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Mein Leben in deinen Händen

Es ist ein ganz normaler Kletterabend in der neuen Kletterhalle in Telfs, der Bergstation. Ein paar Jungs aus unserer Mauerfix Klettergruppe schauen sich den Vorstiegsbereich genauer an und probieren sich an den neuen Testpieces von Angy Eiter und Co. Plötzlich trifft das ein, vor dem sich jeder Kletterer fürchtet. Einer der Mauerfix fällt von 12m beinahe ungebremst auf den Boden. Die Sache geht verhältnismäßig glimpflich aus. Unser Pietro kommt mit einem gebrochenen Bein und dem Schrecken davon.

Zu den Fakten: Ein neues Mammutseil mit einem Durchmesser um die 9mm in Kombination mit dem alten Grigri. Das Seilkommando „Zu“ kommt etwas spät, genau im gleichen Moment wie sich Pietro reinsetzt. Zuwenig Zeit für den Sichernden, um das Schlappseil ganz einzuziehen. Der darauffolgende Sturz kommt überraschend, das alte Grigri blockiert erst kurz vor dem Boden. Dieser letzte Bremsimpuls in Kombination mit dem etwas dämpfendem Sicherheitsboden verhindern das Schlimmste.

Aus gegebenem Anlass nützen wir die Möglichkeit, über neue Sicherungsgeräte, Trends und auch Gefahren beim Sportklettern zu informieren.

Der Partnercheck

Bereits vor vielen Jahren durch den Alpenverein eingeführt, ist der Partnercheck mittlerweile Verkehrsnorm und somit ganz klar als verpflichtend einzustufen. Der Partnercheck besagt, dass sich Kletternder und Sichernder vor Kletterstart gegenseitig überprüfen. Dabei wird darauf geachtet, dass der Knoten richtig gefädelt und vor allem auch fertig geknüpft ist, dass der Klettergurt richtig verschlossen ist, dass das Sicherungsgerät richtig eingehängt und der Verschlusskarabiner geschlossen ist und dass am Seilende ein Knoten drinnen ist. Erst nach diesem Check dürfen Kletterer in ihre Tour starten.

Abseilachter, Tuber und HMS

Der Trend beim Sportklettern geht ganz klar zu immer dünneren Einfachseilen. Das klassische Kletterseil hatte früher einen Durchmesser von 10mm und war 50m lang. Heute kauft der ambitionierte Sportkletterer Seile mit 9mm Durchmesser, idealerweise 70m oder 80m lang aufgrund der vielen neuen Routen über 35m Länge. Dieser Trend hat sich natürlich auch auf die Sicherungsgeräte ausgewirkt. Abseilachter und alte Tuber wie der Reverso 1 oder Reverso 2 sind in Kombination mit den neuen dünnen Einfachseilen lebensgefährlich!

Der klassische HMS Knoten hat zwar aufgrund seiner Einfachheit, Vielseitigkeit und vertretbaren Bremswirkung zwar immer noch seine Daseinsberechtigung, sollte aber vor allem bei Mehrseillängen Routen zum Einsatz kommen.

tuber-bremskraft

Halbautomaten

Moderne Sportkletterer sichern heute mit Halbautomaten. Das sind Sicherungsgeräte, die im Falle eines Sturzes automatisch blockieren und so die Gefahr des Bodensturzes reduzieren. Der jüngste Unfall in unserer eigenen Klettergruppe hat aber gezeigt, dass es auch bei den Halbautomaten einige Dinge zu beachten gibt. An erster Stelle sei hier das Bremshandprinzip erwähnt was bedeutet, dass eine Hand immer am Bremsseil sein muss unabhängig davon, ob das Sicherungsgerät automatisch blockiert oder nicht.

Beim Grigri hat sich die Gaswerkmethode durchgesetzt, die sowohl ein schnelles Seilausgeben ermöglicht, das Prinzip der Bremshand aber zu jedem Zeitpunkt erfüllt. Hier ein Video zur Anwendung der Gaswerkmethode:

 

Wie schon bereits erwähnt, ist die Kombination aus Sicherungsgerät und Seil ein absolut zentrales Thema bei den Halbautomaten, wie wir beim Unfall in der Kletterhalle in Telfs gesehen haben. Der Seildurchmesser muss mit dem verwendeten Sicherungsgerät zusammenpassen. Das alte Grigri ist für Einfachseile zwischen 10mm und 11mm zugelassen. In Kombination mit einem neuen 9mm Seil ein absolut gefährliches Gerät, sehr bequem allerdings bei dicken Statikseilen oder älteren breiteren Einfachseilen.

Die große Gruppe der Autotuber

Sehr beliebt sind mittlerweile die Halbautomaten in Tuberform. Smart, Ergo, Fish oder Clickup sind die wohl gängigsten Geräte am Markt und arbeiten mit einem ähnlichen Blockierprinzip. Die Bremswirkung ist durchwegs gut und auch die Verwendung von dünnen Einfachseilen stellt kein Problem dar. Zu beachten gilt allerdings, dass der Autotuber richtig eingelegt wird und dass ein passender Karabiner mit rundem Schenkel dazu verwendet wird. Die meisten Hersteller liefern die Geräte ohnehin mit einem passenden Karabiner aus.

Der von uns getestete FISH von Austrialpin funktioniert mit allen Einfachseildurchmessern ausgezeichnet. Wir haben ihn sogar beim Arbeiten am dicken Statikseil verwendet und können ihn mit gutem Gewissen weiterempfehlen. Er wird mit einem Dreiwege Twistlock ausgeliefert und eignet sich durch seinen Ablasshebel auch für Kinder sehr gut.

fish

Warnen wollen wir an dieser Stelle vor dem Trango Cinch. Bei Nichtbeachtung des Bremshandprinzips besteht hier wirklich Lebensgefahr. Als Halbautomat ist er sehr kritisch zu beurteilen und kann nur mit sehr viel Übung sicher eingesetzt werden.

Mit diesem Beitrag hoffen wir, dass wir etwas Licht in den Sicherungsdschungel gebracht haben. Auch für uns war der Unfall von Pietro wieder eine Lehre, wie es unser Chef Mauerfux Patrick auf den Punkt gebracht hat: „Wir sind halt einfach nicht beim Schachspielen.“ Gute Besserung unserem Senior Mauerfux. Wir sehen uns am Fels!

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