Ein Wochenende im Pillerseetal in der Bergsportregion Steinberge, das bedeutet: Klettern bis die Finger lang sind, und wenn man auf die großen Wände verzichtet, und sich den kleinen Klettergebieten widmet, baden bis die Schwimmhäute wachsen. Das Pillerseetal ist ein wahres Genießer-Eldorado, das mit landschaftlicher Schönheit und allerhand Bade- und Klettergelegenheiten lockt.

Schon die Anreise von München aus ist eine einzige Einladung, das Wochenende zu genießen: Von Kössen führt die Route an Tirols wärmstem Badesee, dem Walchsee, vorbei. Das Wasser funkelt verführerisch – sollen wir kurz anhalten und einmal reinhüpfen?

Die prächtigen Bergformationen von Zahmer und Wilder Kaiser, die im Süden des Walchsees eindrucksvoll Spalier stehen, lassen den Badereiz wieder abebben, stattdessen brizzeln die Finger und die Klettervorfreude überwiegt – die Türme und Zacken des Kaisergebirges stehen hier für ein Versprechen, ein Versprechen auf Felsfreuden – ganz bald …

Klobental

Ein wenig im Schatten der mächtigen Waidringer Steinplatte, deren fast schon protzig anmutende Felsmauer weithin sichtbar ist, steht mitten im Wald bei Enthgries/Waidring ein kleines Klettergebiet: Das Klobental. Was auf den ersten Blick schüchtern erscheint, wartet bei näherer Betrachtung mit beeindruckenden Linien auf, deren Schwierigkeiten man so nicht vermutet. Idyllisch? Absolut! Genussmomente: Viele! Das Klettergebiet teilt sich in eine dicke Felsschuppe mit einigen äußerst lohnenden Routen im achten Grad und darüber. Der zweite Felsteil „die hintere Wand“ ist ideal für Einsteiger und Felsneulinge. Die Routen sind hier, bis auf eine 6c-Route (unten leicht, Mittelteil 6c, dann wieder leicht), leicht und sehr gut abgesichert. Eine kleine Sitzgelegenheit unterm Baum macht den Klettertag noch lauschiger. Der Zustieg über einen breiten Forstweg ist einfach und ohne Schwierigkeiten zu erledigen.

Lauschiges Plätzchen an der hinteren Wand/Klobental | Climbers Paradise

Lauschiges Plätzchen an der hinteren Wand/Klobental

Twin-Climbing im Klobental

Der Klettergarten ist ideal für Kletterpaare, die in unterschiedlichen Schwierigkeiten kraxeln. Denn hier liegt die 5c+ (Da Max) gleich neben der 7a (Asima) – besser geht’s nicht. Kein langes pendeln zwischen den Sektoren mit den passenden Schwierigkeitsgraden entfällt. Einfach eine Route weiterziehen und schon ist jeder im Kletterglück.

Klettergarten Klobental Frontansicht der dicken Schuppe | Climbers Paradise

Klettergarten Klobental Frontansicht der dicken Schuppe

Klobental im Überblick

Perfekter Kalk mit Leisten, Auflegern und Löchern. Der Zustieg ab dem Gasthaus in Enthgries (hier parken, nach Absprache mit dem Gastwirt) ist in 15 Minuten erledigt. Vom Gasthaus über die Bundesstraße geht es auf einen herrlichen Wanderweg, der Richtung Waidring führt. Wenn man auf Höhe der Enthgries-Bauernhöfe einem kleinen Weiler mit einigen Häusern ist, geht es rechts ab auf einen steilen Forstweg. Von hier führt der Weg direkt Richtung Fels, der sich linker Hand auf den letzten Zustiegsmetern zeigt.

Von Waidring kommend am kleinen Schild „Enthgries“ vorbei fahren zum Gasthof, und auf der oben beschriebenen Route zum Fels laufen.

Die Felsstruktur der Felsschuppe im Klettergarten Klobental | Climbers Paradise

Die Felsstruktur der Felsschuppe im Klettergarten Klobental

Lake-Hopping à la Pillerseetal

Nach der eher fingerbetonten Kletterei im Klobental geht es zum Abkühlen an den Pillersee. Wir lassen die Steinplatte links liegen und fahren in einer Viertelstunde nach St. Ulrich und damit an den Pillersee. Die Idylle zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht: Auf der Liegewiese koalieren in bester Harmonie zwei- und vierbeinige Sommerfrischler. Während die einen auf der Wiese liegen und die Sonne genießen, grasen die anderen gemütlich zwischen den Badetüchern durch und mümmeln genüsslich das Sommergras. Auf dem See tümpeln Stand-up-Paddler sitzend auf dem Board, die Beine im Wasser, die Angel im See. Seele baumeln lassen par excellence.

