Rocktober im Verwall: Bouldern an der Darmstädter Hütte

Am Arlberg, kurz vor der Skisaison: Wir sind im menschenleeren St. Anton unterwegs zum jüngsten Bouldergebiet Tirols – per E-Bike ins entlegene Moostal zur Darmstädter Hütte.
Boulderer an Mikroleisten im Verwall
Boulderer an Mikroleisten im Verwall

Andere Superlative am Arlberg

Wer kennt ihn nicht, den Arlberg – das größte Skigebiet Österreichs und zugleich variantenreichster Freeride-Spot der Ostalpen? Vor Beginn der Wintersaison sind wir dort aber mit ganz anderen Superlativen konfrontiert.

Die Berge präsentieren sich weiß angezuckert. Das Thermometer im Auto zeigt 0,5 Grad, als wir den Parkplatz der Rendlbahn in St. Anton ansteuern. Der Start der Skisaison liegt in der Luft – am Parkplatz ist davon aber nichts zu spüren. Er ist leer. Genauso leer wie das Zentrum: Wo sich normalerweise Menschentrauben vor der Galzigbahn drängen, herrscht im Oktober Einsamkeit.

Text: Gebi Bendler | Fotos: Michael Meisl

Winterschlaf in St. Anton

St. Anton hält Winterschlaf – paradoxerweise immer dann, wenn gerade nicht Winter ist. Mit in dicke Fäustlinge gepackten, aber klammen Fingern geht es nun nach Süden ins Moostal. Für die Wegstrecke zur Darmstädter Hütte sind zu Fuß gut drei Stunden veranschlagt – wir aber sitzen mit einem breiten Grinsen auf unseren E-Bikes.

„Wandernd wäre die Kosten-Nutzen-Rechnung für das bisschen Bouldern absolut nicht stimmig“, meint David, und wir geben ihm recht.

Bouldern vor der Darmstädter Hütte im Verwall
David bei der Erstbegehung des Boulders Wunderwelt

Eine Superlative nach der anderen

Selbst mit dem Rad wird schnell deutlich: Hier sind wir mit einer Superlative nach der anderen konfrontiert. Denn mit 13 Kilometern handelt es sich nicht nur um das längste Hochtal weit und breit, sondern auch um den Ausflug mit dem höchsten Akkuverbrauch – was wiederum zu den größten Bedenken während der Recherche führte.

Boulderer im Blockfeld vor der Darmstädter Hütte

Pioniere im Verwall

Dann rückt die Hütte ins Blickfeld. Sie liegt auf einer kleinen Anhöhe, umrahmt von den mächtigen Dreitausendern des Verwalls. Wir sind nicht nur am Ende unserer Akkukapazität, sondern gefühlt am Ende der Welt: „Entlegenster Talkessel, gottverlassenste Gegend, größte Einsamkeit.“ Die Superlative sprudeln. Unweit der Hütte öffnen sich die ersten Blockfelder – hier eine Linie, da eine, dort noch mehr. Wir sind die Ersten, die hier bouldern. Pioniere im Verwall.

Kartell-Stausee im Verwall

Das jüngste Bouldergebiet Tirols

Entdecker, Abenteurer – im neuesten und jüngsten Bouldergebiet Tirols. Die Herbstsonne wärmt die klammen Finger, die trockene und klare Luft bietet den besten Grip. Schon wieder ein Superlativ.

Superlative machen verdächtig, sagt man. Zu viele davon zerstören die Werbebotschaft, weniger sei mehr. Deshalb hören wir jetzt auf – denn bekanntlich soll man aufhören, wenn es am schönsten ist.

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Blick zu den Seeköpfen im Verwall

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