Fester, solider Fels und so viele geniale Routen, dass man kaum weiß, wo man mit einem „Best of" des Ötztals beginnen soll. Hier aber der Versuch, einen guten Überblick über die schönsten Sportklettergärten und Mehrseillängen-Touren zu schaffen.
Im Felsmekka Ötztal gibt es so viele geniale Spots, dass irgendwie alles best-of-würdig ist. Aber das soll unsere Luxussorge bleiben. Wer soliden Fels unter den Fingerkuppen spüren will und dafür ins Ötztal fährt, kann schon mal nicht viel falsch machen.
Text: Simon Schöpf
Neben dem bombenfesten Granitgneis im sonst eher kalkdominierten Tirolerlandl besticht das Ötztal vor allem durch seine schiere Variationsfülle:
Alles gedeiht hier auf kleinem Raum, alle Ziele bieten ziemlich gute Kletterei. Trotzdem: Ein paar Klettergärten stechen heraus. Hier eine subjektive, aber begründete Auswahl.
1. Niederthai
Wollte man einen Top-Spot auf dem Reißbrett entwerfen – so würde er ausschauen. Wer sich über Niederthai informiert, liest unweigerlich irgendwann „riesige Granitblöcke, verstreut im Märchenwald". Muss man sagen: stimmt. Viel besser lässt sich das Gebiet wirklich nicht beschreiben. Also: ab in den Märchenwald, der Pump sei dir gewiss.
2. Engelswand
Geheimtipps beschreiben wir hier keine – und die Engelswand ist schon länger keiner mehr. Warum, muss niemanden wundern: eine schön flache Kuhwiese zum Sichern, Kinderspielplatz inklusive, geniale Touren über die gesamte Schwierigkeitspalette, kinderwagengerechter Zustieg. Beliebt wie eh und je – und immer noch zu Recht.
3. Oberried
Wenn die Kuh genussvoll am Seilende knabbert: fast schon eine alltägliche Szene im Klettergarten Oberried bei Längenfeld. Die Kühe waren eben zuerst da, nun klettern wir Affen in ihrem Wohnzimmer – selber schuld. Wer die Herden mit ihrem Heißhunger in Zaum hält, findet hier den perfekt familienfreundlichen Klettergarten mit Traumtouren zum Dahinschmelzen. Einfach gut.
1. Nösslach
Die Routen am Nösslach tragen schon so schöne Namen, dass man sie einfach klettern muss: „Strada del Sole" (7), „Utopia" (8-) oder „Träumerei" (7-). Nichts anderes ist hier fast jeder Meter. Kurzer Zustieg, gemütlicher Abstieg, geniales Panorama – und weil die Routen fast sportklettermäßig eingebohrt sind, erklärt sich die Popularität dieser imposanten Wand von selbst.
2. Burgsteinerwand
Da, wo das Ötztal wieder weit aufgeht, liegt die Burgsteinerwand – ein kleines, feines Mehrseillängengebiet, etwas weit ab vom Sportkletterschuss. Eingebohrt sind die Routen trotzdem sportklettermäßig. Der Fels ist wie gewohnt top, und egal ob man durch das „Schwalbennest" (7) flattert oder die „Schwarze Mauer" (8) erklimmt – besser werden Mehrseillängen nicht.
3. Geierwand
Die Geierwand sticht heraus. Erstens von der Lage: nicht im Ötztal drinnen, sondern noch draußen im Inntal. Zweitens vom Fels: Kalk statt Gneis, und auch nicht immer ganz solide. Warum sie trotzdem hier steht? Selten findet man so gut eingebohrte Routen auf so vielen Seillängen. Und auch wenn man in der Mitte ein großes Felsband mit viel Schotter durchstapfen muss – Touren wie „Im Auge des Geiers" oder „Nebraska" bieten überraschend geniale Kletterstellen. Und Sonne pur sowieso.
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