In diesem Artikel lege ich den Fokus auf zwei – für mich – sehr wertvolle Aspekte der regelmäßigen Yogapraxis fürs Klettern.
Grundsätzlich bin ich keine Yogi. Aber seit ich mir fast täglich eine Morgen-Yoga-Session gönne, merke ich, wie groß die Benefits fürs Klettern sind. In den ersten Einheiten war die Überwindung groß: zu müde der Körper vom Training, zu verlockend der Gedanke, mit dem ersten Kaffee wieder auf die Couch zu flacken. Mittlerweile ist die Morgeneinheit Routine.
Für mich kommen aber vor allem zwei Dinge dazu: Beim Yoga trainiert man mit vollem Range of Motion (ROM). Und man verbessert seine Atmung – und damit Konzentration und die Fähigkeit, Leistung punktgenau abzurufen.
Text: Martina Scheichl
Stell dir vor, du hängst an echt schlechten Griffen und es gibt nur eine Lösung: ein Hook, der zwar bombe ist, blöderweise aber sehr weit oben. Du musst also die Ferse weit hinaufbringen (Beweglichkeit) und dann dein Gewicht über diesen Tritt nach oben drücken (Kraft). In dieser Situation entwickelst du Kraft am Rande deiner individuellen Beweglichkeit. Prominentes Beispiel: Margo Hayes in ihrem Durchstieg von „La Rambla".
Yoga ist damit so etwas wie die Grundlage des „geschmeidigen" Kletterns – weil hier Kraftübungen an der Grenze der maximalen Beweglichkeit ausgeführt werden.
In der Trainingswissenschaft kommt das dem Training der ROM (Range of Motion) nahe: Man kräftigt den Muskel über den gesamten Bewegungsradius, den man aufgrund seiner Muskulatur und Gelenkstruktur individuell zur Verfügung hat. Im vollständigen ROM zu trainieren heißt, den Muskel von maximal gedehnt bis maximal verkürzt zu kontrahieren.
Das bringt große Vorteile für den Kraftaufbau:
Kurz gesagt: Die Kombi aus Dehnung und Aktivierung ist optimal, um einen größeren und stärkeren Muskel zu erzeugen. Im Yoga nimmt man genau das ein – individuell maximale Dehnpositionen, in denen Kraft aufgewendet wird, um die Position zu halten.
Kurzum: Yoga macht uns beweglicher – und umso stärker in dieser Beweglichkeit.
Die Yogalehrerin Nici von Ländle Yoga empfiehlt diese Posen:
Weitere empfehlenswerte Übungen:
Das zweite Argument fürs regelmäßige Yoga betrifft die Atmung – sie spielt in beiden Disziplinen eine Hauptrolle. Der Yoga-Hintergrund dazu ist Pranayama, zusammengesetzt aus Prana (Lebensenergie) und Yama (Steuerung). Einfacher gesagt: Mit Pranayama steuert man die Lebensenergie.
Im Yoga-Kurs führt dich eine Lehrerin zur korrekten Atmung – beim Klettern musst du sie dir selbst beibringen.
Wer richtiges Atmen üben will, orientiert sich an der Struktur einer Yogaeinheit. Schritt eins: den Fokus nach innen lenken, über die tiefe Bauchatmung. Schritt zwei: die richtige Atemstruktur unter Belastung in die Bewegung bringen, um effizienter zu klettern. So wird das Atmen zu einem Bestandteil des erfolgreichen Durchstiegs.
Richtiges Atmen verlagert außerdem den Fokus – weg von „Get the party started" im Ohr, hin zum Fels: Tritte wahrnehmen, Bewegungen antizipieren. Es stellt sich eine positive Wahrnehmungskraft ein und die Überzeugung, dass der Durchstieg klappt.
Und wer immer noch nicht überzeugt ist: Schau dir das Video von Adam Ondras Begehung von „Silence" an. Dann sollte klar sein, was zu tun ist. In diesem Sinne – frohes Yogieren!
Tipps & Sicherheit
Du willst mehr zu Sicherheit beim Klettern wissen? Hier gehts zu unseren Sicherheitstipps.