8 Szenarien: Erste Hilfe im Klettergarten

Als Kletterer:innen wissen wir, dass ein Unfall schneller passieren kann, als man denkt. Deshalb gehört zur guten Tourenvorbereitung nicht nur das richtige Equipment, sondern auch das Üben von Notfallsituationen. Dieser Artikel ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs – er gibt aber eine kompakte Übersicht zu den häufigsten Kletterverletzungen.
Klettern in Tirol
Klettern in Tirol

Die richtige Notfallausrüstung

Eine gut durchdachte Notfallausrüstung sollte immer dabei sein. Das SAB First Aid Kit des Österreichischen Alpenvereins ist speziell auf Bergsportler:innen abgestimmt – klein, leicht und wasserdicht:

  • Emergency Bandage
  • 2× Steri-Strips (klaffende Wunden)
  • Rettungsdecke + Beatmungstuch
  • Einmalhandschuhe, Wundpflaster, sterile Wundauflage
  • Alkoholtupfer, Leukotape
  • Empfehlung: zweite Rettungsdecke, Traubenzucker, Biwaksack

Die folgenden 8 Szenarien zeigen, wie du in den häufigsten Notfallsituationen am Fels und im Klettergarten richtig reagierst.

Szenarien 1 – 4

1. Sicherheit & alpiner Notruf

Nach einem Unfall: durchatmen, Überblick verschaffen. Brauche ich professionelle Hilfe? Notrufnummern:

  • Bergrettung: 140 | Rettung: 144 | EU-Notruf: 112
  • SOS EU Alp App – sendet Standort automatisch an Rettungsleitstelle
  • Ab iPhone 14: Notruf via Satellit möglich
  • Kein Empfang: laut um Hilfe rufen, SOS-Morsecode (3× kurz – 3× lang – 3× kurz)

2. Wärmeerhalt

Unterkühlung verhindert die körpereigene Blutgerinnung und kostet Energie – besonders kritisch im alpinen Setting. Die Rettungsdecke über der untersten Bekleidungsschicht anbringen, Kopf einschließen, am Rumpf ausbreiten und das Ende zwischen den Beinen fixieren. Zucker und warme Getränke zuführen.

3. Druckverband

Bei starker Blutung: Wundauflage der Emergency Bandage fest auf die Wunde drücken, unter Zug durch den Plastikdruckkörper fädeln, Richtung ändern (Druck auf Wunde), fertig wickeln und mit Plastikspange fixieren. Blutet die Person durch, keinen bestehenden Verband öffnen – zweiten Druckverband darüberlegen.

4. Kopfverletzung

Kopfplatzwunde: Wundauflage der Emergency Bandage über der Wunde, locker um den Kopf wickeln, Druckkörper als Umlenker ums Kinn, fertig wickeln und fixieren. Bei Anzeichen eines Schädel-Hirn-Traumas (Schwindel, Übelkeit, Bewusstseinstrübung): sofort Notruf, erhöhter Oberkörper. Bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage, Atemweg kontrollieren.

Szenarien 5 – 8

5. Schulter- / Armverletzung

Ruhigstellen mit provisorischer Schienung (z.B. Karte als Mulde + Mullbinde). Bei offener Wunde oder Knochenbruch: sterile Wundauflage abdecken. Mit der Emergency Bandage ein stabiles Armtragetuch anlegen, das den Arm entlastet und die Schonhaltung unterstützt.

6. Halswirbelsäule / Wirbelsäule

Bei Sturz auf Kopf oder Rücken und Anzeichen wie Schmerzen entlang der Wirbelsäule, Taubheit oder Kribbeln: Person so wenig wie möglich bewegen, sofort Notruf absetzen. Kopf mit den Händen stabilisieren, Wärmeerhalt sicherstellen.

7. Knöchelverletzung – Transport mit Rettungsdecke

Für kurze Strecken (z.B. Klettergarten → Auto): Zwei Rettungsdecken mit Weberknoten zu Ringen verknoten, verletzte Person mit einem Bein durchstecken und wie Rucksack schultern. Achtung: nicht bei großem Gewichts-/Größenunterschied oder langen Transportwegen im schwierigen Gelände. Cool-Pack aus Einmalhandschuh mit Schnee/kaltem Wasser, Fuß hochlagern.

8. Fingerverletzung – Buddy Taping

Ca. 65% der Kletterverletzungen betreffen Hand oder Finger. Buddy-Tape-Technik: Leukotape oberhalb des Grundgelenks um den verletzten Finger, benachbarten Finger zur Schienung miteinbeziehen, oberhalb des Mittelgelenks fixieren. Nicht zu fest tapen – Durchblutung darf nicht beeinträchtigt werden. Kühlen und hochlagern.

Text: Lara Novak, Rosa Schmidl | Fotos: Lara Novak

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