Nicht nur was Gehzeit (8 bis 10 Stunden) und Höhendifferenz (1.500 Höhenmeter) angeht: Mit dem Seeben-Klettersteig und dem Klettersteig Tajakante kitzeln zwei anspruchsvolle Eisenwege die Nerven und pumpen die Armmuskulatur ordentlich auf.
Die Tagestour sollte nur bei besten Wetterverhältnissen und mit ausreichend Berg- und Klettererfahrung in Angriff genommen werden. Stimmen die Voraussetzungen, erlebt man in der Tiroler Zugspitz Arena aber einen traumhaften Tourentag.
Text und Fotos: Susa Schreiner
Von der Talstation der Ehrwalder Almbahn folgen wir den Wegweisern zum Wasserfall-Rundweg und zum Seeben-Klettersteig. Zunächst mäßig, später etwas steiler geht es durch herrlichen Wald und entlang des plätschernden Wassers Richtung Seebenwasserfall – und damit zum Einstieg. Nach etwa 45 Minuten steht man am Wandfuß und legt in etwas Abstand zum Fels Gurt, Helm und Klettersteig-Set an.
Der erste Abschnitt ist mit „D“ eingestuft, also schwierig. Wer hier bereits größere Probleme hat, dreht besser um. Ansonsten heißt es für die kommenden anderthalb Stunden: Füße präzise an die Wand setzen, Druck aufbauen, sich kraftvoll nach oben ziehen. Der Steig ist sehr sportlich, mit einigen kurzen „E“-Passagen.
Oben präsentiert sich die Landschaft vollkommen konträr: Die steilen Felsen sind Geschichte, ein herrlicher Almboden mit saftig grünen Wiesen beruhigt Atem und Nerven, Kuhglocken tun ihr Übriges. Die Seebenalm würde zum zweiten Frühstück locken – lieber weitergehen. Von 1.500 Höhenmetern sind gerade einmal 250 geschafft.
Von der Seebenalm geht es auf einem breiten Forstweg in moderater Steigung zum Seebensee. Sein Anblick: prachtvoll – vor allem, wenn sich im grün funkelnden Wasser die Berggipfel spiegeln und weiter oben die Coburger Hütte ins Blickfeld rückt.
Wir marschieren quasi auf der Seepromenade weiter und biegen bei der Materialhütte links ab Richtung Klettersteig Tajakante. Der Weg wird steiler und führt über Schotter auf 1.850 Meter zum Wandfuß. Noch eine Essens- und Trinkpause schadet nicht – die nächsten 600 Höhenmeter geht es immer an der Kante kletternd Richtung Gipfel.
Die Passagen wechseln von Gehgelände zu steilen Aufschwüngen samt einer luftigen Querung. Die Ausblicke auf den Seebensee und später auf den Drachensee bei der Coburger Hütte entlohnen für jede Mühe und die brennenden Armmuskeln.
Wer auf den Gipfel verzichten möchte, weil die Kräfte schwinden, folgt dem Pfeil „Notausstieg“. Alle anderen stehen nach weiteren 20 Minuten auf dem Vorderen Tajakopf (2.450 m).
Vom Gipfel oder vom Notausstieg geht es Richtung Süden zum Drachensee und zur Coburger Hütte. Die erste Stunde im Abstieg ist steil und verlangt noch einmal volle Konzentration. Danach steht man bald auf weichen Almwiesen, und die Schafe begrüßen einen mit dumpfem „Mäh“. Jetzt lockt entweder der Drachensee zur Erfrischung oder die Hüttenterrasse – oder beides. Der Abstieg über den Seebensee zur gleichnamigen Alm und Richtung Ehrwald ist einfach, da lässt sich im Schlendergang der Tag Revue passieren.
Bequeme Kletterschuhe, wie sie die Autorin getragen hat, funktionieren bei den vielen plattigen Passagen sehr gut – und beruhigen die Nerven.
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