Es begann bei Kaffee und Kuchen: „Da gibt’s jetzt so a neue steile Variante auf am Klettersteig im Ötztal“ – und wenige Tage später standen Vater und Sohn am Parkplatz in Lehn.
Der Klettersteig Lehner Wasserfall im Ötztal ist mit D/E bewertet und führt eindrucksvoll neben dem Wasserfall empor. Vor einigen Jahren kam eine linke Variante dazu, die für erfahrene Klettersteiggeher als Highlight gilt – mit einem Überhang im höchsten Schwierigkeitsgrad.
Text: Thomas Wanner
Geparkt wird hinter dem Heimatmuseum in Lehn, der Parkplatz ist gebührenpflichtig. Von dort führt ein markierter Steig in etwa 20 Minuten zuerst zur Hängebrücke und bald darauf zum Einstieg.
Nicht für Kinder: Die anspruchsvolle linke Variante ist laut Gebietsbeschreibung nichts für Kinder. Auch die Originalroute rechts vom Wasserfall verlangt Kraft, Trittsicherheit und alpine Erfahrung.
Viele Klettersteige starten traditionell steil – ein schlauer Trick, der unerfahrenen Bergsportlern früh zeigt, was sie erwartet. Auch hier geht es gleich über einen steilen Aufschwung los. Ein Paar gummierte Arbeitshandschuhe schützt Hände und Drahtseil.
Für den weniger geübten Begleiter hatte der Autor ein 30-Meter-Einfachseil und eine Seilrolle mit Rücklaufsperre dabei: Wer direkt ins Seil eingebunden ist, muss das Klettersteigset nicht ständig umhängen – und genau das kostet in steilem Gelände am meisten Kraft. Das setzt allerdings voraus, dass die sichernde Person weiß, was sie tut.
Der Mittelteil ist etwas leichter und führt südseitig hoch über dem Bachbett durch beinahe senkrechte Felssprünge, mit dem Wasserfall vor und den Plattenpanzern rund um einen. Trittstifte gibt es reichlich, technisch diffizile Abschnitte trotzdem.
Auf halber Höhe teilt sich der Steig. Die neue Linie führt direkt auf die leicht überhängende Wand zu – für Ungeübte sorgt dieser Abschnitt garantiert für dicke Unterarme. Die Tipps dafür: Arme möglichst gestreckt halten und zügig klettern. Wer den Überhang nicht will, nimmt die leichtere Umgehung.
Danach wartet eine Aussichtsbank mit Gipfelbuch, anschließend die Seilbrücke über dem Wasserfall. Der neu angelegte Wanderweg führt an einer ausgesetzten Aussichtsplattform vorbei, von der man den gesamten Steig überblickt. Rund 50 Meter oberhalb des Ausstiegs zweigt der Weg zur Seilbrücke ab – so kommen auch weniger Geübte zu diesem Highlight.
Klettersteige boomen, und über ihren Sinn wird gestritten, seit es sie gibt. Schon Reinhold Messner sah im versicherten Steig Ende der 70er-Jahre eine verfeinerte Spielform des Gehens, der die Zukunft gehört.
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