Der alpine Sportklettersteig wurde bereits 1989 eröffnet, kommt dabei aber kein bisschen „old-school“ daher – im Gegenteil. Nach umfangreichen Sanierungen gilt der Imster Klettersteig als Musterbeispiel für moderne Sportklettersteige, ohne mit natürlichem Charme und klettertechnischen Reizen zu geizen.
Allerdings: Auch wenn die Absicherung vorbildlich ist, gilt: Alpine Vorkenntnisse, Trittsicherheit in steilem Gelände, Muskelkraft und Klettersteigerfahrung sind Voraussetzung dafür, dass die Tour zum Traum wird statt zum Kampf.
Text und Fotos: Susa Schreiner
Voll Bock auf Biken, Wandern und Klettersteiggehen? Warum nicht alles an einem Tag verbinden – inklusive Gipfelglück und doppelter Hüttengaudi.
Vom Parkplatz der Imster Bergbahnen in Hoch-Imst geht es über einen breiten Fahrweg zunächst bergab, dann über einige Kehren bergauf zur Latschenhütte (Beschilderung Richtung Linserhof, am Anfang den Teilwiesen folgen). Die Hütte lassen wir links liegen und radeln die Straße noch ein Stück weiter bis zur Materialseilbahn der Muttekopfhütte. Ab hier ist der Wanderteil dran.
Wir folgen den Schildern zur Muttekopfhütte – schweren Herzens ohne Pause auf der zauberhaften Terrasse. Dafür begrüßen uns oberhalb sattgrüne Almwiesen, die im Morgentau wie Smaragdteppiche funkeln, während die Schafe noch verschlafen aus dem Wollpelz blicken. Am Guggersattele öffnet sich der Blick auf schroffe Gipfel und steile Kare – auch unser Tagesziel salutiert herüber.
Der Imster Klettersteig ist etwas für Puristen: Abgesehen von der Stahlseil-Absicherung ist der Weg durch den Fels sehr naturbelassen. Heißt: wenig Steighilfen, viel klassisches Antreten am Fels – der erstaunlich rau ist und sich mit Leisten und Dellen als Klettersteigfreund präsentiert. Bequeme Kletterschuhe sind hier von Vorteil und lassen richtiges Kletterfeeling aufkommen.
Nach zuweilen ordentlich steilen Abschnitten, die die Armmuskeln zum Brennen bringen, gibt es immer wieder schöne Gelegenheiten zum Verschnaufen. Besonderes Highlight: eine luftige Seilbrücke, die Tiefblick und Wackelpudding in den Beinen verspricht.
Die eigentliche Schlüsselstelle kommt erst noch und schiebt sich alsbald mit voller Wucht ins Blickfeld: eine knapp 20 Meter senkrecht emporragende Wand.
„Da soll ich hoch?“ Die Hände sind schwitzig, die Nerven angespannt. Also noch einmal Kräfte sammeln und los. Und dann die Überraschung: Dort, wo es am steilsten ist, helfen Eisenkrampen und entlasten die Armmuskulatur. Anstrengend ist es trotzdem. Das Gefühl, diesen Abschnitt geschafft zu haben: großer Stolz.
Ab jetzt ist das Gipfelkreuz nicht mehr weit – noch ein paar kleine Aufschwünge, dann steht man oben am Maldonkopf. Das Herz hüpft schon wieder, diesmal vor Freude.
Wir sind die Ersten am Gipfel an diesem herrlichen Tag, das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Prachtvolles Panorama inklusive Aussicht auf Zugspitzmassiv und König Ortler. Die Jause schmeckt in dieser Kulisse wie ein Fünf-Sterne-Menü.
Zuerst am Grat entlang, dann über gestufte Felsen und einen weiteren Klettersteig abwärts Richtung Engelkar. Im Grobschotter angekommen sind die müden Arme endlich entlastet – dafür ist im steilen Kar noch einmal volle Konzentration und Trittsicherheit gefragt.
In der Wiese angekommen und gut geschützt vor möglichem Steinschlag nehmen wir die Helme ab und leeren die Schuhe aus. Für einen Mäuse-Sandkasten hätte das Material gereicht.
Wir gehen beschwingt zur Muttekopfhütte und nehmen auf der Terrasse Platz. Was für ein Tag, der bei einem kühlen Getränk seinen fulminanten Ausklang findet.
Der Weg zurück zu den Rädern ist schnell erledigt, der Fahrtwind weht um die Nase. Jetzt gleich ins Tal? Nein – lieber der Latschenhütte noch einen Besuch abstatten, an der wir heute früh vorbeigeradelt sind. Knödel mit Salat und Apfelstrudel. Erst danach sind wir bereit fürs Tal.
Aktuelle Verhältnisse und Sperren am besten vorab beim Tourismusverband oder auf der Gebietsseite checken.
Tipps & Sicherheit
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