Nach einer Abkühlung fühlen sich die Finger schon wieder recht munter an … zu munter um an den Kletterfeierabend zu denken. Mehr See, mehr Fels: Alpenvereinsklettergarten Wiesensee ist das erklärte nächste Ziel. Wir machen es uns einfach, vom Fels ins Wasser geht es ins nächste Klettergebiet in weniger als einer Minute.

Wiesensee – Wo die Idylle ihren Ursprung hat

Idylle pur: Der Wiesensee von der Holzbrücke aus | Climbers Paradise

Idylle pur: Der Wiesensee von der Holzbrücke aus

Von St. Ulrich sind es gerade mal 10 Minuten mit dem Auto bis zum Wiesensee. Und dann: Auto abstellen, Holzbrücke überqueren und Idylle wahrnehmen:  Der Weiher funkelt mit hellgrün schimmerndem Wasser, Enten schnattern und ziehen in kleinen Gruppen ihre gemütlichen Seerunden. Radfahrer dösen im Gras, nachdem sie ihre heißgeradelten Waden im Kneipp-Tretbecken erfrischt haben.

Der Blick vom Klettergarten Wiesensee auf den gleichnamigen Weiher | Climbers Paradise

Der Blick vom Klettergarten Wiesensee auf den gleichnamigen Weiher

Der Felsriegel mit perfekt eingerichteten Routen in fünf Sektoren ist in einer Minute zu Fuß erreicht, Seeblick inklusive. Die Routen in den zum See ausgerichteten Sektoren sind sowohl für Kinder und Einsteiger als auch für etwas ambitioniertere Kletterer interessant. Letztere finden im rechten Teil ein paar kräftige, wenn auch kurze 6b- und 6c-Routen. Mehr Linien im siebten und achten Schwierigkeitsgrad bietet der 15 Minuten entfernte Sektor „Steinreich“.

Seitenansicht – Klettegarten Klobental | Climbers Paradise

Seitenansicht – Klettegarten Klobental

Fahrt ins Gebiet Wiesensee

Von St. Ulrich kommend beim „Strasserwirt“ links abbiegen in ein kleines Seitental, die Straße führt direkt zum Wiesensee, der, von dieser Seite kommend, auf der linken Seite liegt. Aus Richtung Hochfilzen der Beschilderung „Wiesensee“ folgen und rechts in das idyllische Tal abbiegen. Vorbei am schmucken Gasthof Wiesensee ist das gleichnamige Ziel in wenigen Autominuten erreicht.

See-Picknick

Nach dem Klettern ist vor dem Baden. Raus aus den Klamotten, rein ins kühle Nass – und die Seele schaukelt derweil auf der Luftmatratze samt Cocktail nebenher. Brotzeit ist hier fast ein Muss, genauso wie eine Runde durchs Kneipp-Tretbecken.

Wiesensee im Überblick

Vor allem Genusskletterer, Familien und Einsteiger haben hier ihre wahre Freude. Kompakter Fels, mit schönen Strukturen, Leisten, Rissen und Löchern. Sehr gut abgesichert. Helmtragen ist hier erwünscht (Alpenvereinsschild).

Alles außer klettern

Baden und Biken, Baden und Wandern, oder nur Baden, nur Wandern, nur Biken. Für die Badenixen unter euch steht der Pillersee, oder als Abstecher außerhalb des Tals der Walchsee zum Badevergnügen bereit.

Stand up on your board

Am Pillersee gibt es eine SUP-Verleihstation – wer möchte kann sich hier auch für eine Yoga-Lesson auf dem Board anmelden. Oder, wie wäre es mit einer Partie „Murmelgolf“? Alle Informationen unter www.supnfun.at.

Wer mal raus aus dem Tal möchte, kann zum Baden an den Walchsee fahren. Ein Sundowner auf dem Steeg samt kühlem Getränk in der Hand sind hier obligatorisch.

