfolgreiche Situation, platzen aber aus allen Nähten. Wir verkaufen nicht nur konservativ Klettern, Wandern und Skitour, sondern schauen auch ein wenig links und rechts. Sehr erfolgreich sind wir mit Radbekleidung – wir verkaufen genau das, was die Radgeschäfte rundherum nicht anbieten.
Was den Laden ausmacht:
Die Herausforderung ist also zu wissen, was in den nächsten Monaten auf den Markt kommt?
Ja, das ist quasi eine eigene Leidenschaft. Wenn irgendetwas auf den Markt kommt, dann möchte ich es probieren. Wenn mich jemand fragt: „Wie funktioniert der Ski?“, dann kann ich ihm das sagen, weil ich ihn gefahren bin – nicht weil ich einen Testbericht gelesen habe. Das Gleiche gilt für die Sicherungsgeräte. Das ist es, was die Kunden neben der großen Auswahl sehr schätzen.
Daraus entsteht aber auch ein Konglomerat, das nicht so einfach zu bewältigen ist, wie es klingt. Es gibt auch im Geschäftsleben – gleich wie damals in der sportlichen Laufbahn – Nächte, in denen ich nicht so gut schlafe und mir alle möglichen Gedanken mache.
„Unterm Strich kann man beide Welten ähnlich sehen – in beiden braucht es Leidenschaft und den richtigen Biss.“
Tipps & Sicherheit
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