Zuerst die Finger langziehen, dann die geschundenen Füße ins kühle Nass halten – oder besser gleich ganz reinspringen. So geht Klettern und Schwimmen in Tirol.
Kombinieren kann man viele Sportarten: Langlaufen und Zielschießen heißt Biathlon. Rennen, Schwimmen, Radfahren heißt Triathlon. Klettern und Klippenspringen heißt Deep Water Soloing. Aber wirkliche Lebensprofis wissen: zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Wenn die „Arbeit“ selbst schon Vergnügen ist, umso besser – auf zum climb & swim! Wir empfehlen Spots im Climbers Paradise Tirol, an denen sich Fels und Wasser ideal verbinden.
Schon allein der Name beinhaltet alles, was man für ein gelungenes climb & swim braucht. Das Gebiet um die Steinseehütte hinter Starkenbach im Tiroler Oberland ist ein Kleinod für Kletternde: ob ein alpiner Klassiker am spektakulären Spiehlerturm (2.550 m), entspanntes Sportklettern im Schneekarle oder der Klettersteig Steinsee (B/C) – einen Sprung in den eiskalten Steinsee sollte man sich danach keinesfalls entgehen lassen.
Die Routen hier oben eignen sich perfekt für alpine Einsteiger:innen und sind meist nicht allzu schwer. Erarbeiten muss man sich das Gebiet allemal: Gut zwei Stunden Zustieg mit schwerem Kletterrucksack, bis man oben bei der Steinseehütte ist – und dann noch ein wenig weiter zu den Felsen. Der See selbst liegt gut eine halbe Stunde über der Hütte. Der Lohn: grandioses Ambiente, wohltuende Ruhe und vergleichsweise Einsamkeit.
Das Kraftwerkswandl verlangt, wie der Name impliziert, vor allem eines: Kraft – und gutes Schuhwerk. Ab dem siebten Grad findet man hier viele tolle Projekte, vereinzelt gibt es aber auch gute einfachere Routen. „Carpe diem“ (7a) sollte man unbedingt klettern und das Prinzip danach gleich folgewirksam leben, sprich: ab ins Wasser!
Zur Abkühlung steht man nach einer Session vor der luxuriösen Wahl: ab in den Fluss oder doch lieber in den See? Bereits von den Umlenkern blickt man hinunter auf den schönen Lech, der unweit der Wand durchs Tal fließt – ein paar Meter flussauf- oder abwärts finden sich genügend schöne Kiesbänke mit Bademöglichkeit. Wer lieber im stillen Wasser ein paar Längen Rückenschwimmen will, dem sei der nahe Urisee über Reutte empfohlen (ca. 10 Minuten mit dem Auto).
Der Achensee wird vom Karwendel im Westen und dem Rofan im Osten flankiert – entsprechend zahlreich sind die Klettermöglichkeiten auf allen Uferseiten, wobei man immer ein wenig weg muss vom See. Außer beim Klettergarten Achenseehof, der eher etwas für Kinder ist, dafür aber in Ufernähe liegt.
Die lohnenderen Ziele finden sich hoch oben über dem See, was sie auch im Sommer kletterbar macht: das Klobenjoch mit seinen epischen Mehrseillängen, das „Paradies“ mit seinen – ja, durchaus – paradiesischen Sportklettereien im steilen Lochfels, die Rotspitze mit ihrem fotogenen Tiefblick hinunter auf den See. Egal für welches Ziel man sich entscheidet: Sofern man nicht eine Nacht auf der Erfurter Hütte verbringt, führen alle Wege wieder hinunter zum Achensee – oder besser noch, hinein in den Achensee.
Rund 40 Routen findet man im Klettergarten Adolari, gut einen Kilometer vom Pillersee entfernt. Oder man sucht sich seine Abkühlung in der nahen Teufelsklamm, die man direkt vom Klettergarten aus erwandern kann – das kleine, kühle Bergbächlein wird die Füße verlässlich abkühlen. Der Klettergarten Wiesensee in den Steinbergen wiederum ist sprichwörtlich „einen Steinwurf“ vom gleichnamigen See entfernt: swim & climb in seiner reinsten Form!
Man kann es kaum besser beschreiben als im Intro des Beitrags im Klettermagazin LIMIT #2: „Was braucht der Homo Bergensis zum Glücklichsein? Eigentlich nur Berge, oder? Wenn dem so ist, dann müssen Bergmenschen hoch über Ehrwald aufpassen, nicht an einer Überdosis Glück zu kollabieren. Denn dort gibt es von allem mehr: mehr Bergseen, mehr leuchtende Farben, mehr neue Kletterrouten.“
Die Mehrseillängengebiete Seebenwände, Wampeter Schrofen, Sonnenspitze und Grünstein Nordwand in der Tiroler Zugspitz Arena kommen dem recht nahe: Mit dem Seebensee und dem Drachensee liegen gleich zwei Bergseen in unmittelbarer Nähe der Klettergebiete – das „kühle Nass“ liegt also direkt am Nachhauseweg. Dazu kommen die kulinarischen Genüsse auf der Coburger Hütte, die laut Süddeutscher Zeitung mit dem besten „Tiroler Gröstl der Welt“ aufwarten kann.
Wer schon einmal an der Südwand der Roten Flüh im Tannheimer Tal geklettert ist, weiß: Der Ausblick auf den tieftürkisen Haldensee ist Segen und Fluch zugleich. Einerseits ist er immer im Blick und man freut sich ultimativ auf den Sprung ins kalte Nass; zugleich weckt er an heißen Tagen die Sehnsucht, sofort einzutauchen.
Doch es gibt hier massig Ablenkung: Ein gutes Dutzend Mehrseillängenrouten von richtig guter Qualität wartet auf Wiederholer, die Verteilung der Schwierigkeitsbereiche ist sehr ausgewogen. Es finden sowohl Genusskletterer mit der „alten Südwand“ als auch Kletterprofis mit Routen im 9. Grad attraktive Lines. Ist man wieder unten im Tal, kann man sich nach kurzer Fahrt im Strandbad Haldensee endlich ins ersehnte, glasklare Seewasser stürzen.
Tipps & Sicherheit
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