Wandern und Baden (wenn auch nur für „Hartgesottene“) kann man am Wildseeloder. Insta-Pic mit See, Hütte und Bergen produzieren, und wer sich traut geht für eine kurze Runde ins Wasser des Wildseeloder. Ein kurzes Fußbad tut es aber auch … lieber dann einen ausgedehnten Hütteneinkehrschwung setzen und sich mit leckeren Köstlichkeiten verwöhnen lassen.

Beeindruckendes Ausflugsziel und Top-Fotopoint: Der Wildseeloder, Foto: Helmut Lackner, TVB Pillerseetal | Climbers Paradise

Beeindruckendes Ausflugsziel und Top-Fotopoint: Der Wildseeloder, Foto: Helmut Lackner, TVB Pillerseetal

Medizinisch Baden geht im Pillerseetal auch, hier solltet ihr den Moorsee „Lauchsee“ bei Fieberbrunn ansteuern. Dem Moorwasser wird eine heilende und vor allem schmerzstillende Wirkung bei Rheuma und Muskelverspannungen zugeschrieben. Ideales Kletterer-Erholungs-Terrain …

Wer sich auf dem Bike die Region erstrampeln möchte, kann sich im Tourismusverband Leogang einen kostenlosen, äußerst umfangreichen Bikeführer holen, oder im Internet downloaden. Die Touren sind perfekt beschrieben, das Topo kann herausgetrennt und auf Tour mitgenommen werden.

Kaffeeklatsch im Gasthof Wiesensee

Zuerst eine Runde kneippen, dann Kaffee und Kuchen, oder doch was Deftiges und ein Glaserl Weißwein dazu? An Kletter-Ruhetagen ist alles erlaubt, findet die Autorin und denkt: Ein ausgewogener Ruhetag besteht aus Kaffee, Kuchen und etwas Deftigem samt Weißwein. Die Infos zur Terrasse samt Anfahrt gibt es unter www.wiesenseehof.at.

Family & Friends

Wenn Deine Kids auf Dinosaurier voll abfahren und alles über die großen Urzeit-Ungetüme wissen wollen, dann nichts wie auf die Steinplatte in den „Triassic-Park“. Auf einem großzügigen Gelände wird sehr anschaulich die Geschichte der Dinosaurier erzählt. Kleine Nachwuchsforscher können auch auf eigene Erkundungstour gehen und im Sand nach Spuren graben.

Übernachten

Richtig idyllisch und nicht nur für Familien toll: Der kleine Campingplatz Maurerhäusl. Auf einer breiten Wiese, unweit vom kleinen Wiesensee entfernt, kann man hier ungetrübt relaxen und die Akkus aufladen. Der Gasthof Wiesensee ist praktischerweise in der Nachbarschaft.

Steinberge im Überblick

8 Sportklettergärten, 13 Mehrseillängengebiete, 10 Klettersteige (in Climbers Paradise), 2 Familienklettergärten, 3 Kletterparks, 6 Kletterhallen

Klettern an der Waidringer Steinplatte, Foto: Michael Meisl | Climbers Paradise

Klettern an der Waidringer Steinplatte, Foto: Michael Meisl

Anfahrt

Mit dem Auto

Aus München kommend über die Autobahn A12 Richtung Innsbruck nehmen. Bei Wörgl Ost abfahren und von hier auf der Lofererstraße (B178) Richtung St. Johann. Von St. Johann Richtung Waidring/Pillerseetal abbiegen.

Mit der Bahn

Bahnhöfe gibt es in Waidring, Fieberbrunn und Hochfilzen. Wer eine Unterkunft gebucht hat fährt mit der Gästekarte kostenlos Bahn und Regionalbus zwischen Hochfilzen und Wörgl. Mitnahme von Rädern ist kostenfrei möglich.

Beste Jahreszeit

Je nach Schneelage und Wetter von April bis November oder Dezember kann in den Talgebieten geklettert werden. Die hohen Wände und Routen an der Waidringer Steinplatte sind nur etwas für die warme Jahreszeit.

Familienfreundlichkeit

Das Pillerseetal ist zu 100 Prozent auf Familien programmiert. Von kindgerechten Ausflugszielen bis zur familiengerechten Unterkunft in einem Mitgliederhaus der Tiroler Familiennester samt Kinderbetreuung und Animationsprogramm, das durch die hohen Qualitätsstandards des Vereins regelmäßig geprüft wird. Das Pillerseetal hat ein großes Herz für Kinder und Familien.