Jakob Schubert und die Goldene

aktualisiert am: 09. Juli 2024
Wenn Jakob Schubert zu einem Wettkampf antritt, dann um zu gewinnen – so auch bei Olympia 2024 in Paris. Wie geht er mit dem Druck um, wie trainiert man auf die Spiele, und haben sie den Klettersport verändert? Wir haben den Tiroler Ausnahmeathleten zum Interview getroffen.

Der erfolgreichste seiner Generation?

9c, 9A, sechs WM-Titel, eine Olympiamedaille – Jakob Schubert spielt in einer eigenen Liga.

Eine 9c-Route hat er durchstiegen – mehr gibt die Skala nicht her, weltweit gibt es nur drei Routen in dieser Liga. Dazu ein Boulder mit 9A, auch hier geht nicht mehr. Sechs goldene Weltmeistertitel – einmaliger Rekord –, dazu die Gesamtweltcupsiege. Wie viele genau? „Siebenundzwanzig? Sowas in die Richtung." Und eine olympische Medaille hängt auch schon zu Hause im Schrank. Kurz: Jakob Schubert zählt zu den erfolgreichsten Kletterern seiner Generation – oder ist er sogar der erfolgreichste?

Ziel Paris: Gold

Der 33-jährige Innsbrucker ist ein Allrounder, und bei Olympia 2024 in Paris ist sein Ziel klar: Gold. Dass er zu den Ältesten im Starterfeld zählt, ist die eine Sache – dass er in Topform ist, bewies er im Juni 2024 mit dem Sieg beim Heimweltcup in Innsbruck. Den WM-Titel 2023 in Bern und damit das Olympia-Ticket hatte er früh in der Tasche: „Das war schon eine enorme Erleichterung, weil ich mich ab dem Zeitpunkt viel entspannter meinen Felsprojekten widmen konnte."

Entspannt ging er zu Werke: Im September 2023 knackte er in Norwegens gigantischer Flatanger-Cave ein Projekt von Adam Ondra, taufte es „B.I.G." und bewertete es mit 9c – live per YouTube-Stream mit dem Stubaier Hannes Mair (alpsolut pictures). Im Dezember 2023 legte er mit „Alphane" einen 9A-Boulder nach. Sein Fazit mit 33: „Ich bin in der Form meines Lebens!"

Mr. Olympia

Gute Voraussetzungen für das große Ziel. Anders als in Tokio, wo Klettern seine olympische Premiere feierte, gibt es in Paris zwei Medaillenentscheidungen statt einer. „Das ist auf jeden Fall ein großer Fortschritt, denn der kombinierte Wettkampf in Tokio war das reinste Chaos, man kann Speed- und Schwierigkeitsklettern einfach überhaupt nicht miteinander vergleichen. … Richtig zufrieden können wir Kletterer aber erst sein, wenn wir drei eigenständige Medaillenentscheidungen haben: Vorstieg, Bouldern, Speed."

Es gibt einfach überall so unglaublich viel tollen Fels zu entdecken.

So sehr Jakob Wettkampfmaschine ist, so sehr freut er sich, wenn der Olympia-Trubel vorbei ist – dann hat er wieder Zeit für seine Felsprojekte. „Und das ist es ja, warum ich das Klettern so unglaublich liebe: Es wird nie langweilig, weil jeder Zug anders ist, kein Griff gleicht dem anderen."

Auch für Schubert gilt: Climbing with Respect!

Hier liegt eine der größten Herausforderungen: „Allein in den letzten 20 Jahren, in denen ich intensiv klettere, ist die Zahl der Kletterer explodiert, vor allem das Hallenklettern. … Gleichzeitig sehe ich draußen am Fels, dass all diese Menschen einen Impact auf die Natur haben. Mehr Menschen, mehr Einfluss." Genau hier setzt die Kampagne „Climbing with Respect" des Climbers Paradise Tirol an – denn der Klettersport kann nur naturverträglich weiterwachsen. „Sehr wichtig ist, all den neuen Kletterern unsere ungeschriebenen Regeln beizubringen: Die Natur so zu hinterlassen, wie man sie vorfindet, sich an die Zustiegswege halten, die vorgegebenen Parkplätze respektieren. Das Wichtigste ist aber bestimmt der Hausverstand", sagt Jakob Schubert.

Gibt es die 9c in Tirol?

Auch in seiner Felsheimat, dem Climbers Paradise Tirol, gibt es genug zu entdecken. Mit „The Flame" (9b) eröffnete er im Vorjahr eine der schwierigsten Routen des Landes im Zillertal – „eine der schönsten, die ich je geklettert bin". Ob es in Tirol auch 9c-Potenzial gibt? „Es muss einfach unglaublich viel zusammenkommen, damit eine 9c überhaupt kletterbar ist. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja doch irgendwo eine! Gerade aus dem Unterland hört man immer wieder von neuen Topgebieten." Bleibt die Gretchenfrage: Kalk oder Granit? „Granit", schmunzelt Jakob, „da sind die Griffe so schön klar definiert, da bricht nichts aus, das ist einfach ein ästhetischer Fels." Seine liebsten Gebiete liegen im Ötztal und im Zillertal. „Wenn es in Tirol eine 9c gibt, dann wohl im Kalk." Man darf gespannt sein.

Text: Simon Schöpf

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