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Klettersteig Lehner Wasserfall – „A steile Variante“

„Da gibt´s jetzt so a neue steile Variante auf am Klettersteig im Ötztal hab i glesn. Kemma den amal gian?“, fragte mich mein Vater vor einigen Wochen, als wir gemütlich bei Cafe und Kuchen auf der Terrasse saßen. Wie steil kann ein Klettersteig schon sein denke ich mir und willige breitwillig ein, ihn bei der Begehung der neuen Variante am Lehner Wasserfall zu begleiten.

Naturspektakel Lehner Wasserfall.

Gesagt- getan starten wir ein paar Tage später in Richtung Ötztal. Der schön angelegte Parkplatz ist bereits halbvoll. Kein Wunder, ist es doch einer dieser goldenen Herbsttage die prädestiniert für einen Ausflug in die Berge ist. Nach dem kurzen Zustieg erreichen wir in 10 Minuten den Einstieg. Ein einheimisches Pärchen ist gerade gestartet und arbeitet sich geschickt über den ersten steilen Aufschwung empor.

Viele Klettersteige starten traditionell steil und schwierig um den Aspiranten einen Vorgeschmack zu vermitteln, was ihnen noch bevorsteht. Ein schlauer Trick um unerfahrene Bergsportler vor Selbstüberschätzung zu schützen und Schlimmeres zu vermeiden.

Wir selbst machen uns auch daran, unsere Klettergurte anzuziehen und die Klettersteigsets zu montieren. Ein billiges Paar Bauhandschuhe (am besten gummiert) aus dem Bauhaus schützt vor Blasen und Beschädigungen des Drahtseils. In weiser Voraussicht halte ich auch mein 30m Einfachseil samt Microtraxion bereit, um meinen Vater im steileren Gelände zu sichern. Dir Erfahrung hat mir gezeigt, dass das Umhängen und Bedienen des Klettersteigsets am meisten Kraft braucht und es für schwächere Kletterer oft eine große Hilfe ist, wenn man ihnen dieses Prozedere ersparen kann.

 

Noch ist aber alles im grünen Bereich und wir klettern ohne großen Schwierigkeiten durch die ersten steilen Passagen. Der Mittelteil ist etwas leichter und führt südseitig hoch über dem Bachbett durch die beinahe senkrechten Felssprünge. Ein tolles Naturschauspiel bietet sich uns mit dem Wasserfall vor uns und den steilen Plattenpanzern um uns. Die Erschließer haben zwar reichlich Fußtritte gesetzt aber wir kommen immer wieder an technisch diffizilen Abschnitten vorbei.

 

In der Schlüsselpassage.

Auf halber Höhe teilt sich der Klettersteig. Wir folgen der neuen Linie geradeaus weiter direkt auf die leicht überhängende Felswand zu. Mein Vater ist mittlerweile schon etwas still und ich merke ihm die Anspannung an. Ohne lange zu zögern gehen wir die Schlüsselpassage an. Meinen Vater habe ich mittlerweile direkt in das Seil eingebunden und starte die ersten 20m empor. Für einen „Nicht Kletterer“ sorgt dieser Abschnitt garantiert für dicke Unterarme! Ich gebe meinen Vater noch ein paar letzte Tipps die Arme immer gestreckt zu halten und schnell zu klettern. Ein paar Minuten später erscheint er neben mir, sichtlich erleichtert, das steilste Stück gut gemeistert zu haben. Der nächste Teil bis zum „Flying Fox“ ist etwas leichter und wir sind beide froh, dass wir uns auf der gemütlichen Aussichtsbank ins Gipfelbuch eintragen können. Nach ein paar Schluck Wasser meistern wir auch noch die Seilbrücke über dem Wasserfall und kommen auf den neu angelegten Wanderweg, der an einer ausgesetzten Aussichtsplattform vorbeiführt.  Von hier aus sieht man den gesamten Klettersteig und die vielen Kletterer, die sich mittlerweile auf dem Weg tummeln.

 

Klettersteige boomen und auch wenn sich die Alpinisten dieser Welt über Sinn und Unsinn streiten so möchte ich diesen Beitrag mit einem Zitat von Reinhold Messner (1979) schließen: „Ich bin so vielen glücklichen Menschen auf ihnen begegnet, dass ich dafür sein muss und auch ich glaube, wie Fritz Peterka, dass dem versicherten Klettersteig als verfeinerter Spielform des Gehens die Zukunft gehört.“

 

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